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„Sweet Rotation“

Escort-Girl verliebt sich in Kunden: SPIESSER-Autor Theo hat mit „Sweet Rotation“ einen Groschenroman als E-Book gelesen, der gern ein richtiges Drama geworden wäre.

15. Juni 2017 - 12:30
SPIESSER-Autor TheoMueller.
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TheoMueller Offline
Beigetreten: 24.09.2010

Worum geht's?

Die Mutter der 19-jährigen Erwerbslosen Anna stirbt – prompt heuert Anna a.k.a. Mira aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen bei einem Escort-Service an. Für ihre Agentur führt sie gegen Bezahlung diverse Frauen und Männer zum Essen aus, mit den meisten davon schläft sie danach. In einen ihrer Kunden verliebt sich die vom Leben gezeichnete Protagonistin unsterblich, viel mehr, das kann man an dieser Stelle doch verraten, passiert nicht. Neben Anna und ihren Freiern treten noch ein einige Nebenfiguren wie ihr Vater Oskar oder ihre Tante Ingrid-Anne auf den Plan, ohne dass man diesen je nahe fühlen würde.

Bei der insgesamt unglaubwürdigen und letztlich egalen Story ist nicht immer klar, ob sie nur ein lakonischer Softporno oder doch eine Bestandsaufnahme dramatischer Lebensumstände werden wollte.

Wer steckt dahinter?

Laura Wohnlich, 25, kommt aus Basel und war als freie Autorin in der Schweiz tätig. „Sweet Rotation“ ist ihr erster Roman. Sie instagramt Blumenwiesen und mit Koteletts verzierte Bergpanoramen, außerdem betreibt sie einen lesenswerten Blog namens „Sei dein Held“, in dem sie von allerhand Dingen schreibt, darunter ihrer Schwierigkeit, mit dem Rauchen aufzuhören.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Mit 336 Seiten ein noch gerade noch okay dicker Schinken: Man kann das Buch an einem Abend durchlesen, ohne das Gefühl zu haben, seine Zeit vollkommen verschwendet zu haben. Für Sätze wie „Aber ich hatte nun mal eines Tages die Erkenntnis gehabt, dass es für mich einfach an der Zeit sein musste, über den berühmten Tellerrand hinauszudenken, wenn es mir nicht gelingen wollte, mich in einem angemessenen Zeitraum zu einem ähnlich verhaltensunauffälligen Wesen zu entwickeln wie andere Mitglieder meiner Peergroup“ sollte man vielleicht noch eine Kaffee- und Nachdenkpause extra einplanen.

Sweet Rotation

Autor: Laura Wohnlich
Verlag: Piper Verlag
Veröffentlichung: März 2017
Seitenzahl: 336

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Der Text ist völlig universell weglesbar. Ob man damit außerhalb eines behaglichen und gut abgeschirmten Ohrensessels gesehen werden möchte, steht auf einem anderen Blatt. Kenner wie ich geben sich keine Blöße und lesen das E-Book. Zumindest wenn man dafür 16,99 Euro ausgeben möchte.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

Ziemlich genau 2: Der eine oder andere gelungene Wortwitz macht es durchaus möglich, sich an diesem Buch zu erfreuen. Würde man die an den Haaren herbeigezogene Story, die im Wesentlichen aus Essen, Sex und Rückblenden auf eine traumatische Kindheit besteht, nicht zu Ende lesen, wäre das aber auch nicht schlimm.

Wem borgt man es nach dem Lesen als erstes?

Singles, die ihren Schulabschluss in der Tasche und weder einen festen Job noch eine abgeschlossene Lebensplanung vorzuweisen haben.

Lieblingszitat:

„Als die relevanten Körperteile freigelegt waren und Enrique sich ein Kondom übergestülpt hatte, begannen meine Synapsen auf Hochtouren zu arbeiten. Mehrere farbige Blitze jagten durch mein Blickfeld, das jetzt von Enriques Gesicht dominiert wurde, und in meinen Ohren erklang unterwasserähnliches Rauschen, während Enrique sein Gemächt in Startposition brachte.“ (Kapitel 3 im E-Book)

In drei Worten:

Hormongesättigt. Detailverliebt. Trashy.

 

Text+Teaserbild: Theo Müller

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