Schmökern

„Stell dir vor,
dass ich dich liebe“

„Es ist wie jeden verdammten Tag auf einem Kostümball zu sein, und du bist der Einzige ohne Kostüm…“ Jacks Leben ist das reinste Chaos, denn er kann die Menschen nicht auseinander halten. Dass ausgerechnet die übergewichtige Libby sein Leben komplett umkrempelt, hätte er wohl nicht erwartet. SPIESSER-Autorin Saskia begleitet für euch die ungewöhnlichen Charaktere in ihrer Liebesgeschichte.

04. September 2017 - 10:44
SPIESSER-Autorin SaskiaBecker.
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SaskiaBecker Offline
Beigetreten: 11.11.2013

Worum geht's?

Jack ist der coolste Typ an seiner Schule. Er sieht gut aus und ist beliebt. Dass seine Coolness nur Fassade ist, weiß niemand, nicht seine Freunde und auch nicht seine Familie. Jack hat nämlich ein Geheimnis: Er ist gesichtsblind. Er kann seine Freundin nicht von den anderen Mädels unterscheiden und erkennt seinen kleinen Bruder auf dem Kindergeburtstag zwischen all den anderen Kindern nicht wieder. Mit flapsigen Sprüchen und Strategien kann Jack seine Krankheit vor seinem Umfeld jedoch verbergen. Doch dann taucht Libby auf.

Libby kennt jeder in der Schule, obwohl sie die Highschool in den letzten Jahren gar nicht besucht hat. Hinter vorgehaltener Hand tuscheln ihre Klassenkameraden, denn Libby war der dickste Teenager Amerikas und jeder hat gesehen, wie sie mit einem Kran aus ihrem Haus befreit wurde. Trotz ihrer Ängste übersteht sie den ersten Schultag unbeschadet, bis sie auf Jack trifft.

Dummerweise müssen die beiden zusammen nachsitzen und merken dabei, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie zunächst dachten. Obwohl die beiden einen schwierigen Start haben, sehen sie in dem anderen etwas, das der Rest der Welt nicht zu sehen scheint. Und plötzlich haben die beiden das Gefühl, in diesem Highschool-Wahnsinn etwas weniger allein zu sein.

Wer steckt dahinter?

Jennifer Niven wuchs in Indiana auf und lebt heute in Los Angeles. Im Alter von zehn Jahren hatte Jennifer bereits mehrere Songs und Gedichte, zwei Autobiografien und diverse Geschichten geschrieben. Dass sie schließlich hauptberuflich Schriftstellerin geworden ist, überrascht da nicht. Mittlerweile hat sie neun Bücher veröffentlicht, unter anderem „All die verdammt perfekten Tage“, welches gerade verfilmt wird und 2018 erscheint. Außerdem ist sie Gründerin und Betreiberin des Online Magazins „Germ“.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Mit 462 Seiten scheint dieser Roman eher ein dicker Schinken zu sein. Doch das täuscht. Da die Perspektiven von Libby und Jack wechseln und zusätzlich kleine, private Notizen der beiden Protagonisten eingefügt werden, fliegt man nur so durch die Seiten. Obwohl es so scheint, als sei die Highschool-Geschichte zwischen dem coolen Typen und dem unbeliebten Mädel schon tausende Male erzählt worden, ist dieses Buch doch ganz anders und ungewöhnlich.

Stell dir vor, dass ich dich liebe

Autor: Jennifer Niven
Verlag: S. Fischer Verlag
Veröffentlichung: Juni 2017
Seitenzahl: 462

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Unbedingt zu Hause lesen, wenn man nah am Wasser gebaut ist! Manchmal befürchtet man während des Lesens, dass Jennifer Niven oder eine ihrer beiden Figuren ins Kitschige abschweifen. Doch dann schlägt mal die schöne, mal die traurige Wirklichkeit zu und die eine oder andere Träne steht im Augenwinkel. Trotzdem vermittelt der Roman so viel Leichtigkeit und Lebensfreude, dass es kaum einen Ort gibt, an dem man ihn nicht spontan aus der Tasche ziehen möchte, um Jack und Libby auf ihrem Weg zu begleiten.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

Anfangs hat man gar nicht das Gefühl, gefesselt zu sein, doch ehe man sich versieht, ist man schon auf Seite 300 und plötzlich möchte man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die leichte und authentische Sprache, die zwei nicht ganz so leichte Schicksale mit Witz und Gefühl verpackt, lässt dich das Buch nur ungern zuklappen. Ab der ersten Seite entsteht eine außergewöhnliche Verbundenheit zu Libby und Jack, die einem Mut und Lebensfreude schenkt, die man am liebsten jederzeit abrufen möchte. Daher bewerte ich dieses Buch mit einer 7.

Wem borgt man es als erstes?

„Stell dir vor, dass ich dich liebe“ sollte an eine Freundin oder einen Freund verliehen werden, der oder die auf ungewöhnliche Liebesgeschichten steht. Das Buch gibt die Kraft, die eigenen Fehler zu akzeptieren, und die Hoffnung, dass jemand anderes diese Fehler sogar lieben kann. Deshalb möchte ich am liebsten jedem eine Ausgabe in die Hand drücken, der einen kleinen Schubs benötigt, um das Leben wieder zu genießen.

Lieblingszitat:

„Menschen sind aus vielen Gründen mies. Manchmal sind es einfach miese Menschen. Manchmal waren andere mies zu ihnen, und ohne es zu merken, übernehmen sie dieses miese Vorbild und gehen in die Welt und behandeln andere genauso. Manchmal sind sie mies, weil sie Angst haben. Manchmal beschließen sie, mies zu anderen zu sein, bevor die anderen mies zu ihnen sind.“ (Seite 90)

In drei Worten:

mutig, berührend, authentisch

 

Text+Teaserbild: Saskia Becker

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