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Titelverteidiger: Genetikk

Ein vorlauter Rapper, ein zurückhaltender Beatbauer, zwei Masken – das ist Genetikk. In ihrem neuen Album trifft Selbstironie auf Größenwahn und Saarbrückener Jugend auf soziale Kritik. Letzteres war aber nicht beabsichtigt, schwört Karuzo SPIESSER-Autorin Lara.

07. Dezember 2016 - 09:17
SPIESSER-Autorin Elektroprinzessin..
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Elektroprinzessin. Offline
Beigetreten: 13.05.2009

Bist du ein Familienmensch? (Peng Peng)

Hunderttausend Prozent. Das ist das Wichtigste, dass es im Leben gibt und dem wird alles andere untergeordnet. Ich bin auch der Älteste meiner Brüder – und das sind ein paar. Die können aber gut auf sich selbst aufpassen, denn sie sind alle größer und stärker als ich. 

Jordan Belfort alias der „Wolf of Wallstreet“ wollte vom Beginn seiner Karriere an reich werden. War das auch eure Motivation? (Jordan Belfort)

Als wir das allererste Mal zusammen Musik machten, haben wir direkt beschlossen: Wir werden jetzt Multimillionäre und die besten Rapper der Welt! Das war die Geburtsstunde und sie stand von Anfang an unter diesem von Größenwahn und Selbstbewusstsein geprägten Stern. Mittlerweile ist es so, dass es nicht mehr so krass um Geld geht, sondern um die Musik und den Spaß.

Also eher Liebe als Cash? (Cash oder Liebe)

Auf jeden Fall, aber das gelingt vielleicht auch nicht immer. Am Anfang war Genetikk sehr zeitfressend und alles war berauschend und schnell – das ist es immer noch – aber inzwischen haben wir uns eingependelt.

„Fukk Genetikk“ klingt nach Jagd, fast animalisch – auch eure Masken haben diese Anmutung. Woher kommt diese Faszination?

Ich glaube, dass das ein Menschheitserbe ist. In jeder Kultur findet man Kriegsbemalung oder rituelle Bemalung für Zeremonien oder Religion. Diese Naturgeister zu beschwören oder aus sich selbst heraus zu kitzeln, das ist fast schon ein menschlicher Trieb. Das kommt von ganz tief unten, sozusagen direkt aus dem Rückenmark.

Würdest du sagen, dass Hiphop soziale Kritik enthalten muss? (Mata Cobra)

Nee, gar nicht! Ich glaube, dass es damals bei der Entstehung von Hiphop notwendig und wichtig war. Heute ist es aber legitim, wenn Hiphop ohne Message stattfindet. Am Ende sind das trotzdem immer Menschen, die das Bedürfnis haben, sich auszudrücken. Wir haben bei der neuen Platte versucht, recht wenig Message reinzupacken und wollten Musik machen, die Spaß macht. Die Message darf nicht zu aufdringlich sein.

Hiphop ist Jugendkultur: Ist man irgendwann zu alt zum Rappen? (Tote Präsidenten)

Vielleicht schützt die Maske vorm Alterungsprozess. Ich finde aber, dass Max Herre, der meines Wissens über 40 Jahre alt ist, immer noch richtig guten Rap macht. Bushido und Sido sind auch inzwischen Ende 30. Vielleicht werde ich irgendwann mal der erste rappende Opa und Sikk wird der erste Produzent, der altersbedingt im Rollstuhl sitzt.

Ist Saarbrücken eigentlich so ein hartes Pflaster? (Supreme)

Nein. Unsere Kindheit war nie schwer, aber es gab immer eine große Faszination für die weniger sauberen Gegenden und Welten. Man probiert sich aus, wenn man halbstark und vollpubertierend ist.

Rap und ein fragliches Frauenbild scheinen zusammenzugehören. Wieso eigentlich? (Goyard)

Ich empfinde den Song gar nicht als sexistisch. Klar, ein bisschen Macho ist da auf jeden Fall mit drin, da bin ich einfach ein bisschen Südländer. Aber lass mich dir persönlich mitgeben: Das soll einfach nur ein Song über Sex sein, der Spaß machen soll. Rap, das sind ganz oft dumme Jungs, die die Fresse aufmachen. Manche nehmen das zu ernst, der Titel „Fukk Genetikk“ sagt aber auch, dass wir uns gerade nicht zu ernst nehmen.

Sehnst du dich manchmal zurück zu deiner Froot-Loops-Cartoons-Kindheit? (Luzifer)

Klar! Es gab auch schwere Momente in der Kindheit, aber eigentlich hat man die Möglichkeit, komplett unbeschwert den ganzen Tag an Fußballspielen zu denken. Alle Faktoren, die Probleme bereiten, sind noch nicht da: Frauen zum Beispiel. Man denkt nicht mal 30 Sekunden weiter und geht jedem Impuls nach. Die Kunst ist es, im Jetzt ein bisschen Kind zu bleiben.

Fukk Genetikk von Genetikk

VÖ: 02. Dezember 2016
Label: Selfmade Records (Universal Music)

 

Ihr möchtet euch das Album ins CD-Regal stellen? Dann macht bei unserem Gewinnspiel mit!

Interview: Lara Gahlow
Teaser-Foto: © 2016 Selfmade Records

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