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Milky Chance

Knapp vier Jahre nach dem Debütalbum „Sadnecessary“ veröffentlichen Milky Chance ihr zweites Album „Blossom“. Mit neuem Sound und einer beeindruckenden Tiefe knüpft die Platte nahtlos an den ersten Erfolg an. Wie man sich diesen nicht zu Kopf steigen lässt und warum es schön ist im Regen zu tanzen, erzählt Clemens SPIESSER-Autorin Anna.

23. März 2017 - 09:42
SPIESSER-Autorin annaweigelt.
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annaweigelt Offline
Beigetreten: 17.03.2015

Was hat euch in den letzten Monaten musikalisch beeinflusst? (Blossom)

Ziemlich viel, denn in den letzten Jahren ist extrem viel passiert. Wir hatten die Chance weltweit Konzerte zu spielen, haben also viel Bühnenerfahrung gesammelt und auf der Live-Ebene unheimlich viel gelernt. Somit kann man unseren Sound jetzt auch als viel handgemachter beschreiben. Wir arbeiten mehr mit echten Instrumenten, sodass die Lieder vom Arrangement her ein starkes Live-Feeling haben.

Was macht ihr, um auf dem Boden zu bleiben? (Ego)

Sehr wichtig ist das Gefühl, verwurzelt zu sein. Das bietet uns unsere Heimatstadt Kassel. Dort sind unsere Familien und ein großer Teil unserer engen Freunde. Auf Tour trifft man auf unheimlich viele Menschen und Gesichter, aber vieles ist relativ oberflächlich, alles fliegt vorbei. Persönliche Bindungen zu haben, die man pflegt und nicht aus den Augen verliert, ist deswegen sehr wichtig und gibt Halt.

Verbrennst du dir oft die Finger? (Firebird)

Auf der einen Seite bin ich ziemlich impulsiv, auf der anderen aber auch gleichzeitig relativ kontrolliert. Von daher nicht immer, aber es passiert trotzdem schon öfter mal. Ich versuche zwar generell immer nachzudenken bevor ich etwas mache, aber manchmal gelingt mir das leider nicht. Dann sind Herz und Bauch eben auch mal schneller als der Kopf. 

Schon mal im Regen getanzt? (Cold Blue Rain)

Ich habe tatsächlich schon mal im Regen getanzt und es war wunderschön! Vor fünf Jahren haben wir das erste Mal auf einem Festival gespielt und es war wirklich richtig toll. Viele unserer Freunde waren da, es hat viel geregnet und wir haben trotzdem viel getanzt. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig klischeemäßig, aber beim Tanzen im Regen kommt bei mir doch schon ein gewisses Freiheitsgefühl auf.

In welchem Land hat es euch auf Tour am besten gefallen? (Cold Blue Rain)

Amerika zum Beispiel ist extrem divers und vielschichtig – sowohl von der Natur her, als auch von den Menschen. Das ist auf jeden Fall ziemlich cool und interessant. Viel Zeit, um ein Land auszukundschaften, hatten wir außerdem in Neuseeland. Nach dem Konzert in Oakland holten wir uns einen Camper und fuhren zwei Wochen durch das Land. Von der Natur und Landschaft her war das auf jeden Fall das Beeindruckendste und Schönste, was ich je in meinem Leben gesehen habe.

Gibt es einen Ort, an welchem du gern auch mal länger verweilst? (Stay)

Generell zu Hause erstmal. Ansonsten wünscht man sich auch auf Tour manchmal, dass man länger an einem Ort verbleiben könnte. Oft stimmen die Leute und das Wetter, aber man muss direkt weiter. In diesen Momenten hätte man gern ein wenig Stillstand.

Welche unschöne Erfahrung in deinem Leben hat dich etwas Wichtiges gelehrt? (Bad Things)

Da wäre zum Beispiel die Art und Weise, wie wir in den letzten Jahren als Musiker das Musikbusiness kennengelernt haben. Unterwegs lernt man viele Leute kennen, aber manchmal kristallisiert sich eben erst nach und nach heraus, wer sie wirklich sind. Man sollte im Kopf haben, dass manche Verbindungen auch wieder abbrechen, weil es einfach nicht funktioniert. Es braucht seine Zeit, um Menschen richtig kennenzulernen. Und man sollte auch nicht immer zu große Erwartungen haben.

Wie kann man sich deinen Kokon vorstellen? (Cocoon)

Für mich ist der Kokon ein state of mind. Aber im Grunde kann es alles sein. Als wir unser Album aufgenommen haben war das Studio unser Kokon. Je nach Situation ist es aber auch ein guter Freund. Jemand, bei dem man Zuflucht finden kann. Denn der Kokon ist auch ein Ort der Zuflucht. Ein Ort, an welchem man Halt, aber auch sich selbst finden kann. Ein Ort, an welchem man allein ist ohne jegliche Einwirkung der Außenwelt. Der Kokon ist ein Sich-selbst-wiederfinden. Nur du und die Welt. 

Broken hearts made us stone – Wie wirkt man der Versteinerung am besten entgegen? (Peripeteia)

Das weiß ich auch nicht so genau, um ehrlich zu sein. Das ist ein ziemlich schwieriges Unterfangen. Man macht immer mehr Erfahrungen im Leben, die einen prägen und dazu beisteuern, dass man sich entwickelt – oder eben auch nicht. Denn die Sicht auf die Welt wird immer voreingenommener, das eigene Weltbild manifestiert sich. Seine Weltoffenheit, oder generell Offenheit und Sensibilität für die Dinge zu erhalten, ist deswegen unheimlich schwer. Keine Ahnung wie man das machen soll, echt. Aber ich gebe mir Mühe, das herauszufinden.

Blossom von Milky Chance

 

VÖ: 17. März 2017
Label: Vertigo/ Universal

 

 

 

Interview: Anna Weigelt
Teaser-Foto: © Jeff Hahn, Promotion-Werft

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