Wie spießig ist das denn?

Wer schön sein will,
muss laufen

Spieglein, Spieglein an der Wand – wer ist die Schönste im ganzen Land? Diese Frage stellt sich nicht nur Schneewittchens böse Stiefmutter, sondern auch viele junge Mädchen. Jährlich versuchen hunderte von ihnen ihr Glück bei zahlreichen Schönheitswettbewerben. Peinliches Dorffest oder unterhaltsame Wahlveranstaltung? SPIESSER-Autor Ruben ist zwiegespalten.

01. September 2015 - 16:42
SPIESSER-AutorIn Rubinello.
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Rubinello Offline
Beigetreten: 23.05.2014

Mädels, die über den Laufsteg stolzieren, sich um eine Krone streiten und natürlich alle den Weltfrieden wollen – Schönheitswettbewerbe kenne ich bisher nur aus dem Fernsehen. Für SPIESSER begebe ich mich ins fränkische Egloffstein zur Wahl der „Miss Fränkische Schweiz“. Schönheitswettbewerb in der Provinz? Ich erwarte bayrische Trachten, Bierzelt und keinerlei Glamour.

Ganz am Ende eines schmalen Talkessels liegt das Egloffsteiner Gasthaus, in dem heute Abend das „schönste Madl“ gekürt werden soll. Bei meiner Ankunft sind bereits ein Dutzend Leute damit beschäftigt, Bänke aufzustellen und das Zelt herzurichten. Erinnert bisher eher an Oktoberfest.

Ich begebe mich ins Innere des Festzelts. Ganz Egloffstein scheint heute Abend vor Ort zu sein. Herzlich begrüßen sich die Gäste – man scheint sich zu kennen. Mit den glamourösen Auftritten, die man aus Hollywoodstreifen oder den Berichten über die „Miss Germany“-Wahl kennt, hat das Ganze bisher wenig zu tun.


Zumindest das Laufen in diesen
Schuhen verdient eine Würdigung

Ich bin gespannt auf die heutigen Teilnehmerinnen. Doch zunächst ergreift der Moderator das Wort und begrüßt die Jury. Von Ortsvertretern über Brauereimeister bis hin zum Bürgermeister hat sich die gesamte Egloffsteiner Prominenz hinterm Jurypult versammelt. Was diese Personen dazu qualifiziert, Juror eines Schönheitswettbewerbs zu sein, ist fraglich. Aber warten wir mal ab.

Dann ist es so weit: 18 Mädels zwischen 16 und 28 Jahren stolzieren über den filzgrünen Laufsteg. Vom halbprofessionellen Model bis zur absoluten Laiin ist alles vertreten. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie genießen sichtlich das Rampenlicht – da kann man auch darüber hinweg sehen, dass da am Jurypult keine Heidi Klum sitzt.

Anschließend sollen die Kandidatinnen zeigen, dass sie nicht nur gut aussehen, sondern auch was im Köpfchen haben. Nacheinander stellen sich die angehenden Missen vor und müssen ihr Wissen rund um ihre Heimat unter Beweis stellen.

Nun steht die Bademode auf dem Programm – sehr zur Freude der zahlreich anweseden Fotografen. Diese belagern, mich eingeschlossen, den Laufsteg und verleihen der Wahl doch noch einen Hauch von „rotem Teppich“.

Auch leichte Zickereien bleiben hinter dem Zahnpastalächeln der Kandidatinnen nicht verborgen: Die Schadenfreude steht ihnen förmlich ins Gesicht geschrieben, wenn eine Teilnehmerin bei der einstudierten Schrittfolge nicht mitkommt oder über Teppichfalten stolpert. Da stehen die fränkischen Damen den Protagonistinnen im Hollywoodstreifen in nichts nach.

Beim großen Finale wird nach Tanzshow und Trachtenlauf endlich die Gewinnerin gekürt: Theresa. Ein sympathisches Mädchen, das über ihre Heimat Bescheid weiß. Ich bin zufrieden.

Die Wahl am heutigen Abend konnte ihren Dorffestcharakter nicht ganz abschütteln. Schlimm finde ich das aber überhaupt nicht. Die fränkische Schweiz ist für ihre traditionellen Dorffeste bekannt – warum sollte also eine Miss, die aus dieser Region kommt und diese repräsentiert, nicht auch auf einem solchen Fest gekürt werden?

Text & Fotos: Ruben Stein

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