Kinofeeling

Utøya 22. Juli

Sagt euch das Datum 22. Juli 2011 was? Ja, da meldet sich was in den hintersten Erinnerungsschichten? Dann wird es Zeit, dass wir uns erinnern an Utøya, an einen rechtsterroristischen Anschlag, an 77 Kinder und Jugendliche, die an dem Tag ermordet wurden.

19. September 2018 - 15:15
SPIESSER-Autorin Individuot.
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Individuot Offline
Beigetreten: 01.07.2014

Worum geht's?

Zelte, wohin man sieht, Handtücher, Chipstüten – die 18-jährige Kaja verbringt einige Tage in einem Sommercamp auf der norwegischen Insel Utøya. Ihre Schwester hat Kaja überredet mitzukommen. Die Stimmung zwischen den beiden könnte besser sein, sich ein Beispiel nehmen an der neckischen und ausgelassenen Stimmung im Camp. Aber es herrscht auch eine gewisse Bedrückung wegen einer Explosion in einem Regierungsgebäude in Oslo, die sich früher am Tag ereignet hat. Eine politische Debatte entbrennt – freundschaftlich und engagiert und ohne zu Ende geführt zu werden, denn plötzlich ertönen laute Geräusche. Jugendliche, Kinder stürmen in das Versammlungshaus, man hört die fassungslose Frage „Sind das Schüsse?“ und tut sie schnell wieder ab, denn das kann ja nicht sein. Später wird die Welt erfahren, dass es doch sein kann und dass an diesem Tag, dem 22. Juli 2011, 77 Kinder und Jugendliche von dem norwegischen Rechtsterroristen Anders Behring Breivik umgebracht wurden.

Wer spielt mit?

Die norwegische Hauptdarstellerin Andrea Berntzen steht im Zentrum dieses Films und ist selbst erst 20 Jahre alt. Der Gedanke bleibt nicht aus, dass Andrea tatsächlich an dem Tag auch auf Utøya hätte sein können. Ein Gedanke, der den Atem rauben kann.

Filmischer Augenschmaus?

72 Minuten dauert der Terroranschlag, der Film nur wenig länger. Die Kamera bleibt dabei ganz nah an Kaja, wenn sie flieht, sich versteckt, verzweifelt ihre Schwester sucht, Menschen sterben sieht – ohne explizite Gewalt zu zeigen. Als Zuschauer fühlt man den Dreck unter Kajas Nägeln, während sie sich in ihrem Versteck festkrallt, man zuckt mit ihr bei jedem Schuss zusammen und schöpft mit ihr neue Hoffnung, dass es der letzte sein könnte. Als „Augenschmaus“ kann man die Filmkunst dahinter sicherlich bezeichnen, für das Gefühl, das erzeugt wird, gibt es keine Worte.

Gibt’s was zu meckern?

Nein. Der Film ist fast unerträglich ungeschminkt, aber genau das muss er sein.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪
Romantik:
Humor:
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Braucht man Taschentücher?

Ja.

Mit wem angucken?

Eigentlich will man’s niemandem antun, aber es ist wichtig, dass wir diesen Film gucken. Und was wichtig ist, tut oft weh.

Was macht man danach?

Sich erinnern, was an dem Tag war, als man hier im weit entfernten Deutschland die Nachrichten aus Norwegen hörte. Die zur Surrealität neigende Schrecklichkeit und Traurigkeit nehmen Überhand und man rettet sich in eine umfassende Recherche.

In 3 Worten:

nah, echt, Panik

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Es geht beides – die große Leinwand und das Kino-Ambiente mit dem umgebenden Sound bringt aber die Bilder und Geräusche noch deutlicher raus.

Mainstream oder Independent?

Absolut Independent.

Utøya 22. Juli

Regie: Erik Poppe
Darsteller: Andrea Berntzen, Aleksander Holmen, Brede Fristad
Veröffentlichung: 20.09.2018
Filmlänge: 93 Minuten
Genre: Drama
FSK: ab 16 Jahren

 

 

Text: Polina Boyko
Bildmaterial: © 2000-2018 MR FilmPressKit-online Gmbh
Teaserbild: © Agnete Brun

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