Was'n da los?

The Biggest Show
On Earth

In Amerika wird der Wahlkampf immer teurer, aufdringlicher und gigantischer.
Hillary Clinton ist dabei, die größte Wahlkampagne der Geschichte auf
die Beine zu stellen, während Donald Trump alle konventionellen Wahltaktiken bricht -
und damit erstaunlich erfolgreich ist. Wie funktioniert der amerikanische Wahlkampf?

05. September 2016 - 08:34
SPIESSER-Autor Nosy Noah.
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Nosy Noah Offline
Beigetreten: 08.10.2013

Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf war schon immer ein großes Spektakel, aber seit gut zehn Jahren steigen die Ausgaben in unermessliche Höhen. Für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2000 entstanden insgesamt noch Wahlkampfkosten von 300 Millionen US-Dollar. 2008 waren es schon 1,1 Milliarden und 2012 1,7 Milliarden Dollar. Die diesjährige Präsidentschaftswahl könnte diesen Rekord sogar übertreffen und die teuerste Wahl der Weltgeschichte werden. Da fragt sich so mancher: Könnte dieses Geld nicht sinnvoller ausgegeben werden?

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Zeigefinger, die erste: Hillary Clinton.
Foto: WisPolitics.com, flickr.com,
CC-Lizenz (CC BY-SA 2.0), bearbeitet

Es kommt oft nicht darauf an, wer die besseren Argumente hat, sondern wer mehr Geld hat, um seine Message zu verbreiten. Es ist offensichtlich effektiver, den Gegenkandidaten mit negativer Wahlwerbung schlecht zu reden und auf seine Schwächen hinzuweisen, als von den eigenen Positionen zu überzeugen. In einer Wahl wie dieser, bei der in Umfragen deutlich über 50 Prozent der Wahlbevölkerung beide Kandidaten ablehnen , ist die von beiden verfolgte Strategie, die Aufmerksamkeit auf die Unbeliebtheit des anderen zu lenken: „Wählt mich, damit Trump/Clinton nicht Präsident wird!“ Solch ein System, in dem es zwar Wahlen gibt, aber sich letztendlich vor allem PR-Maschinerien bekämpfen, nennt der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch die „Postdemokratie“.  Die Lautstärke, den Gigantismus und die Aufdringlichkeit des aufgeblähten Präsidentschaftswahlkampfes halten viele für unwürdig. Durch die hohen Kosten, hängen die Politiker stark von Großspenden aus der Wirtschaft ab, weshalb viele Bürger den Glauben an den eigenen Einfluss in der amerikanischen Demokratie verlieren.

Campaign Finance System: Warum verschlingt der US-Wahlkampf Milliarden von Dollar?Mit dem Aufkommen moderner Massenmedien im 20. Jahrhundert stiegen die Wahlkampfkosten enorm an und man begann politische Spenden stärker zu regulieren, um Einfluss des Geldes auf die Politik zu minimieren. Aber der Supreme Court, das höchste Gericht in den USA, urteilte 1976, dass das Recht an politische Kampagnen zu spenden von der Redefreiheit geschützt sei. 2010 entschied der Supreme Court zudem in einem kontroversen Fall, dass dieses Recht auf freie Meinungsäußerung und unbegrenzte politische Spenden nicht nur für Bürger, sondern auch für Unternehmen gilt.  Seitdem gibt es kaum mehr effektive Kontrollen der Wahlkampffinanzierung und die Kandidaten überbieten sich mit immer größeren Wahlkampfapparaten.

Und dann kam Trump

„Außenseiter“-Kandidaten wie Trump stoßen genau in diese Lücke zwischen Eliten und der Wahlbevölkerung. Das Phänomen Trump ist politisch inkorrekt, lügt, beleidigt und bedroht Gegner, verstößt gegen alle wahlstrategischen Grundregeln - und ist damit erstaunlich erfolgreich. In den Umfragen liegt er momentan gerade mal fünf Prozentpunkte hinter Clinton.  Trump nutzt soziale Medien sehr erfolgreich: Seine skandalösen Statements und Tweets schaffen es fast täglich in die Schlagzeilen, sodass er kaum Werbung schalten muss, um präsent zu sein. Clinton überlässt ihm derzeit gern das Rampenlicht, in der Hoffnung, dass die Aufmerksamkeit ihm mehr schadet als nutzt. Trump ist mehr als doppelt so oft wie Clinton im TV zu sehen.  Dabei stehen Clintons Wahlkampfapparat mit 692 Millionen Dollar und 705 Mitarbeitern mehr als doppelt so viele Mittel wie Trump zur Verfügung.  Fest steht aber: Vor dieser Wahl hätte kaum einer gedacht, dass jemand mit so einer radikalen Kampagne und so wenig Ausgaben wie Trump, so erfolgreich in einem Wahlkampf sein kann.


Black Lives Matter-Demo im Dezember 2014 in
San-Francisco.
Foto: Gage Skidmore, flickr.com,
CC-Lizenz (CC BY-SA 2.0), bearbeitet
Was macht das ganze Geld in der Politik?

Wenn Trump auch mit weniger Geld erfolgreich ist, hat Geld dann überhaupt Einfluss auf die Politik? Die Antwort ist: ja. Ohne millionenschwere Großspender aus der Wirtschaft, wäre in Amerika keine Präsidentschaftskandidatur möglich - auch nicht die von Trump. Im Wettbewerb stehende Privatunternehmen stecken nicht hunderte Millionen Dollar aus Wohltätigkeit in den Wahlkampf, sondern, weil sie wissen, dass sich diese „Investments“ lohnen. Aber wer gewählt wird, sollte doch nicht von der Dicke des Geldbeutels der Unterstützer abhängen, sondern von der Zahl der Wähler, die der Kandidat von sich überzeugen kann. Die amerikanische Wahlkampffinanzierung muss strenger kontrolliert werden, um verlorenes Vertrauen in die amerikanische Demokratie wiederherzustellen.

Text: Noah Schöppl
Teaser-Foto: P.O. Arnäs, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY-SA 2.0), bearbeitet

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