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Titelverteidiger: Angus Powell – Before the Grey

Angus hat seinen ersten Erfolg den Serien „Elementary“ und „Criminal Minds” zu verdanken. Mit Sherlock Holmes oder dem FBI haben seine Songs allerdings wenig gemeinsam. Im Interview erzählte er SPIESSER-Autorin Sophie von seiner Einstellung zu Binge-Watching, Social Media und den „Monstern“ der Träume seiner Kindheit.

12. Oktober 2018 - 14:52
SPIESSER-Autorin sophielorraine.senf.
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sophielorraine.senf Offline
Beigetreten: 07.07.2012

Dein aktuelles Album heißt „Before The Grey“. Was wolltest du damit ausdrücken? (Hole in My Heart)

Für den Albumtitel gab es tatsächlich zwei Gründe. Die kreative Begründung beschreibt den Moment kurz vor einem richtigen Stimmungstief: Eine Grauzone, in der noch Zeit ist, sich selbst wiederaufzubauen. Der lustige Grund stammt aus der Zeit, in der ich das Album aufgenommen und mein erstes graues Haar entdeckt habe. Ich wollte unbedingt fertig werden, bevor ich vollständig ergraut bin. (lacht)

Mittlerweile verbindet man deine Musik mit den Serien „Elementary“ oder „Criminal Minds“. Wie gehst du damit um, dass deine Songs durch die Verwendung zweckentfremdet wurden? (Pulls Me Under)

Als ich meine Musik zum ersten Mal in einem Film gehört habe, war das wirklich befremdlich für mich. Auch heute noch bin ich überrascht zu sehen, was Leute in meine Musik hineininterpretieren können. Einer meiner Songs wurde mal beim „Dschungelcamp“ verwendet, ein anderer in der US-amerikanischen TV-Show „Young and Pregnant“. Damals war ich wirklich schockiert, mittlerweile kann ich mich aber ganz gut davon distanzieren.

Bleiben wir mal bei Filmen und Serien: Es scheint, als wäre Binge-Watching die größte Leidenschaft und zugleich der riesige Zeitfresser unseres Alltags. Findest du das problematisch? (Upside Down)

Nein. Ich denke, es gibt viel Besorgniserregenderes, das Menschen stattdessen tun könnten. Außerdem sind viele Leute gerade durch Binge-Watching auf mich aufmerksam geworden. Würde ich jetzt sagen: Das ist in sich etwas wirklich Problematisches, würde mich das um meinen eigenen Job bringen. (lacht)

Vor deiner Musikkarriere hast du in Manchester Darstellende Kunst studiert. Was genau macht man da eigentlich? (Shiver)

Grundsätzlich kann das alles sein. Als ich meinem Vater von dem Studium erzählt habe, dachte er, dort lerne ich wie ein Clown zu jonglieren. Damit hatte er fast recht – aber nicht ganz: Letztlich hatte ich die Option, mich auf Drama, TV, Schauspiel, Tanz oder auch Musik zu fokussieren.

Was hast du dabei gelernt? (Turnaround)

Die größte Lektion war wohl, mir einzugestehen, dass ich Darstellende Kunst gar nicht mag. Eigentlich habe ich damals schon die meiste Zeit in den Aufnahmestudios der Uni verbracht, weil ich viel lieber an den „Popular Music und Recording“-Kursen teilnehmen wollte.

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Nachdem du dich mit deiner Musik selbstständig gemacht hast, gab es erst mal eine lange schwierige Phase. Wie wichtig waren damals Instagram, Facebook und Twitter für dein Berufsleben? (Passenger)

Verdammt wichtig. Mir persönlich hat Twitter massiv geholfen, meine Musik zu promoten. Verschiedenste Zielgruppen haben mich als Künstler dort entdeckt und folgen mir nun mit relativ großer Reichweite. Jetzt muss ich nur noch an meinem Instagram arbeiten.

Wie haben dich Freunde und Familie in dieser Zeit unterstützt? (Standing on Their Shoulders)

Wirklich enorm. Es ist nicht immer leicht, Musik zu machen. Gerade in solchen Phasen helfen Freunde und Familie, mich zu pushen und wiederaufzubauen. Dazu muss ich sagen: Viele meiner Freunde sind auch Musiker oder Schauspieler. Das ist extrem von Vorteil, denn wir sitzen alle im gleichen Boot und können uns dadurch gegenseitig bereichern.

Ist es das, wo du deine Motivation hernimmst? (Truth)

Nicht wirklich. (lacht) Was aus unseren Treffen resultiert, sind eher Hangover als übermäßige Motivatiosschübe.

Ups, ok. Aber jetzt mal „back to the roots“: Als Kind hast du sehr ländlich in Wales gelebt. Gibt es etwas, das du daran heute vermisst? (Lines)

Ja, einiges. Ich mag, dass die Menschen sich dort untereinander kennen. Nachbarn sind befreundet und verbringen ihre Zeit noch damit, ernsthaft und tiefgründig miteinander zu reden. Und wenn man einen Laden betritt, fragt jeder: Wie geht’s dir heute? Hier in London sind die Menschen häufig sehr in sich selbst gefangen. Das fühlt sich manchmal verdammt kalt an.

Einer deiner Songs heißt „Monsters“. Vor welchen Monstern fürchtest du dich? (Monsters)

Als Kind hatte ich Alpträume, die von Raben handelten. Die Vögel haben darin mit ihren Schnäbeln an mein Fenster geklopft. Meine Eltern haben erst Jahre später davon erfahren und mir erzählt: Als unser Haus gebaut wurde, sind unzählige Raben durch das Dach geflogen, haben sich wohl in den Balken verirrt und sind in der Ruine meines noch unfertigen Kinderzimmers gestorben. Das ist gruselig, oder?

Before the Grey“ von Angus Powell

: 29. September 2017
Label: Halogen

 

 

 

Text: Stophie Lorraine Senf
Bilder: Press Shots

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