Herzscheiße

Wenn es doch nur so einfach wäre! - Teil 2

11. Oktober 2011 - 19:40
von SPIESSER-Autorin Quietschkugel.
Deine Bewertung bewertet mit 5 5 basierend auf 3 Bewertungen
Quietschkugel Offline
Beigetreten: 18.06.2011

Ich wusste, dass ich träumte, denn Victor war dabei. Na ja, wir waren allein. Irgendwo in einem Café in der Stadt. Wie es hieß, wusste ich nicht mehr. Aber ich kannte den netten Kellner, der genau wusste, was ich bestellen wollte. Ich versuchte, mich aus dem Traum zu reißen, doch es ging nicht. Dieser schreckliche Traum – ich wusste, dass er schrecklich war; wenn ich mit Victor in einem Traum allein war, konnte das nicht gut ausgehen – ging einfach weiter, ohne dass ich es wollte. Victor war gerade dabei, mich zu küssen – unsere Lippen berührten sich fast –, als ich ein Lachen vernahm, das ich nur allzu gut kannte. Annikas Lachen. Ich hielt inne, Victor ebenfalls. Diese Annika musste immer in den unpassendsten Momenten kommen! Sogar in meinen Träumen störte sie Victor und mich. Dieser drehte sich um und begrüßte Annika voller Freude. Okay, vielleicht untertrieb ich etwas. Um genau zu sein stürmte er auf sie zu und küsste sie, bis sie keine Luft mehr bekam. Das war zu viel für mich. Ich erwachte schreiend. Als mir bewusst wurde, dass der Schrei von mir kam, hörte ich sofort auf. Ich bekam, wie Annika zuvor in meinem Traum, kaum noch Luft, doch aus einem ganz anderen Grund. Tränen strömten mir über das Gesicht, aber ich konnte sie nicht stoppen. Wie gut es jetzt tun würde, in Victors Armen zu liegen! Sobald ich das gedacht hatte, liefen mir wieder neue Tränen die Wangen hinunter. Ich war so naiv! Wie konnte ich mir nur vorstellen, jemals in seinen Armen zu liegen? Das würde niemals passieren. Und doch wünschte ich es mir so sehr. Was machte dieser Junge mit mir? Wenn er das wüsste, ich glaube, er würde sich in Zukunft von mir fernhalten. Dieser Gedanke schmerzte noch mehr als alles zuvor. Dass er mit Annika zusammen war, war das Eine. Aber wenn er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte, war das eine ganz andere Sache. Das würde ich nicht ertragen. Ich würde es nicht überleben. Dann würde ich überhaupt nicht mehr leben wollen. Endlich – nach einer Ewigkeit, wie es mir schien – waren meine Tränen versiegt. Keine einzige stahl sich mehr aus meinem Augenwinkel hinaus. Nun, damit hatte ich für heute die Chance vertan, mich in den Schlaf zu weinen. Nicht sehr gut. Dabei konnte ich beim Weinen super einschlafen. Schicksal, dachte ich mir. Ich habe sowieso kein Glück mit den Jungs. Da ich wusste, dass ich jetzt nicht mehr einschlafen konnte, schaltete ich meinen Computer an. Es war zwar mitten in der Nacht, doch wie durch ein Wunder waren noch einige Leute aus meiner Freundesliste da. Da ich mich schrecklich einsam fühlte, schrieb ich Mark an. Ich schrieb ihn eigentlich nur an, um mich bei ihm aus zu heulen. Er hatte immer ein offenes Ohr für mich. Ich wusste nicht, wie ich es ihm erklären sollte. Was denn eigentlich mein Problem war. Niemand verstand, warum ich mich nicht für einen guten Freund freute, jetzt, da er endlich eine Freundin hatte. Niemand wollte hören, dass er jetzt viel mehr Zeit mit ihr verbrachte. Alle sagten mir immer: „Das stimmt doch gar nicht. Das siehst du jetzt nur so, weil du ihn nicht mehr für dich allein hast. Er ist nur ein Freund von dir. Du bist nicht seine feste Freundin. Du kannst nicht darüber bestimmen, was er mit wem wie oft macht!“ Tolle Freunde waren das, die einem so etwas sagten. Doch Mark war da anders. Er versuchte, die Dinge aus meiner Sicht zu sehen und mir Tipps zu geben, wie ich besser damit umgehen könnte. Nur heute nicht, heute hatte er zum ersten Mal keine Zeit für mich. Mitten in der Nacht! Das glaubt ja wohl keiner! Er müsse jetzt ins Bett, meinte er. Dabei war die Nacht schon fast wieder rum! Immerhin war es halb Sechs. Kann ich nicht ändern. Ich habe eben nur noch Pech, dachte ich. Ich schaltete den Computer wieder aus und versuchte es noch einmal mit Schlafen. Leider war ich nicht sehr erfolgreich dabei. In Gedanken war ich bei Victor. Und bei Mark. Warum hatte er um diese Uhrzeit keine Zeit für mich? Was war da los? Als es langsam zu dämmern begann, war ich so müde wie schon lang nicht mehr. Ich sah bestimmt schrecklich aus, mit Ringen unter den Augen. Heute würde mich sowieso keiner sehen, hoffte ich. Was tat man am besten, wenn man den ganzen Tag allein war? Lesen, fiel mir sofort ein. Doch ich wollte nicht lesen. Bloß keine Liebesgeschichte. Das war Gift für das Loch in meiner Brust. Fernsehen. Den ganzen Tag? Nein, danke. Mit Mark schreiben. Und was, wenn er wieder keine Zeit für mich hatte? Würde ich das verkraften? Eher nicht. In gewisser Weise liebte ich ihn wohl auch. So ganz im tiefsten Inneren meines Herzens. Na toll, zwei Jungen auf einmal. Als ob nicht einer schon genug Ärger machen würde. Laura anrufen. Aber die schlief ja noch, und außerdem traf sie sich mit ihrer Großcousine. Rausgehen. Nur wohin? Irgendwo hin. Ja, eine tolle Antwort. Am besten alles zusammen. Zuerst lesen. Ein anderes Buch. Einen Thriller. Thriller sind immer gut. Dann rausgehen, ein wenig einkaufen, und im Park spazieren. Am frühen Abend Laura anrufen. Da würde sie ja wohl schon wieder zurück sein. Um acht fernsehen. Es kam bestimmt ein Krimi oder so. Und bis spät in die Nacht mit Mark schreiben. Er würde schon Zeit haben. Ja, das war gut. Ein perfekter Tagesplan.

@Herzscheiße

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Kommentare

Vier Kommentare
  • danke (=

    jap das hatte ich vor ;)
    freut mich das es euch gefällt.

  • Du schreibst wirklich toll! Ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht, deine Geschichte ist interessant... stellst du noch eine Fortsetzung rein? :D

  • Danke sehr ((=

  • Das ist das perfekte Wort um deine Texte zu beschreiben.

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