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So kurz davor

Abschiedsschmerz steht kurz vor Mara’s Haustür. Einen Teil hat sie bereits hinter sich gebracht, aber der schwerste Teil wartet noch auf die 16 jährige. Was genau geht so kurz vor dem Abschied in einem vor ? Und was war es, dass Mara dazu animierte zehn Monate in Argentinien zu verbringen? Ich habe sie gefragt, und hier könnt ihr nachlesen, was Mara geantwortet hat. Mara, was hat dich dazu animiert eine so lange Zeit in Argentinien zu verbringen ?

30. Juli 2010 - 21:14
von SPIESSER-Autorin Özge.
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Özge Offline
Beigetreten: 28.02.2010

Mara, was hat dich dazu animiert eine so lange Zeit in Argentinien zu verbringen ?

Eigentlich war`s eine fixe Idee von meiner Freundin und ich hab mich in ihrer Begeisterung mitreißen lassen. Wir haben uns Prospekte angesehen und gedacht, was das für eine super Erfahrung wäre und natürlich auch, dass uns alle darum beneiden werden.
Man hat danach etwas erlebt, wovon man berichten und profitieren kann…

Was genau hat diese Entscheidung von dir bestätigt, warst du von Anfang an sicher, das Richtige getan zu haben?

Anfangs war es Begeisterung, nur die Idee, und dann hat sich das später richtig angefühlt. Es ist wahrscheinlich so, wie wenn man immer wieder etwas erzählt und dann schließlich selber dran glaubt, dass das wahr ist. Ich weiß nicht mehr genau, wann der Zeitpunkt kam, dass ich mir absolut sicher war.

Welche Gefühle gingen dir im ersten Moment durch den Kopf, als du die Bestätigung für deinen Auslandsaufenthalt bekommen hast?

Das war alles ein wenig kompliziert bei mir: Ich musste mich erst einmal bewerben, dann persönlich vorstellen. Es hieß, ich werde genommen, doch letztendlich musste ich mich noch ein weiteres Mal vorstellen. Doch auch danach war’s noch ziemlich wage, denn die offizielle Bestätigung bekam ich erst im Juli. Es war immer etwas zwischen Hier und Fort und das hat mich darauf vorbereitet. Auf der einen Seite war alles klar, auf der anderen Seite hatte ich nichts in der Hand. Jetzt habe ich es und freue mich riesig auf mein Jahr in Argentinien. Der Gedanke ans Weggehen ist nicht schlimm für mich, denn ich weiß, dass, wenn ich wieder komme, alles noch mehr oder weniger so sein wird, wie ich es verlassen habe.

Hattest du Ängste und Sorgen, die dich seit Beginn deiner Entscheidung verfolgt haben? Wenn ja, welche ?

Es gab eigentlich keine großen Ängste oder Sorgen. Die Gedanken an das Schöne waren immer stärker. Natürlich überlegt man sich: Was ist, wenn ich nicht mit der Familie klar komme? Die Leute mich nicht verstehen? Ich keinen Anschluss finde? Ich in der Schule nicht mitkomme? Oder auch an das „Danach“ denkt man. Wie geht danach alles weiter? Und was hat sich alles verändert, wenn ich wiederkomme?

Wie bist du mit deinen Ängsten umgegangen?

Letztendlich habe ich mir geglaubt, dass doch genau das der Sinn des Austauschs ist. Sich selbst zu vertrauen, allein mit Herausforderungen umzugehen und eine Lösung für Probleme zu finden. Es gibt immer Leute, die einem dabei helfen, auch wenn es nur ein oder zwei sein sollten. Auch wenn es jetzt ein bisschen überheblich klingt: Man wächst mit seinen Aufgaben! Denn genau das habe ich schon bei den Vorbereitungen gemerkt. Ich mache mit Rotary ein Austauschjahr und kein Auslandsjahr. Es wird nicht alles von der Organisation organisiert, ich muss mich selbst drum kümmern. Mein Visum, meinen Flug und eine Präsentation, wie ich Deutschland positiv als Botschafter vertreten kann, liegen allein in meiner Hand! Auch der Gedanke daran, dass sich schon alles finden wird, haben mir geholfen.

Du klingst echt schon gut vorbereitet zu sein aber meinst du genug Platz in deinem Koffer zu haben, wenn du bedenkst, dass du fast ein Jahr gehst? Will man da nicht viel mehr einpacken als möglich ist?

Oh, ja! Das ist total schrecklich! So viel, dass ich gerne mitnehmen möchte, aber meine Mutter sagt schon immer „Nein, Mara, das geht nicht!“ Bis Buenos Aires darf ich insgesamt 46kg mitnehmen, bei meinem Anschlussflug aber nur noch 15kg. Selbst, wenn man nur für eine Woche in den Urlaub fährt wiegt der Koffer schon 20kg. Klamotten, ein paar kleine Erinnerungen an mein Leben in Deutschland und natürlich viele Gastgeschenke werden auf jeden Fall zu meinem Gepäck zählen…

Wann hast du richtig realisieren können, dass es ernst ist, dass du dich in naher Zukunft für zehn Monate von deinem bisherigen Leben abwendest, und etwas Neues in einem fremden Land erleben wirst?

Es ist immer noch sehr schwer sich das vorzustellen. Ich bin eigentlich noch gar nicht soweit: Ich habe mein Visum noch nicht, keine Gastgeschenke, keine Ahnung was ich mitnehmen soll… Außerdem passiert jetzt vorher noch so viel, dass an meine eigene Abreise noch nicht wirklich zu denken ist. Zum Beispiel kommt der Austauschschüler, der in meiner deutschen Familie leben wird und den ich dann auch noch kennenlerne.

Wie bereitest du dich jetzt vor? So kurz vor deinem Abflug. Was geht in dir vor, und wie möchtest du in Argentinien anfangen und hier für eine Zeit Stopp machen?

Wie schon oben erwähnt gibt es noch viel zu tun. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit vor meinem Abflug viel zu knapp ist, doch gleichzeitig kann ich es auch nicht mehr erwarten, endlich loszufliegen. Die letzten Dinge müssen noch erledigt werden, mein Gastbruder hier begrüßt werden. Ich schreibe sehr, sehr viel mit meiner argentinischen Gastfamilie und versuche mich schon mal auf das Leben dort einzustellen. Der richtige Abschied findet die Woche vor dem Abflug statt. Da mein Flug erst eine Woche nach den Ferien geht, habe ich noch mal die Chance in die Schule zu gehen und mich von meinen Freunden zu verabschieden, denn das habe ich noch nicht richtig getan. Erst, wenn das vorbei ist, kann ich mich richtig auf das nächste Jahr einstellen. Dann heißt es für’s erste „Adios Deutschland, Bienvenido Argentinien!“ Wie von Rotary empfohlen, werde ich in der ersten Zeit versuchen, den Kontakt nach Deutschland ziemlich gering zu halten, damit ich mich richtig da unten einleben und eingewöhnen kann und nicht mit meinen Gedanken noch in Deutschland bin. Ich werde meine Familie und Freunde vermissen, doch ich bin sicher, dass ich in Argentinien eine neue Familie und auch viele neue Freunde kennenlernen werde. Außerdem weiß ich, oder hoffe es jedenfalls, dass Familie und Freunde in Deutschland auf mich warten werden bis ich zurückkomme!

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