Titelverteidiger

Titelverteidiger: DOTA – Die Freiheit

DOTA hat einen neuen Keyboarder, ein neues Album wird released und es gibt einen neuen Proberaum. Genug Gesprächsstoff also, um Dota Kehr aus ihren Tourvorbereitungen zu reißen und das neue Album abzuklopfen. Denn während drinnen weitergeprobt wird, spricht die 39-Jährige mit SPIESSER-Autor Marvin über Anfeindungen, das Problem mit der Freiheit und ganz besondere Fans.

20. September 2018 - 14:38
SPIESSER-Autor MarvinGra.
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MarvinGra Offline
Beigetreten: 10.10.2012

Marvin: Zweieinhalb Jahre habt ihr an eurem neuen Album gearbeitet. Wer von euch vier war dabei die treibende Kraft? (Kapitän)

Dota: Die Stücke, die den Sound des Albums prägen, sind alle erst im letzten Jahr entstanden und dann haben wir alte Stücke rausgesucht, die dazu passen. Das war ein Prozess, an dem wir viel gemeinsam gearbeitet haben: Inhaltlich und was die Arrangements angeht prägt unser Schlagzeuger Janis die Richtung, Jan, unser Gitarrist, plant ziemlich viel und ich schreib die Texte.

Herausgekommen ist ein sehr politisches Album: War das nötig, weil sich die gesellschaftlichen Regeln seit eurem letzten Album verändert haben? (In der Hand)

Ne, würde ich nicht sagen. Anfeindungen und Hasskommentare für mein Lied „Grenzen“ vom letzten Album gabs schon damals und gibt’s jetzt noch genauso. Aber ich glaube, dass es seit 2016 noch viel wichtiger ist, sich antirassistisch zu engagieren. Das ist ein bisschen wie in den Neunzigern, weil der gesellschaftliche Diskurs wieder so stark nach rechts gerückt ist.

Wird es gleichzeitig auch schwieriger, sich zu engagieren?

Finde ich nicht. Als Künstler ist man da natürlich in einer komfortablen Situation. Von uns werden keine politischen Lösungen erwartet, sondern eine klare Positionierung, Denkanstöße und gute Formulierungen.

Was das angeht, werdet ihr auf dem neuen Album sehr konkret und beschreibt bei „Zwei im Bus“ eine Situation, die fast jeder kennt: Es fällt ein rassistischer Witz und plötzlich herrscht Stille. Wo zieht ihr die Grenze, wo ein einfaches Nasenrümpfen zu wenig ist und man sich positionieren muss?

Da, wo es menschenverachtend oder entwürdigend wird, aber natürlich verläuft die Geschmacksgrenze bei jedem anders. Die Rechte beruft sich in diesem Zusammenhang immer auf angebliche Redeverbote. Die gibt es aber nicht und das ist auch richtig so: In einer pluralen Gesellschafft muss man verschiedene Meinungen aushalten – solange man andere Meinungen und Religionen akzeptiert. Toleranz für Intoleranz einzufordern ist natürlich absurd!

In eurer Single „Raketenstart“ singt ihr darüber, dass wir auf der privilegierten Seite der Welt leben. Glaubst du, das wird sich in Zukunft ändern oder hat das besungene Panzerglas bereits Risse bekommen?

Ich bin da total pessimistisch, ich glaube, das Panzerglas wird keine Risse bekommen, aber es wird durch die erschreckende Konzentration von Reichtum immer weniger Menschen einschließen. Der in unserem Song beschriebene Raketenstart ist natürlich fiktiv – damit es nicht soweit kommt, müssen wir dem Kapitalismus alle Mechanismen entgegensetzen, die es gibt. Ich glaube sogar, dass eine Mietpreisbremse mehr gegen Hetze und Hasskommentare bewirken würde als eine Demo gegen die AfD.

Wie ist eure Lebenseinstellung: Wählt ihr den Weg des geringsten Widerstands oder stellt ihr euch schwierigen Situationen? (Drahtseil)

Beides. Hängt ja auch immer vom persönlichen Erschöpfungsgrad ab. Aber hey, was den organisatorischen Aufbau und Werdegang unserer Band angeht, haben wir eher den schwierigeren Weg gewählt. Wir hatten auch Anfragen von Major Labels und vielleicht wäre das einfacher gewesen – einfach „Ja“ zu sagen und das Geld zu nehmen. Aber so sind wir völlig unabhängig und das mag ich.

Dass diese Freiheit manchmal anstrengend sein kann, beschreibst du in dem Song „Die Freiheit“. Wie lernt man, damit umzugehen?

Super schwierig. Ich glaube, das eigentliche Ziel von Erziehung und Bildung ist, möglichst viel Freiheit aushalten zu können und verantwortungsvoll damit umzugehen. Ich habe Jahre gebraucht, um mich als freischaffende Musikerin daran zu gewöhnen und gleichzeitig weiß ich, dass es ein unglaubliches Luxusproblem ist.

Auf dem Track „Prinz“ passiert etwas Interessantes: Normalerweise werden flüchtige Liebschaften als aufregend oder verwerflich beschrieben. Bei euch klingt es schwärmerisch. Warum?

Ich fand es gut, das Lied sehnsuchtsvoll und schwärmerisch durchzuziehen, es aber gleichzeitig auch so zu überspitzen, dass es ein bisschen entlarvend ist: Vielleicht waren Beziehungen vor zwanzig Jahren genauso glücklich oder unglücklich. Aber heute gibt es diesen Optimierungszwang und der erstreckt sich auch auf den Partner. Zusätzlich gibt’s Dating-Apps, die dieses komische Versprechen geben, dass da draußen irgendwo jemand besseres wartet. Das ist ganz furchtbar und das Ende jeder Loyalität. Aber ich wollte das bei „Prinz“ nicht zu verkopft anzugehen und diese Sehnsucht für sich stehen lassen.

Wofür spielt ihr eure Konzerte? Sollen eure Fans nur eine gute Zeit haben oder möchtest du auch für ein Umdenken sorgen? (Für die Sterne)

Ich nehme mir nicht vor, einen bestimmten Einfluss auszuüben, das wäre auch irgendwie vermessen. Aber neulich kam jemand nach einem Konzert auf mich zu und hat erzählt: „Ich war letztes Jahr in der Psychiatrie und deine Lieder haben mir so geholfen und mich getröstet.“ Da hab ich gedacht: Wow, was für ein Geschenk, dass ich das machen darf, was ich mache.

„Die Freiheit“ von DOTA
Tourtermine 2018/19

: 14.09.18
Label: Kleingeldprinzessin Records

14.09.18 POTSDAM - Waschhaus
15.09.18 ROSTOCK - Peter-Weiss-Haus
17.09.18 DRESDEN - Staatstheater
18.09.18 LEIPZIG - Täubchenthal
19.09.18 DARMSTADT - Centralstation                          22.01.19 WÜRZBURG - Cairo
20.09.18 BASEL - Parterre                                   23.01.19 MÜNCHEN - Ampere
28.09.18 BERLIN - Festsaal Kreuzberg                                  24.01.19 WIEN - WUK
29.09.18 BERLIN - Festsaal Kreuzberg                   08.02.19 INGOLSTADT - Stadttheater
24.10.18 OSNABRÜCK - Kleine Freiheit        09.02.19 HEIDELBERG - Halle 02 (Chansonfest)
25.10.18 DORTMUND - Energiehalle                       10.02.19 KASSEL - Schlachthof
26.10.18 HANNOVER - Pavillon                                13.02.19 FULDA - Kreuz
08.11.18 NÜRNBERG - Z-Bau                     14.02.19 SCHWEINFURT - Stattbahnhoff
09.11.18 STUTTGART - Club Cann                         15.02.19 TRIER - Mergener Hof
10.11.18 GÖTTINGEN - Musa                            16.02.19 FRANKFURT AM MAIN
30.11.18 ERFURT - Kalif Storch                                 28.02.19 REGENSBURG
01.12.18 ZÜRICH - Bogen F                                       03.05.19 FREIBURG
03.12.18 KONSTANZ - Kula                                       04.05.19 KARLSRUHE - Tollhaus
04.12.18 MARBURG - KFZ                                  07.05.19 BONN - Harmonie
16.01.19 KÖLN - Gloria                        08.05.19 BOCHUM - Bahnhof Langendreer
17.01.19 AACHEN - Musikbunker                           09.05.19 BIELEFELD - Forum
18.01.19 MÜNSTER - Gleis22                                     10.05.19 BREMEN - Schlachthof
19.01.19 HAMBURG - Mojo                     29.05.19 WEIMAR - Köstritzer Spiegelzelt

 

Text: Marvin Graewert
Bilder: Pressematerial

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