Titelverteidiger

Titelverteidiger:
Alice Merton – „MINT“

„No Roots“ katapultierte Alice Merton direkt in die deutschen Charts und eroberte im Sturm die Übersee. Mit ihrem Debut-Album „MINT“ stellt sie nun unter Beweis, dass sie viel mehr ist, als nur ein One-Hit-Wonder. In ihrem Berliner Büro gibt die deutsch-britischen Künstlerin SPIESSER-Autorin Anna ein paar sehr persönliche Einblicke in ihr turbulentes Leben und Arbeiten innerhalb einer gnadenlosen Musikindustrie.

28. Januar 2019 - 10:35
SPIESSER-Autorin annaweigelt.
Noch keine Bewertungen
annaweigelt Offline
Beigetreten: 17.03.2015

„2 Kids“ ist eine Hommage an deinen besten Freund und Manager Paul Grauwinkel. Was ist eure schönste gemeinsame Erinnerung? (2 Kids)

Für mich gab es einen sehr bedeutenden Moment, als wir noch studierten und im selben Wohnheim wohnten. Mein Freund hatte gerade mit mir Schluss gemacht, ich war total traurig und ging rüber zu Paul. Als er mich sah, dimmte er das Licht, machte Musik an und meinte: „Lass uns tanzen.“  Er wollte, dass ich den Raum um uns herum genauso vergesse wie meine Trauer und dass ich daran denke, dass das Leben weiter geht. Das war ein schöner Moment.

Du bist bilingual aufgewachsen – deine Mutter ist Deutsche, dein Vater Engländer. Wie hat sich das auf deine Persönlichkeit ausgewirkt? (No roots)

Und ich habe lange in Kanada gelebt! Aber ich fühle mich tatsächlich weder Deutsch, noch Irisch oder Kanadisch. Ich fühle mich im Grunde zu überhaupt keinem Land zugehörig. Das klingt vielleicht ein wenig merkwürdig, aber mit der Zeit habe ich verstanden, dass mein Zuhause in der Musik liegt und bei Leuten, die mir wichtig sind.

Hat das auch Nachteile, dass Heimat für dich an Menschen gekoppelt ist? (Homesick)

Früher sind wir oft umgezogen. Das hat dazu geführt, dass ich auch zwischenmenschlich nicht immer neue Wurzeln aufbauen konnte. Ich war zu allen nett, lebte aber eher in den Wolken. Und auch jetzt bin ich beruflich viel unterwegs und öffne mich den Menschen nicht so, wie ich es vielleicht gerne würde. Zum Glück gibt es drei Menschen, mit denen ich schon immer eng verbunden war – und das wird auch immer so bleiben.

Deine Debut-Single hat Paper Plane Records International herausgebracht, ein Label, welches du und Paul zusammen gegründet haben. Gab es einen Anlass dafür? (Funny Business)

Ich wollte „No Roots“ ursprünglich von einem Major-Label herausbringen lassen, aber keiner hat die Musik so hingenommen, wie ich sie haben wollte, immer wollten sie etwas ändern. Deshalb haben wir uns gesagt, dass – wenn ich wirklich kreative Freiheit haben möchte – wir ein eigenes Label gründen müssen.

Gibt es momentan etwas, das dir auf der Seele brennt? (Lash out)

Da gibt’s tausend Sachen! „Lash out“ bezog sich damals auf die Plattenfirmen. Darauf, dass es Leute gibt, die zu wissen meinen, was für dich am besten ist. Als Newcomer wird man oft nicht ernst genommen. Aber vor allem als Frau in einer Musikindustrie, die zu 90 Prozent aus Männern besteht, hat man es nicht leicht. Im Radio werden hauptsächlich männliche Acts gespielt, auch bei Festivals ist das nicht anders. Ich weiß nicht genau, woran das liegt, aber Männer werden auf jeden Fall mehr unterstützt und öfter gebucht. Deswegen finde ich, dass Frauen andere Frauen unterstützen sollten. Und das branchenunabhängig. 

Bist du eine eher nachtragende Person oder kannst du gut verzeihen? (I don’t hold a grudge)

„I don’t hold a grudge“ handelt von einem Kumpel, der mich drei Jahre lang ignorierte, obwohl ich mich gern mit ihm treffen wollte. Er meinte irgendwann, dass das nicht geht, weil seine Freundin mich nicht mag. Das hat mich sehr getroffen. Und dann, plötzlich, als er „No Roots“ im Radio hörte, kam er auf mich zu und wollte sich mit mir verabreden. Da dachte ich mir: „Du Blödmann, das ist sowas von unfair!“. Ich sage eigentlich in dem Song, dass ich nicht nachtragend bin. Aber ja, ich kann in manchen Hinsichten wohl doch sehr nachtragend sein…

In „Why so serious“ verarbeitest du das raue Klima innerhalb der Musikindustrie. Hat dich die Arbeit in der Musikbranche verändert? (Why so serious)

Ich habe mehr Verantwortung jetzt. Verändert fühle ich mich aber nicht. Mir war es im Grunde immer wichtig, mein eigenes Ding durchzuziehen. Also hoffe ich zumindest, dass ich mich nicht verändert habe...

„MINT“ von Alice Merton

: 18.01.19
Label: Mom + Pop Music

Live

14.03. | CH-Bern | Bierhübeli
29.03. | Dortmund | FZW
31.03. | Cottbus | Gladhouse
31.05. | Frankfurt | Alte Oper (W-Festival)
21.-23.06. | Scheessel | Hurricane Festival
21.-23.06. | Neuhausen o.E. | Southside Festival

Text: Anna Weigelt
Teaserbild: www.ballyhoomedia.de

Dir gefällt dieser Artikel?

Kommentare

Und du so? Sag' uns, was du denkst!
Mehr zum Thema „Titelverteidiger
  • Noe_SB
    Titelverteidiger

    Abgehört: Charlotte Brandi – „The Magician“

    Charlotte Brandi ist Sängerin, Gitarristin und Keyboarderin. Bis vor Kurzem noch in einer musikalischen Beziehung mit „Me and My Drummer“, jetzt in einer Beziehung mit sich selbst. Ihr Debütalbum „The Magician“ erscheint am 15. Februar über [PIAS] Germany Recordings.

  • Kristel.94
    Titelverteidiger

    Abgehört: Jungstötter – „Love is“

    Erst kürzlich hat die deutsche Indie-Rock Band „Sizarr“ ihre endgültige Auflösung bekannt gegeben – umso mehr können sich Fans nun freuen, dass sich Sänger Fabian Altstötter unter dem Namen Jungstötter als Solokünstler zurückmeldet –

  • Der Mann den Sie Pfirsich Nannten
    5
    Titelverteidiger

    Abgehört: Dendemann – „da nich für!“

    Der Maya-Kalender der Musikindustrie darf umgeblättert werden, der Deutschrap-Onkel im Exil ist zurück und feilte geduldig Ecken und Kanten in sein Brett, um eine runde Platte rauszubringen. Vor über 8 Jahren kam das letzte Album auf die Welt und nun ist Dendemann zurück, der Nichtschwimmer

  • Sarah
    Titelverteidiger

    Abgehört: Wolf & Moon – „Before it gets dark“

    Die Musiker und Weltenbummler Stefanie und Dennis von Wolf & Moon veröffentlichen am 25. Januar ihr Debutalbum „Before it gets dark“. SPIESSER-Autorin Sarah hat es sich angehört und sortiert jetzt erstmal ihr Gefühlschaos.

  • lena96
    5
    Titelverteidiger

    Abgehört: Puppy – „The Goat“

    Die Musik von Puppy tanzt an der Kante von melodisch-düsterer, schwerer Atmosphäre und fröhlich direkten Ohrwurm-Melodien. Frei nach dem Motto „Anything Goes“ experimentieren die drei Jungs aus London mit fetten Gitarrenriffs und griffigen Gesangslinien. Der typische Puppy-Stil

  • Monalisaqueck
    Titelverteidiger

    Abgehört: Yassin – „Ypsilon“

    „Was nützen die schönsten Metaphern, wenn sie die Dümmsten nicht raffen“, hat sich Yassin auf die Fahnen geschrieben und mit seinem ersten Soloalbum „Ypsilon“ SPIESSER-Autorin Mona-Lisa zutiefst beeindruckt.

  • vivid
    Titelverteidiger

    Abgehört: Wooden Peak – „Yellow Walls“

    Das am 18. Januar erscheinende neue Album der Band Wooden Peak hat nun mehr als fünf Jahre auf sich warten lassen. Genug Zeit also, um ein weiteres Werk auf die Beine zu stellen, das mit ihrer typischen Kombination aus instrumentalen und gesanglichen Elementen für eine mystisch, sphärische Stimmung sorgt.

  • PhilippSch
    Titelverteidiger

    Abgehört: Old Sea Brigade – Ode to a Friend

    Mit „Ode to a Friend“ bringt Old Sea Brigade (Ben Cramer) sein nächstes Akustik-Album auf den Markt. Der Titel des Albums sagt schon einiges über den Inhalt aus. SPIESSER-Autor Philipp hat in die Platte reingehört.

  • Alaniel
    Titelverteidiger

    Abgehört: John Legend – A legendary Christmas

    Seit Ende Oktober verbreitet John Legend mit seinem ersten Weihnachtsalbum „A legendary Christmas“ Weihnachtsstimmung. Die Mischung aus traditionell und originell gefällt SPIESSER-Autorin Annika.

  • Individuot
    5
    Titelverteidiger

    Abgehört: AnnenMayKantereit – Schlagschatten

    Ja, es ist gut. Es ist stellenweise genial, es wird euch eine ganze Weile nicht loslassen. Am 7.12. erscheint „Schlagschatten“ von AnnenMayKantereit und wer Schiss hatte, dass das zweite Album – wie bei frustrierend vielen Filmfortsetzungen – enttäuschend wird, der sei beruhigt:

  • Sofie Silber
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: Mark Forster – „Liebe“

    Achtung, Ohrwürmer vorprogrammiert! Denn Mark Forster hat sein viertes Studioalbum „Liebe“ am 16. November veröffentlicht. Dass seine Musik nicht nur ins Ohr geht, sondern auch da bleibt, hat er uns mit Hits wie „Au Revoir“ (feat. Sido) oder „Chöre“

  • Pamina96
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: Leoniden – „Again“

    Die Leoniden, das sind die Kieler Brüder Lennart und Felix Eicke, JP Neumann, Djamin Izadi und Jakob Amr. SPIESSER-Autorin Fabienne hat Jakob zu ihrem Album „Again“ interviewt, das am 26. Oktober erschien.

  • Kirschblütenrot
    5
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: The BossHoss – „Black Is Beautiful”

    Boss und Hoss are back! Lange war es musikalisch ruhiger um die Cowboys geworden. Dafür starten sie jetzt mit voller Power wieder durch. SPIESSER-Autorin Stephanie durfte in die ersten sechs Songs des neuen Albums reinhören und traf die beiden Musiker in Berlin.

  • maxiise
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger:
    OK KID – Sensation

    Eine Sensation will das dritte Album der Band OK KID eigentlich gar nicht so richtig sein, obwohl es genau diesen Namen trägt. Politisch ist es allemal. Mit SPIESSER-Autor Max sprechen die drei Bandmitglieder Jonas, Raffi und Moritz über Haltung, Helene und #wirsindmehr.

  • eis-am-stiel
    Titelverteidiger

    Abgehört: MØ – Forever Neverland

    In ihrem zweiten Album geht MØ auf Talfahrt der Gefühle und bleibt ihrem unverwechselbaren Elektropop-Sound treu. SPIESSER-Autorin Anna hat in das neue Album reingehört.

  • sophielorraine.senf
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: Angus Powell – Before the Grey

    Angus hat seinen ersten Erfolg den Serien „Elementary“ und „Criminal Minds” zu verdanken. Mit Sherlock Holmes oder dem FBI haben seine Songs allerdings wenig gemeinsam. Im Interview erzählte er SPIESSER-Autorin Sophie von seiner Einstellung zu Binge-Watching, Social Media

  • Kirschblütenrot
    5
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: Joris – Schrei es raus

    Das lange Warten hat sich gelohnt! Mit seinem zweiten Album bringt Joris endlich wieder ausdrucksvolle und emotionale Songs für eure Ohren. Aber was sagt der Sänger eigentlich zu seinem neuen Album? SPIESSER-Autorin Stephanie hat für euch nachgeforscht.

  • Valentina Schott
    Titelverteidiger

    Abgehört: Neonschwarz – Clash

    „Clash“ – das klingt eher nach einem versehentlichen Zusammenstoß als nach einem harmonischen Aufeinandertreffen, aber was genau prallt da auf dem neuen Album des Hamburger Quartetts „Neonschwarz“ zusammen? Politischer Aktivismus meets Sommerohrwurm? Passt diese Kombi?

  • Kirschblütenrot
    5
    Titelverteidiger

    Abgehört: ERRdeKa

    Atempause? Fehlanzeige! Denn Rapper ERRdeKa veröffentlicht mit „Liebe“ bereits sein zweites Album innerhalb weniger Monate. Ob die Hip-Hop Platte mehr zu bieten hat als melancholische Liebestexte, verrät euch SPIESSER-Autorin Stephanie.

  • Helen16
    Titelverteidiger

    Abgehört: Tina Dico – Fastland

    Mit ihrem elften Album überzeugt die dänische Sängerin und Songwriterin Tina Dico durch einfühlsame Harmonien und poetische Texte, die anregen, sich Zeit zur Reflektion zu nehmen.

  • Noe_SB
    Titelverteidiger

    Abgehört: The Paper Kites – On the Corner where you live

    Sam Bentley, Christina Lacy, Dave Powys, Josh Bentley und Sam Rasmussen: Sie alle bilden „The Paper Kites“. Eine Band, die sehr gerne Musik macht, denn in diesem Jahr bringen sie sogar insgesamt zwei Alben raus: Nach „On the train ride home“ folgt am 21. September 2018 das Mid-Tempo-Album

  • MarvinGra
    5
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: DOTA – Die Freiheit

    DOTA hat einen neuen Keyboarder, ein neues Album wird released und es gibt einen neuen Proberaum. Genug Gesprächsstoff also, um Dota Kehr aus ihren Tourvorbereitungen zu reißen und das neue Album abzuklopfen. Denn während drinnen weitergeprobt wird, spricht die 39-Jährige mit SPIESSER-Autor

  • cana
    5
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: Alligatoah – Schlaftabletten, Rotwein V

    Er hat die unbegründete Angst, dass ihm jemand im Schlaf die Fußnägel lackiert, und gurrende Tauben sind für ihn Zuhause-Indikatoren. Um wen es geht? Um Alligatoah (aka „Flinte“) natürlich und sein neues Album „Schlaftabletten, Rotwein V“, das am 14.9.2018 erscheint.

  • Anzeige
    sophielorraine.senf
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: Tonbandgerät – Zwischen all dem Lärm

    „Zwischen all dem Lärm“ ist Tonbandgeräts drittes Album und erzählt vom Aufbruch in eine Zeit des Erwachsenwerdens, Reflektierens und Ankommens. Warum sie als Band plötzlich ernster sind, den Lärm noch immer ganz gerne mögen und Tinder eher abschreckend finden,

  • Kalendermensch
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger: Clueso – Handgepäck I

    Der Sänger Clueso isst Sushi, als SPIESSER-Autor Vincent ihn zu seinem neuen Album „Handgepäck I“ telefonisch interviewt. Die Platte ist intensiv, da sie Songs versammelt, die allesamt auf Reisen entstanden sind. Mit vollem Mund erzählt Clueso vom XL-Reisen, funktionierender

  • mori-rau
    5
    Titelverteidiger

    Titelverteidiger:
    BENNE

    Sein neues Album handelt von Vertrauen, Menschen und deren Beziehungen zueinander. Singer-Songwriter BENNE wagt sich auf eine emotional-musikalische Reise und findet schlussendlich am verletzlichsten Punkt zu sich selbst.

  • Alaniel
    Titelverteidiger

    Abgehört: Jazzanova

    Ein Album, das deutlich macht, was aus Liebe zur und Spaß an der Musik entstehen kann: ein bunter Mix mit zwölf unterschiedlichen Gastkünstlern und genauso vielen verschiedenen musikalischen Einflüssen. „The Pool“ ist nach zehn Jahren ein absolut gelungenes Comeback der

  • Jasmin Nighaoui
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Árstíðir

    Árstíðir? Klingt das nicht wie ein schwedisches Möbelstück oder wie ein holländischer Käse? Ist es aber nicht. Árstíðir ist eine außergewöhnliche Band, die auf Deutsch „Jahreszeit“ heißt und von SPIESSERin Jasmin abgehört wurde.

  • whityhumbuk
    Titelverteidiger

    Abgehört:
    Granada

    Die Grazer Band „Granada“ hat mit ihrem Debütalbum gute Laune vertont. Die Nachfolgerplatte „Ge bitte“ klingt sowohl verspielter als auch ernster und macht trotzdem glücklich. SPIESSER-Autorin Anh hat sich die Platte angehört.

  • VeryMary94
    Titelverteidiger

    Abgehört: Fantastic Negrito

    Fantastic Negrito, der mit bürgerlichem Namen Xavier Dphrepaulezz heißt, ist nicht nur ein autodidaktischer Musiker, sondern auch ehemaliger Dieb und Dealer, Barbesitzer und Mitbegründer des kalifornischen Kollektivs „for struggling black artists“. Die Musik auf „Please