Schmökern

„Tagebuch einer SehnSucht – Wie ich meine Tochter an die Drogen verlor“

Das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann, ist, ihr Kind zu überleben. Hilflos zusehen zu müssen, wie es sein Leben Stück für Stück zerstört. Genau das ist Ina Milert passiert und nun teilt sie ihre Geschichte mit uns, um sich selbst und anderen zu helfen.

27. Mai 2019 - 16:32
SPIESSER-Autorin Aponi.
Deine Bewertung bewertet mit 5 5 basierend auf 1 Bewertungen
Aponi Offline
Beigetreten: 12.05.2019

Worum geht’s?

Dieses Buch ist keine Belehrung, kein erhobener Zeigefinger und kein hilfloser Versuch, Jugendliche „spielerisch“ über Drogen aufzuklären, wie es sich manche albernen Lehrvideos zum Ziel gesetzt haben. Es ist die wahre Geschichte eines Mädchens, erzählt von ihrer eigenen Mutter. Die Geschichte, wie Ina Milert ihre Tochter Lea an die Drogen verlor, vom Anfang bis zum Ende. Sie schreibt so hautnah, dass der Leser schon nach ein paar Sätzen in den Bann gezogen wird und ihn immer und immer wieder die Gänsehaut packt. Der Roman ist gespickt von Tagebucheinträgen, Briefen, Postkarten und selbstgeschriebenen Geschichten aus Leas Kindheit, unverändert, mit allen Rechtschreibfehlern und sogar beschrifteten Fotos. Das vermittelt uns als Lesern das Gefühl, Lea persönlich zu kennen und live dabei zu sein. Man sieht sie als glückliches, behütetes Kind aufwachsen, das eigentlich alles hat, was es braucht. Mit 14 Jahren nimmt Lea zum ersten Mal Drogen und dann beginnt der tägliche Kampf. Der Leser geht mit ihr durch jedes Hoch und Tief, fühlt mit ihr, hegt Hoffnungen und erfährt so knallhart und ehrlich, was Sucht bedeutet. Am Ende des Buches ist ein Nachwort von Suchtforscher Prof. Jens Reimer sowie von Ina Milert persönlich mit ausgewählten Hilfsangeboten und Lektüre angehangen.

„Tagebuch einer SehnSucht“

Autor: Ina Milert
Veröffentlichung: 18. Februar 2019
Seitenzahl: 191

Wer steckt dahinter?

Ina Milert, 1961 in Brandenburg geboren, studierte Asienwissenschaften und Publizistik in Berlin. Heute arbeitet sie als Redakteurin beim Burda-Verlag in Hamburg. Lea ist ihr einziges Kind. Zehn Jahre nach Leas Tod schrieb sie dieses Buch, um all ihre Gedanken, Gefühle und Erinnerungen zu einem Ganzen zusammenzufassen.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Mit seinen 191 Seiten ist das Buch recht kompakt. Die Geschichte wird zwar ausführlich, aber doch prägnant beschrieben. Es wird gesagt, was gesagt werden muss. Man kann es gut und zügig lesen, mit viel Zeit innerhalb von zwei oder drei Tagen.

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Da es ein schwerwiegendes Thema behandelt, sollte dieses Buch in Ruhe gelesen werden und vielleicht nicht unbedingt vor dem Schlafen, denn wenn man das Buch zuklappt, muss einiges im Kopf erst einmal sacken. Am besten also ein ruhiges Eckchen im Sessel suchen und eintauchen.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

Hier steht eine ganz klare 9. Wenn man einmal angefangen hat zu lesen, fällt es schwer, das Buch zuzuklappen und sich einfach etwas anderem zu widmen. Man möchte wissen, wie es weitergeht und Leas Schicksal verfolgen. Man bewahrt immer die Hoffnung, dass sie es doch noch irgendwie schafft und gegen die Drogen siegt, auch wenn man von Anfang an weiß, wie es endet. Es gibt aber auch Stellen, an denen man eine Pause braucht. Vor Entsetzen. Und Mitgefühl. Also kann man es, aufgrund des emotional schwierigen Themas, nicht komplett am Stück lesen.

Wem borgt man es nach dem Lesen als erstes?

Wenn man dieses Buch gelesen hat, möchte man es am liebsten jedem sofort borgen. Jeder sollte es lesen. Jugendliche, um ihnen zu zeigen, welche Gefahr Drogen mit sich bringen, ihnen den Ernst der Lage darzustellen. Familienangehörige, Freunde und Lehrer von Drogenabhängigen, um ihnen zu helfen. Um ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind und ihnen Unterstützung zu bieten. Und alle anderen, die keine Ahnung von dem Thema haben. Um zu informieren, aufzuklären, die Augen zu öffnen. Diese Menschen brauchen Unterstützung, statt Zurückweisung. Die Ausgrenzung aus der Gesellschaft und die abwertende Haltung werfen Opfer von Drogen immer tiefer ins Loch. Diese Menschen wollen nur akzeptiert werden, wie jeder andere.

Lieblingszitat:

„Vielleicht hätte ich es einfach akzeptieren sollen, dass das dein Weg war und dir trotzdem zeigen sollen, dass ich dich über alles liebe.“

In drei Worten:

Erschreckend. Echt. Hautnah.

Text & Teaserbild: Aponi Brands
Coverfoto: hansanord Verlag

 

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