Vertretungsstunde

„Verzicht heißt immer auch Unzufriedenheit.”

An seiner alten Schule, der Lausitzer Sportschule, wendet sich der ehemalige Kunstturner Philipp Boy an den sportlichen Nachwuchs mit einem saftigen Thema: Ernährung im Sport. Ob ihm die Schüler der 8. Klasse aus der Hand fressen?

22. Mai 2018 - 09:54
SPIESSER-Autorin VeryMary94.
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VeryMary94 Offline
Beigetreten: 13.08.2012

Philipp: Einen wunderschönen, guten Tag an alle! Ich weiß, nach dem Mittag steckt noch die Mittagsschwere drin, aber ich freue mich trotzdem, dass ich heute bei euch sein kann. Vor zehn Jahren war ich tatsächlich auch hier! Bio war gar nicht so mein Thema, trotzdem möchte ich heute mit euch über gesunde Ernährung sprechen. Erst wollte ich mit euch Sport machen aber ich glaube damit hätte ich euch noch mehr gelangweilt. Ein paar Köpfe werden geschüttelt, man hört leise „Mhh, wär‘ auch schön gewesen.“

Ne? Na gut, Trampolin springen wär’ auch ne gute Nummer geworden. Das nächste Mal! Philipp dreht sich zur Tafel und schreibt seinen Namen an: Herr Boy. Ihr könnt mich auch gerne Philipp nennen, aber wenn ihr mich ansprecht, dann bitte mit Sie. Ein paar Schüler lachen, die Stimmung taut auf.

Philipp: So. Philipp überlegt kurz und nimmt dann Jessy aus der ersten Reihe dran. Jessy, wie sieht für dich gesunde Ernährung aus?

Jessy: Na, nicht so viele Süßigkeiten. Eher Vitamine, Gemüse und Obst.

Philipp: Warum schimpfen denn alle immer auf Schokolade oder Cola? Das hat mit dem Blutzuckerspiegel zu tun. Esst ihr Süßes, steigt euer Spiegel rasant nach oben, dann kommt das Insulin, das der Steigung entgegen wirkt, und der Blutzuckerspiegel geht extrem runter – das bedeutet: Heißhunger. Ein kurzes Hoch fühlt sich erst mal gut an, aber man muss dann schnell wieder nachlegen. Klar, habe ich mir früher auch mal gerne ein Snickers vor dem Training reingehauen, aber das ist halt nicht optimal. Dann lieber ’ne Banane! Eine Banane ist ein super Kraftbringer fürs Training. Wie siehts da bei dir aus, Jessy?

Jessy: Ab und zu esse ich schon gerne Süßes. (grinst)

Philipp: Das soll ja auch so sein! Verzicht heißt immer auch Unzufriedenheit. Was fällt dir noch ein, Chayenne?

Chayenne: Es gibt aber auch Obst, das viel Zucker hat und schwer im Magen liegen kann.

Philipp: Sehr gut! Stimmt, gerade am Abend ist Obst nicht so gut. Ich hab eigentlich damit gerechnet, dass niemand mit mir redet, aber es läuft ja total gut! (lacht auf) Ok, Jenny, wie regelst du das mit der gesunden Ernährung?

Jenny: Essen zu geregelten Zeiten ist wichtig.

Philipp: Und das machst du auch?

Jenny: Da ich hier im Internat lebe, ist das eh geregelt.

Philipp: Ihr wisst ja schon alles! Ok, dann andersrum gefragt: Was denkst du, Jonas, sind denn Fehler, die man machen kann?

Jonas: Ich denke, viele ernähren sich nicht ausgewogen. Dass man manche Sachen gar nicht isst, weil man etwas nicht mag, und von anderen dann zu viel, wie Fast Food.

Gina: Manche essen auch zwischendurch, was nicht gut ist.

Philipp: Es spielt auch eine Rolle, wie viel Unterstützung man bekommt. Hattet ihr schon mal eine Ernährungsberatung?

Marcel: Ne, noch nicht.

Philipp: Mir wurde das beim Olympiastützpunkt nahe gelegt. Eigentlich unterscheidet sich die Ernährung eines Nicht-Sportlers qualitativ gar nicht von der eines Sportlers, nur quantitativ. Ihr als Leichtathleten bewegt euch mehr und verbrennt somit mehr, deshalb muss das angepasst sein. Ich bin also froh hier mit Gleichgesinnten, sozusagen mit zukünftigen Weltklasseathleten, darüber zu sprechen. Die Schüler grinsen und feixen.

Unser Körper besteht aus 70 Billionen Zellen, das heißt, wir haben am Tag unglaublich viele Vorgänge in unserem Körper, für die wir Energie brauchen. Philipp malt eine Muskelzelle an die Tafel und erklärt, dass durch den Zellstoffwechsel Energie generiert wird. Für die Energie brauchen wir Fette, Kohlenhydrate, Eiweiße, Wasser, Sauerstoff, Vitamine, Spurenelemente, Mineralien usw. Mir wurde alles rund um das Thema von unserem Nationalmannschaftsarzt beigebracht. Nachdem ich verstanden habe, was gesunde Ernährung bedeutet, kamen auch ein paar internationale Medaillen. Warum ist Eiweiß so wichtig, Luis?

Luis: Eiweiß ist notwendig für den Muskelaufbau.

Philipp: Genau, ohne Eiweiß kann kein Muskelaufbau und bzw. -reparatur stattfinden. Ganz wichtig ist natürlich auch Schlaf. Ausreichend Schlaf bedeutet gute Regeneration, ihr seid dann leistungsstärker. Wenn ihr abends wenige Kohlenhydrate gegessen habt, steht ihr früh auf und seid fitter.

Luis: Wie viel Schlaf wäre das denn?

Philipp: Das hängt auch vom Alter ab, bei euch würde ich sagen 8-9 Stunden.

Marcel: Wann sind Sie denn immer vor dem Training aufgestanden und wann haben Sie gefrühstückt?

Philipp: Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Ich habe mich erst spät wirklich diszipliniert, aber zur Zeit meiner größten Erfolge bin ich um 6:30 aufgestanden, damit ich um 7 Uhr frühstücken und um neun mit dem Training beginnen kann.

Jenny: Wie sind Sie denn zum Sport gekommen?

Philipp: Oh, das geht ganz weit zurück. Ich habe mit vier, fünf angefangen, weil ich eine extreme Nervensäge für meine Mutter war. Ich habe immer viel Blödsinn gemacht und sie wollte das in die richtige Bahn bringen.

Anton: Hatten Sie früher ein Vorbild?

Philipp: Ich halte es für unglaublich wichtig, dass man Vorbilder hat. Wo kannst du dich sonst hochrangeln? Es gibt ja auch mal doofe Momente. Beim Turnen haben mir so oft die Hände im Training gebrannt, dass ich kaum noch was anfassen konnte. Wenn man dann weiß, was sein Vorbild in dieser Situation gemacht hat, dann hat man die Motivation sich auch durchzukämpfen. Eine wahnsinnig inspirierende Person für mich war Mohammed Ali, auch wenn er ein Boxer war. Er hat einfach ein paar richtig gute Sprüche gehabt, die bei mir im Spind hingen und die ich mir jeden Tag angeguckt habe.

Fazit aus der Klasse

Anton, 13:

„Ich fand die Stunde sehr gut. Ich fand es besonders interessant mit einem großen Sportler persönlich zu reden, der uns auch Tipps gegeben hat.“

Note: 1

 

 

 

Jessy, 13:

„Ich fand die Stunde sehr interessant. Ich finde es schön, dass er sich für die Sportschule entschieden hat, das hat mich sehr gefreut.“

Note: 2+

 

 

 

Marcel, 13:

„Ich fand die Stunde gut, ich kannte ihn davor noch nicht aber er ist echt sympathisch. Ich habe auch was dazu gelernt und werde wohl was an meiner Ernährung verändern.“

Note: 2

 

 

 

Text: Marie Robinski
Fotos: Daniel Scholz
Kamera: Roman Schlaack
Schnitt: Mirko Nemitz
Teaserbild: Lena Schulze

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