Titelverteidiger

Titelverteidiger: Alin Coen Band

Irgendwo zwischen Pop, Funk, Jazz und Akustik-Folk machen vier Musiker aus Hamburg und Weimar seit 2007 gemeinsam Musik. Am 28. Juni erscheint nun „We’re not the ones we thought we were“ (Wir sind nicht diejenigen, die wir zu sein glaubten), das neue Album der Alin Coen Band. SPIESSER-Autorin Annegret fragt sich Lied für Lied durch die Platte und stellt Sängerin Alin Coen pro Song eine Frage. Ein Gespräch über Mädchenmusik, Macadamia-Mus und moderne Opern.

30. Juni 2013 - 10:02
SPIESSER-Autorin Annegret.
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Annegret Offline
Beigetreten: 09.01.2011


Das neue Album der Alin Coen Band
erscheint am 28. Juni!

„Kites” – Einen Drachen steigen zu lassen wäre im Video für eure erste Singleauskopplung kein Problem, die ganze Band hat rund vier Minuten lang ordentlich Sturm in den Haaren. Worum wird deiner Meinung nach zu viel Wind gemacht?

Um das Leben einiger Leute. Ob sie gerade aufs Klo gehen oder mit ihrem Hund spazieren sind, alles wird auf Facebook geteilt.

„High Expectations” – seid ihr eher die ehrgeizige Zielstreber-Gruppe oder die entspannte Zurücklehner-Band?

Eine Mischung aus beidem. Einerseits machen wir nur die Musik, die uns Spaß macht – nicht die, die am besten ankommt. Andererseits sind wir diszipliniert, wenn es um Organisation geht. Und die Jungs üben immer fleißig ihre Instrumente – im Gegensatz zu mir!

„A no is a no“ – Wozu sagst du „nein”?

Zu Fleisch und Massentierhaltung. Zu Rosinen und allem, was bitter schmeckt. Und zur modernen Oper! Schräger Gesang und atonale Melodien: Ich erinnere mich an eine Preisverleihung, bei der ich mich bei diesem krassen Zeug einfach nur verkrümeln wollte…

„All it takes” – Abgesehen von der Musik: Worauf kannst du nicht verzichten?

Aufs Tanzen! Ich mache HipHop und Streetdance, gehe gerne aus und hüpfe wild durch die Gegend. Außerdem ganz wichtig: Macadamianuss-Creme und Lemongras-Tee.


Alin mit ihren Jungs

„Fountain“ – Auf die Tränendrüse: Findest du eigentlich, dass ihr Mädchenmusik macht?

Ich glaube, dass wir diese Behauptung mit dem neuen Album widerlegen. Aber wenn Leute uns aufgrund vorgefertigter Rollenbilder unbedingt in diese Kategorie packen wollen, ist das deren Problem. Ich kriege jedenfalls auch von Typen positives Feedback, es sind auch welche auf unseren Konzerten. Sollen diese Jungs etwa auch Mädchen sein? Falls ja, dann sind wir halt alle Mädchen!

„Kein Weg zurück“ – Trennung, Liebeskummer, Betrug: Wie viel persönlich Erlebtes steckt in euren Texten?

In vielen Liedern stecken neben künstlerischer Freiheit auch eigene Erlebnisse, aber das sind selten komplette Tagebucheinträge von mir. Ich verändere Perspektiven oder verarbeite Sachen, die mir jemand erzählt hat. Es geht mir beim Schreiben vor allem um eine gute Geschichte. Und am spannendsten ist immer, was die Hörer in ein Lied hineininterpretieren.

„Rifles“ – Flinte ins Korn: Wofür hast du überhaupt kein Talent?

Kellnern. Das habe ich mit 14 gemacht, aber ich war richtig schlecht, viel zu unorganisiert. Mit Ordnung hab ich es auch nicht so.

„As I am” – Die Alin Coen Band in drei Worten!

Kommt zum Konzert!

„Disconnected“ – Kein Internet: Ist das für dich Erholung oder Weltuntergang?

Kein Weltuntergang. Ich habe demnächst sogar vor, freiwillig zehn Tage offline zu gehen, denn ich bin schon ein bisschen süchtig. Wenn irgendwie die Möglichkeit besteht, dann muss ich in meine E-Mails reingucken. Auch auf Musikvideos bleibe ich gerne hängen. Eine Empfehlung: Der Double Rainbow Song!

„Du drehst dich” – Wann warst du das letzte Mal betrunken?

Im März, bei der Abschlussfeier von Philipp Poisels Tour – ein guter Anlass.

„The Ones” – laut Albumtitel seid ihr nicht die, für die ihr euch gehalten habt: Was hat sich in den letzten Jahren geändert?

Die Songs unseres ersten Albums stammen überwiegend von mir. Inzwischen entsteht unsere Musik vor allem aus Jam Sessions, die ganze Band arbeitet zusammen. So hat sich auch unser Stil verändert, in eine etwas dunklere und mystischere Poprichtung.

„Reason” – Aus welchen Grund wird auf eurem neuen Album fast nur Englisch gesungen?

Ich habe versucht, deutsche Texte zu schreiben, aber ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass Englisch zu dieser Musik besser passt. Vielleicht wurde ich unbewusst auch durch den Inhalt der Lieder beeinflusst: Da geht es um Dinge, die ich allen Leuten erzählen möchte, nicht nur denen, die Deutsch sprechen.

Hier gibt es alle Titelverteidiger auf einen Blick!

 

Text: Annegret Müller
Foto: Tristan Vostry

 

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