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Titelverteidiger: Lisa Who

„Sehnsucht“ heißt das Debütalbum von Lisa Who. Eine Unbekannte in der Musikszene ist sie allerdings schon lange nicht mehr. Seit Jahren spielt sie Keyboard bei der Band Madsen. Sebastian Madsen hat ihr Album sogar produziert. SPIESSER-Autorin Anh hat sie erklärt, warum Tanzen die Welt vielleicht friedlicher machen könnte.

15. März 2017 - 09:21
SPIESSER-Autorin whityhumbuk.
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whityhumbuk Offline
Beigetreten: 27.06.2012

Was gibt Beständigkeit und worin findest du sie? (Alles ist gut)

Gesundheit! Ich merke, wie es mich aus der Bahn wirft, wenn der Körper streikt. Gesund zu sein ist ein Zustand, den man oft nicht genug wertschätzt. Hat’s einen dann doch mal erwischt, ist man gefühlt komplett raus aus dem Leben. Beständigkeit finde ich natürlich auch bei meiner Familie, meinem Freund und meinen Freunden – und in der Musik.

Kann Tanzen die Welt retten? (Wenn sie tanzt)

Das Lied beschreibt das Gefühl, eine Balletttänzerin auf der Bühne zu sehen. Dieses Bild hat etwas sehr Friedliches und Kraftvolles zugleich. Und das ist für mich das Gefühl von Tanz. Egal, ob auf der Bühne, allein oder zusammen. Ich denke da zum Beispiel an Freunde, die auf Festivals in der Sonne tanzen. Das ist doch etwas Wunderbares. Wenn alle Menschen mehr tanzen würden, wäre die Welt auf jeden Fall friedlicher, oder?

Wie befreist du dich aus festgefahrenen Situationen? (Ich dreh mich nicht im Kreis)

Indem ich die Situation analysiere: Was läuft gerade falsch, woran liegt das und wie löse ich das Problem? Ich versuche nicht zu verzweifeln, sondern rational zu sein. Ich denke dann sehr schnell alle möglichen Lösungswege durch. Teufelskreise entstehen – vor allem in unserer Generation – oft aus falschem Ehrgeiz. Wir haben so viele Möglichkeiten, machen uns den Druck, immer etwas Besonderes leisten zu müssen oder vergleichen uns mit unrealistischen Bildern aus den sozialen Medien – Ich rutsche da auch manchmal rein, aber das müssen wir eigentlich alle vermeiden. Das ist ja das Thema des Liedes: Den Perfektionismus, diese Vergleichskrankheit einfach mal bewusst abzuschütteln!

Was spricht wieder für mehr ausgedehnte Instrumentals? (Das Rauschen in mir)

Was mir richtig gegen den Strich geht, sind vorgegebene Schemen: Kein langes Intro, „griffig“, schmissiger Refrain, der „Hit“ muss her. Das hat für mich nicht viel mit Kunst zu tun. Ich gebe jedem Lied den Raum, den es braucht. Gerade bei meiner Musik, die klar im Pop verankert ist, erwartet niemand, dass ein Stück mit einem 6-Minuten-Instrumentalteil beginnt. Aber wenn man sich darauf einlässt, dann erzählt dieser Part eine ganze Geschichte, die den Zuhörer im besten Fall auf eine Reise mitnimmt. Ich finde, Musik sollte sich wieder trauen, mehr zu überfordern, mehr Kunst zu sein. Ich persönlich höre solche Musik und sehne mich danach. Ob der Rest der Welt darauf gewartet hat, weiß ich nicht. Schön wäre es natürlich, aber darauf kommt’s mir nicht an. Solange es ein paar Menschen gibt, die sich in meiner Musik wiederfinden, bin ich glücklich. Es geht nicht um den großen Erfolg.

Was ist ein Sehnsuchtsort für dich? (Sehnsucht)

Die Natur, Berge! Auf einem Berg zu stehen, mit dieser Weite vor sich, das befreit auch etwas in meinem Inneren – das ist einfach unbeschreiblich. Sehnsucht ist für mich auch, im Flugzeug auf die Wolken unter mir zu schauen und mich immer wieder zu fragen „Wenn ich jetzt in dieses Wolkenbett springe, falle ich da durch oder lande ich auf Watte?“ (lacht). Ich kann definitiv sagen, dass die Natur in ganz vielen verschiedenen Facetten mein Sehnsuchtsort ist.

Wie können wir hier auf der Erde noch die Kurve bekommen und den Planeten retten? (Keine Rettung)

Es heißt, wer nicht so viel nachdenkt, ist glücklicher. Das mag vielleicht stimmen, ist aber der falsche Ansatz. Die, die nicht über die Dinge nachdenken, machen in der Regel auch nichts: Gehen nicht demonstrieren, hinterfragen nicht, wo die Kleidung, die sie tragen, und die Nahrung, die sie essen, herkommt. Wie sie produziert oder hergestellt wird. Und so wird die Welt nicht besser. Es sind nach wie vor auch Kleinigkeiten, die helfen können: Einem Obdachlosen einen Kaffee geben, für einen Standpunkt auf die Straße gehen. Es läuft zu viel falsch und die Welt wird niemals perfekt sein. Wenn aber jeder von uns ein bisschen was macht, bewirken wir viel. Das vergessen wir oft und resignieren zu schnell.

Sehnsucht von Lisa Who

VÖ: 21. Januar 2017
Label: Arising Empire

 

 

Interview: Thi Quynh Anh Tran
Teaser-Foto: © Arising Empire

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