Nachgefragt

Von Tätowierungen
bis Tunikas

Mode vs. Kleidung und wo ist da der Unterschied? Wir wollten wissen, wie sich Mode im Laufe der Epochen verändert hat. Was Fashion mit Turmschädeln zu tun hat und wieso Hosen verpönt waren, erklärt Frau Gutsmiedl-Schümann von der FU Berlin SPIESSER-Autorin Marie.

12. Juli 2018 - 09:27
SPIESSER-Autorin VeryMary94.
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Beigetreten: 13.08.2012

Wie können wir wissen, was Menschen vor 1000 Jahren getragen haben?

Aus archäologischer Sicht besteht Kleidung aus organischen und anorganischen Bestandteilen. Textilien aus Pflanzenfasern, Wolle oder Leder sind organische Materialien, die sich nur unter sehr speziellen Bedingungen erhalten. Das heißt, je weiter wir in der Zeit zurückgehen, desto weniger können wir direkt auf Kleidung zugreifen, es sei denn wir haben spezielle Überlieferungsbedingungen, wie beispielsweise der Fund von Ötzi, der samt seiner Kleidung im Gletscher konserviert wurde. Normalerweise fehlt aber der organische Bestandteil von Kleidung. Meistens sind die anorganischen Elemente besser erhalten, wie Schnallen, Gewandspangen oder Schmuck aus Metallen, Knochen und Horn.


Kleidung aus der Bronzezeit (1000 v. Chr.)
War Mode immer ein Statussymbol?

Was wir hier begrifflich unterscheiden sollten, sind „Kleidung“ und „Mode“. Mode, im Sinne von einer Kleidung, die einem aktuellen Zeitgeschmack entspricht, ist eine spezielle Art von Kleidung. Wenn wir die Entwicklung von Mode betrachten, stellen wir fest, dass sich diese in der Vergangenheit wesentlich langsamer entwickelt hat als heute. Früher eher von Generation zu Generation – heute von Saison zu Saison.

Ein Beispiel: Im sechsten Jahrhundert nach Christus war es bei Frauen üblich, ein Obergewand mit zwei kleinen Gewandspangen zu verschließen. Im Übergang zum siebten Jahrhundert änderte sich die Mode und es wurden einzelne große, scheibenförmige Gewandspangen. Dabei handelte es sich um eine klassische Generationenfrage, da ältere Frauen zu Beginn des siebten Jahrhunderts oftmals noch die zwei kleinen Spangen trugen. Modetrends sind meistens nur innerhalb einer höheren sozialen Schicht zu finden oder nachzuweisen.

Unser heutiges Schönheitsideal vor allem für Frauen unterscheidet sich massiv von dem vor 200 Jahren. Wie kam es dazu?

Da muss man beachten, dass das ein sehr westlicher Blick ist. Meines Erachtens müssen wir uns heute in der westlichen Welt so gut wie keine Gedanken mehr um Nahrungsbeschaffung machen,um die nächste Zeit zu überleben. Ein schlankes Schönheitsideal kann sich nur eine Gesellschaft erlauben, die grundsätzlich mit Nahrung versorgt ist, sodass der bewusste Verzicht wiederum für Qualitäten wie Disziplin oder Kontrolle steht. Das sagt viel über das allgemeine Idealbild eines Menschen in dieser Gesellschaft aus.

Doris Gutsmiedl-Schümann

ist prähistorische Archäologin und lehrt an der Freien Universität Berlin. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im ersten Jahrtausend nach Christus und räumlich gesehen vor allem in Mittel- und Nordeuropa. Momentan beschäftigt sich Frau Gutsmiedl-Schümann mit Grabfunden aus Skandinavien (Norwegen).
Einige setzen aber weniger auf Disziplin, sondern eher auf Chirurgie. Wann
begannen Männer und Frauen sich medizinisch verschönern zu lassen?

Das ist auch schwierig nachzuweisen. Wir können Tätowierungen bei im Permafrost bestatteten Menschen nachweisen, da bei ihnen die Haut noch gut erhalten wurde. Auch Ötzi hatte Tätowierungen auf dem Körper. Es gibt die Theorie, dass diese kleinen Tätowierungen an bestimmten Stellen heilende Wirkung haben sollten.

Ein anderes Beispiel für Körpermanipulation sind Turmschädel aus dem fünften bis sechsten Jahrhundert. Man hat bei hunnischen Kleinstkindern aus höheren sozialen Schichten die Schädel eng bandagiert, um sie in eine hohe Form zu bringen. Wofür diese Tradition steht und warum dieses Schönheitsideal auch von anderen Bevölkerungsgruppen übernommen wurde, ist schwierig zu sagen. Es hat keiner etwas darüber aufgeschrieben.

Was können Sie uns zum Thema „Modetabus“ sagen?

Im Spätmittelalter und der Neuzeit haben sich Hosen als etwas Manntypisches durchgesetzt. Wenn wir von dort aus mal zurückgehen und uns mit der klassischen Antike beschäftigen, können wir feststellen, dass zu Zeiten der Römer Hosen tragen bei Männern und Frauen als unzivilisiert und barbarisch galt. Römische Männer trugen Tunika und Toga. Die Römer haben das Hosentragen durch Kontakt mit germanischen Völkern in Mittel- und Nordeuropa kennengelernt. Durch die Konflikte zwischen den Völkergruppen kam es zu einer Abgrenzung von römischer Seite durch das Ablehnen von Hosen.

 

Text & Fotos: Marie Robinski
Teaserbild: Lena Schulze

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