Kinofeeling

The Salesman

Mit „The Salesman“ ist dem iranischen Star-Regisseur Asghar Farhadi ein Meisterwerk gelungen, das viel Raum für Interpretationen lässt. Warum ihr euch den Film unbedingt ansehen solltet, verrät SPIESSER-Autorin Cana.

09. February 2017 - 08:51
SPIESSER-AutorIn cana.
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cana Offline
Beigetreten: 12.05.2016

Worum geht's?

Nachdem Emad und Rana ihre einsturzgefährdete Wohnung fluchtartig verlassen müssen, bietet ihnen ein guter Freund seine leerstehende Wohnung an. Ein Glücksfall für das junge Paar, der einzig dadurch getrübt zu werden scheint, dass die Vormieterin sich weigert, ihre persönlichen Gegenstände abzuholen. Als Rana dann jedoch im Bad von einem Unbekannten überfallen wird, stellt sich heraus, dass die Vormieterin neben ihren Habseligkeiten auch einen zweifelhaften Ruf hinterlassen hat. Der Umgang mit dem traumatischen Erlebnis stellt die Beziehung von Emad und Rana auf eine harte Probe.


Rana und Emad.
Wer spielt mit?

Auch schon in Farhadis Oscar-prämierten Film „Nader und Simin – Eine Trennung“ spielte Shahab Hosseini mit. Für seine Rolle des Emad in „The Salesman“ erhielt er den Preis für den besten Hauptdarsteller in Cannes 2016. Neben ihm brillieren Taraneh Alidoosti, die ebenfalls schon etliche Male mit Farhadi zusammengearbeitet hat, als Rana und Babak Karimi spielt den Vermieter Babak.

 

Filmischer Augenschmaus?

Besonders interessant macht den Film die Verflechtung mit dem Theaterstück „Tod eines Handlungsreisenden“ von Arthur Miller, für das Emad und Rana gemeinsam mit ihren Freunden proben. Der Film gewinnt dadurch noch einmal unheimlich an Tiefe und es eröffnet sich eine neue Erzählstruktur, die dem Zuschauer unendlich viele Deutungsmöglichkeiten offen hält.

Gibt’s was zu meckern?

Ich weiß nicht, was man an diesem absolut runden und vielschichtigen Film kritisieren könnte. Wenn man ein großes Problem mit Untertiteln hat oder sich eher leichte Unterhaltung wünscht, sollte man sich aber wahrscheinlich lieber einen anderen Streifen aussuchen.

Braucht man Taschentücher?

„The Salesman“ geht schon ganz schön an die Substanz. Taschentücher besser einpacken!

Mit wem angucken?

Ich kann mir vorstellen, dass der Film für besonders junge Zuschauer etwas irritierend sein könnte. Ansonsten solltet ihr aber möglichst viele eurer Freunde, Bekannten und Familienangehörigen davon überzeugen, mit euch in „The Salesman“ zu gehen.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪   
Romantik: 
Humor: 
Niveau:  ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Was macht man danach?

Mich hat der Film ziemlich mitgenommen und er eignet sich auch wirklich gut, um über Moral, Strafverfolgung von Sexualverbrechen und kulturelle Unterschiede (oder im Grunde ziemlich ähnliche Verhaltensmuster) zu debattieren. Danach bestellt man sich die DVD von „Nader und Simin – eine Trennung“.

 

In 3 Worten:

beklemmend, beeindruckend, nachdenklich

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Diesen Film und all seine Mitwirkenden sollte man mit dem Eintrittspreis für eine Kinokarte unterstützen.

Mainstream oder Independent?

„The Salesman“ ist derzeit der erfolgreichste Film im Iran, die ganz großen Massen wird der Film aber in Europa wahrscheinlich eher nicht erreichen können.

The Salesman

Regie: Asghar Farhadi
Schauspieler: Shahab Hosseini, Taraneh Alidoosti, Babak Karimi u.v.a
Kinostart: 02.02.2017
Länge: 125 Minuten
Genre: Drama
FSK: keine Angabe

 

 

Text: Cana Dormusoglu
Bildmaterial: © 2016 PROKINO Filmverleih GmbH

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