Herzscheiße

Wie bringe ich Frau Mama an den Mann?

Nicht jede Liebe währt ewig und nicht jede Ehe hält. Aber was tun, wenn Frau Mama oder Herr Papa sich selber zu Einsamkeit verdammen? SPIESSER-Autorin Mary wird zur Beraterin, als es um die Liebe der eigenen Mutter geht. Ein Mutter-Tochter-Erfahrungstrip...

30. Oktober 2014 - 13:58
SPIESSER-Autorin Mary F..
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Mary F. Offline
Beigetreten: 13.10.2014

Immer mehr Kinder und Jugendliche wachsen mit einem alleinerziehenden Elternteil auf, immerhin wurden laut Statistischem Bundesamt allein 2013 rund 169.800 Ehen in Deutschland geschieden. Seit einiger Zeit diskutiert man das sogenannte „Parentifizierungsphänomen“, also wie Kinder zu  Beratern der eigenen Eltern werden, vor allem, wenn es um die Suche nach einem neuen Partner geht. Die Mutter oder der Vater ist dann nicht mehr Autoritätsperson, sondern Freund/in. Eine Problematik, die mir alles andere als fremd ist, insbesondere durch die Versuche und vor allem die Herausforderung, als Tochter die Mutter an den Mann zu bringen.

Helfen, ohne Beraterin zu sein?

Eigentlich sollte meine Mutter keine Schwierigkeiten haben, einen Partner zu finden. Sie ist groß, schlank, hat feine Gesichtszüge und spricht vier Sprachen fließend. Sie ist vielfältig interessiert, oft auf Reisen und hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Ein tolles Profil, dass ich in etwa so für sie auf einer Datingplattform im Internet hinterlegte. Eine folgerichtige, aber auch folgenschwere Entscheidung, wie sich noch herausstellen sollte, da meine Mutter mich schon seit mehr als zehn Jahren in viele Sinnkrisen einbezieht und seit der Trennung von meinem Vater nur an die Falschen geriet.


Bei Datingproblemen wird Mama immer
mehr zur neuen besten Freundin
.

Schnell erhielt ich mit dem heimlichen Profil für meine Mutter eine Menge Nachrichten. Es wurde also Zeit, sie in meine Online-Dating-Pläne einzuweihen.  „Mary, bist du wahnsinnig? Ich kann doch kein Internet und vor allem keinen Smalltalk!“, war die erste Reaktion meiner Mutter und zugegebenermaßen hatte sie nicht ganz Unrecht. Meiner Mutter ihren Emailaccount zu erklären, hatte uns beide schier in den Wahnsinn getrieben und ihr nun ein Profil auf einer Datingwebsite nahebringen zu wollen, war vergleichbar mit einer Besteigung des Himalayas als Sonntagsspaziergänger. Ich schlug ihr also vor, sich einfach mal keine weiteren Gedanken zu machen, wir könnten doch zusammen zwei oder drei Männern schreiben und sie könnte sich einfach einmal mit allen treffen. „Aber ich weiß nicht was ich anziehen soll und in das Chaos hier kann ich sie erst recht nicht mitbringen.“ Da meine Mutter sich diese Gedanken aber in egal welcher Beziehung macht, überredete ich sie doch, sich mit mir hinzusetzen.

Es kommt zum Treffen

Tatsächlich war Online-Dating eine Form, die mir distanziert genug erschien, um mich mit der Partnersuche meiner Mutter auseinanderzusetzen. Sie ließ sich darauf ein, obwohl ich bereits hinter ihrem Rücken gehandelt hatte und wir führten via Inbox nette Konversationen mit zwei Männern. Der eine Architekt, der andere Kurator für eine kleine Galerie ganz bei uns in der Nähe. In der darauf folgenden Woche sollte es dann zu einem Treffen mit den beiden kommen.
Das gestaltete sich bei dem Kurator sehr einfach, da meine Mutter einfach zu ihm in die Galerie gehen konnte und so schon mal ihre Angst vor dem Smalltalk umging. Ich begleitete sie und war auch ihr Backup, um wieder zu gehen, da sie ja – so der Plan – mit der Tochter unbedingt nach Schuhen suchen musste.

Das Treffen ging genau zwei Stunden und war laut meiner Mutter auch ganz nett. Soweit ich weiß, kam es noch zu zwei weiteren Treffen, bis meine Mutter einen Fehler beging: Sie schreckte den Mann mit ihrer Art ab, sich schnell sehr tiefgründig und analytisch mitzuteilen und etwas zu ehrlich, ihren Eindruck vom Gegenüber mitteilen zu wollen. Ihr Frust darüber ließ sie sogar vergessen, dass sie sich zumindest der Angst einer Internetbekanntschaft gestellt hatte. Es wurde also nichts mehr daraus.

Ich habe mich nach diesem Versuch nicht mehr weiter eingemischt. Das hat wohl weniger mit der Suche nach einem Partner im Internet zu tun, als dem Frust einer Tochter, der eigenen Mutter nicht dabei helfen zu können, alte Marotten endlich abzulegen und einfach einmal über die Macken anderer hinwegzusehen, beziehungsweise auch die eigenen nicht allzu ernst zu nehmen. Ich denke, Gespräche über die Partnersuche und die Vorlieben der Eltern sind nur dann sinnvoll, wenn es die Möglichkeit bietet, sich entspannt und humorvoll über die Dinge zu reden, über die es sonst manchmal schwer fällt, wirklich ehrlich zu reden. Also seiner Mutter oder dem Vater mal Fragen zu stellen, die einem selber auch weiterhelfen, vielleicht Dinge, die man von den eigenen Eltern gern mal wissen wollte. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass eine Trennung auch ihre Spuren und Wunden hinterlässt und das Unverständnis des Nachwuchses die Eltern verletzen kann. Und letztlich wollen wir ja nur das Beste für sie.

Autor: Mary F.
Teaserfoto: Flickr-User Pabak Sakar (CC BY 2.0)
Foto: Flickr-User Simon Blackley (CC BY-ND 2.0)

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