Kinofeeling

Tiger Girl

Mit „Tiger Girl“ kommt ein deutscher Film in die Kinos, den es noch nie zuvor so gab. Das Team von „Love Steaks“ arbeitete auch bei dieser Produktion wieder mit improvisierten Dialogen. Daraus entstand eine fiktive, Gewalt und Action geladene Story, die das neue Genre „Martial Arthouse“ erschafft. SPIESSER-Praktikantin Juliane fand den Film so gut, dass sie nochmal in den Film gehen wird.

13. April 2017 - 10:32
SPIESSER-Autorin juli_yuki.
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juli_yuki Offline
Beigetreten: 23.03.2017

Worum geht's?

Margarethe „Maggi“ Fischer fällt beim Sprung über den Bock auf die Schnauze und schlittert somit durch die Polizeiprüfung. In dieser Tiefe ihres Lebens trifft das brave, höfliche Mädchen das erste Mal die Punkerin Tiger als Parkplatzwächterin, die ihr mit dem Zerschlagen eines Autospiegels eine Parkmöglichkeit verschafft. Um die Zeit bis zur der nächsten Polizeiprüfung zu überbrücken, beginnt Maggi eine Ausbildung bei einer privaten Sicherheitsfirma. Als Frau Fischer trainiert sie hart und bekommt nette Jungs, dumme Sprüche und eine volle Ladung Regeln und Disziplin ab. Als sich ihr Alltag reguliert, bringen die merkwürdigen Treffen mit Tiger diese Routine durcheinander. Obwohl Maggi das Mädchen vom Parkplatz immer wieder wegschickt, kommt genau diese ihr zur Hilfe als die Auszubildende von drei Männern bedroht wird. Die Schlägerei mit den Männern verbündet die Mädchen und Maggi erhält von der Punkerin den Namen „Vanilla, the Killer!“. Das ist der Beginn der Freundschaft zwischen Vanilla und Tiger, die in einem umgebauten Bus auf einem Parkplatz wohnt und sich um ihre drogendealenden Freunde kümmert. Die Busbesitzerin lehrt Maggi ihre Höflichkeit abzulegen und den Mut, sich zu nehmen, was man will. Die beiden begehen erste Straftaten und nutzen dazu auch die Secrutity-Ausrüstung von Maggi schamlos aus. So entwickelt sich Vanilla zu einer gewaltbereiten Frau, der alles egal ist.


Die brave Maggi benimmt sich in der Sicherheitsschule.
Wer spielt mit?

Beide Hauptdarstellerinnen spielten schon 2011 gemeinsam im Film „Draussen im Sommer“. Bei Ella Rumpf (Tiger) war dies ihr erster Auftritt vor der Kamera. Anschließend ergatterte sie die Nebenrolle in „Chrieg“. Ihre Schauspielkollegin Maria Dragus wurde nach kleineren Rollen in „Ein Engel für Alle“ oder „Das weiße Band“ bekannt. Ein großer Teil des Produktionsteams arbeitete schon bei „Love Steaks“ – ebenfalls einem Film ohne festes Drehbuch – zusammen.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪ ✪ ✪
Romantik: ✪
Humor: ✪ ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪
Filmischer Augenschmaus?

Den Darstellern nimmt man die Rollen ab. Besonders Ella Rumpf gibt der Figur „Tiger“, in die sich die Zuschauer gut hineinsetzen können, ein stimmiges Auftreten. Auch die weiteren Schauspieler performen ihre Rollen gut. Was aber noch mehr auffällt als die Schauspielleistung sind die Slow-Motion-Momente und die schnellen Schnitte in den richtigen Augenblicken. Die eher von Youtubern bekannten Jump Cuts geben dem Film die Schnelligkeit und eine spannende Atmosphäre.

Gibt's was zu meckern?

Manchmal ist es zu viel Gewalt und dass jeder zurückschlagen kann, mit denen Tiger und Vanilla eine Schlägerei anfangen, ist unrealistisch. Was diesen Eindruck verstärkt, ist die nicht beschriebene Lebenssituation von Maggi.

Braucht man Taschentücher?

Vielleicht kullert einem sehr emotionalen Zuschauer in den letzten zwei Minuten eine Träne runter, aber die große Menge wird ohne eine Träne vergossen zu haben aus dem Kino herausgehen.


Was haben die beiden denn schon wieder vor?
Mit wem angucken?

Mit Freunden und allen, die verstehen, dass der Film nur fiktiv und nicht zum Nachstellen geeignet ist.

Was macht man danach?

Über die Sätze „Du musst einfach sagen, was du willst und dann kriegst du‘s auch!“ und „Höflichkeit ist schließlich auch eine Art von Gewalt, halt gegen dich selbst“ mit deinen Freunden diskutieren und über die ungewohnt gute Filmqualität reden.

In 3 Worten:

Gewalttätig. Verrückt. Einzigartig.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Auf der großen Leinwand kommen die Qualität, die einzigartigen Jump Cuts und die Slow Motion-Momente besser zur Geltung.

Mainstream oder Independent?

Bevor dieser einzigartige Film auf dem internationalen Filmfestival in Berlin so hochgelobt wurde, war das angesprochene Publikum eher klein. Ich behaupte trotzdem, dass der Film auch ohne dieses Lob langsam durch Mundpropaganda groß werden kann.

Tiger Girl

Regie: Jakob Lass
Schauspieler: Ella Rumpf, Maria Dragus, Enno Trebs, Orce Feldschau, Swiss
Kinostart: 6. April 2017
Länge: 90 Minuten
Genre: Martial Arthouse (Mischung aus Actionkomödie und Drama)
FSK: 16

 

 

Text: Juliane Lange
Bildmaterial: © 2000-2017 Constantin Film Verleih GmbH

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