Frühling 2020: Sinn und Glaube

Wie ich den Feminismus im Kloster fand

Fünf Tage ging ich ins Kloster, um mich mit dem schrecklichen Alltag einer Nonne zu konfrontieren. So dachte ich. Was ich fand, waren aufgeweckte, starke und herzliche Frauen, die der feministischen Ideologie in nichts nachstehen.

27. Februar 2020 - 16:38
SPIESSER-Autorin LeoOleo.
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LeoOleo Offline
Beigetreten: 01.12.2012

Es ist kuschelig warm in diesem Raum mit schrägem Holzdach, während kleine Tropfen an die Fensterscheibe schlagen. Es riecht nach Fencheltee. Ich sitze auf einem rosa-grauen Sofa und ertappe mich dabei, wie ich mich hier wohlfühle. Um mich herum sitzen drei Frauen in langen grauen Kutten und mit Kopfhauben und lächeln mir zu. Es ist Freitagabend, gerade haben wir die Tagesschau zu Ende geschaut.

Seit fünf Tagen lebe ich in einem vinzentinischen Kloster, heute ist mein letzter Abend. Jetzt unterhalten wir uns über religiöse Gepflogenheiten, die ich noch immer nicht begreifen will. Wieso die Schwestern mindestens dreimal am Tag in den Gottesdienst gehen und ständig beten müssen, zum Beispiel. „Das ist wie in einer Beziehung“, erklärt Schwester Petra*, „die muss ja auch gepflegt werden“. Neben dem gemeinschaftlichen Gebet würden sie auch oft einzeln beten und so einen noch innigeren Zugang zu Gott suchen. Eine Beziehung also. Mit so vielen Liebenden. Werden die Schwestern da nicht eifersüchtig? Schwester Annemarie* lächelt: „Jede wird so angenommen, wie sie ist“, sagt sie. Ich muss grinsen. Für mich klingt das nach Polyamorie.

Aufgewachsen ohne Glauben

Ich habe Religion noch nie kapiert. Ich wurde nicht getauft, meine Eltern sind vor meiner Geburt aus der Kirche ausgetreten, in der elften Klasse hatte ich meinen ersten Religionsunterricht. Mit einem Lehrer, der mit uns „Gegen die Wand“ und „Das Leben des Bryan“ schaute. Religion bedeutete in meinen Augen immer ein bisschen, meine Unabhängigkeit aufzugeben. Die bedingungslose Bindung zu einer höheren Gestalt, dessen Existenz fragwürdig ist und die Regeln, die damit einhergehen, haben in meiner Welt keinen Platz. Mehr noch: Als Feministin sah ich in Religion eine Art Erzfeindin der Emanzipation, im Kloster die Ketten der Willensfreiheit. Wie, dachte ich, kann ich Gleichberechtigung erkämpfen, während ich mich bedingungslos diesem Gott unterordne, während ich den vor 2000 Jahren gesagten Worten eines Mannes folgen soll und wenn ich delegiert von Gebeten und gehemmt von moralischen Einschränkungen mein Leben nicht frei und unabhängig leben kann?

Um meinen Vorurteilen nachzugehen, beschloss ich, ins Kloster zu ziehen und dem katholischen Lebensweg für ein paar Tage zu folgen. Ich wollte verstehen, wie sich diese Frauen dafür entscheiden konnten. 21 Schwestern leben im Kloster in verschiedenen Konventen, was so viel heißt wie Gemeinschaft. Zusammen mit fünf von ihnen verbringe ich meinen Aufenthalt im Mitlebekonvent „Marguerite Naseau“, benannt nach der ersten Vinzentinerin. Es sind die Geschichten der Schwestern Claudia*, Annemarie und Petra, die mich die klösterliche Einrichtung heute in einem anderen Licht sehen lassen.

Annemarie, die Robuste

Schwester Annemarie sitzt an einem verregneten Nachmittag in ihrer grauen Kutte am Kaffeetisch und trinkt Fenchel-Kümmel-Tee. Mit beiden Händen an der Tasse erzählt die 78-Jährige von früher. „Wenn Bombenalarm war, war meine Mutter nie so:“ – sie hebt die Arme, wedelt mit ihnen in der Luft und ruft mit heller Stimme – „‚ah, wir werden alle sterben!‘“ Ihre Hände kehren zurück zur Tasse und sie fährt mit ruhigerem Ton fort: „Sie packte uns nur und sagte: ‚so Kinder, wir müssen jetzt in den Keller.‘“ Ihre klaren blauen Augen blicken nach unten, sie sieht nicht mehr gut, hat eine unheilbare Augenkrankheit. Trotzdem geht sie jeden Tag am Hausempfang arbeiten, bereitet das Essen für die Schwestern vor oder backt, wie heute, als sie ein neues Rezept ausprobieren wollte. „Da steht ‚luftiger Teig‘“, sie zeigt auf ein Magazinausschnitt. „Jaja“, sie lacht ein helles, glucksiges Lachen und klopft kurz auf den steinharten Teigdeckel der Quarkrolle. Eigentlich fastet sie gerade, aber heute isst sie mit mir ein Stück Käsekuchen, den sie nun statt des misslungenen Gebäcks serviert. Annemarie ist eine zierliche Frau, sie geht mir gerade mal bis zur Brust. Zu zierlich, um damals, Ende der 1950er Jahre, eine Hauswirtschaftslehre antreten zu können, wie es sich ihr Vater gewünscht hatte. Stattdessen geht die damals 18-Jährige gegen den Willen ihres Vaters zu den Vinzentinerinnen, nachdem sie sich bereits in jungen Jahren „gerufen gefühlt“ hat. Sie macht eine Ausbildung zur Kindergärtnerin, leitet ab 1965 dreißig Jahre lang einen Kindergarten im hessischen Amöneburg. Drei Helferinnen stehen ihr zur Seite. „Das musst du dir mal vorstellen, 100 Kinder und ich war die einzige Ausgebildete.“ Wir sprechen über geschlechtergetrennte Spielzeuge. „Gibt es das denn?“, fragt sie. Ich erzähle ihr von Regalen gefüllt von pinken Puppen für Mädchen und Fahrzeuge zum Zusammenbauen für Jungs. „Unglaublich“, sagt sie mit großen Augen und schüttelt den Kopf.

Claudia, die Aufgeweckte

An Schwester Claudia ist die Genderdebatte nicht vorbeigegangen. Energisch spricht sie sich für gleiche Bezahlung aus und meint, dass Jesus niemals das patriarchale Denken von heute gelehrt hätte. „Geht man vom Biblischen aus, hat Jesu die Frauen aufgewertet!“ Es gäbe da diese neue Debatte über Claudia Magdalena als weitere Apostilin. Und im Galater Brief hieße es ja auch: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ Sie findet es gut, wenn Frauen für ihre Rechte kämpfen.

Aber ist es nicht eine gescheiterte Liebe, wenn man diese Person niemals trifft?

Schwester Claudia ist eine rundliche Frau mit Pausbäckchen und roten Wangen. Aus ihren langen grauen Kuttenärmeln lugt ein blaues Stoffbändchen mit der Aufschrift „God loves you“ hervor und wenn sie mich im Gottesdienst sieht, schnalzt sie kurz mit der Zunge und zwinkert mir zu. Ich begleite die 58-Jährige an diesem Mittwoch in die Geriatrie des St. Vinzenz Krankenhaus Fulda. Sie fährt mit dem Auto dorthin. Dann amüsiert sie mich mit Sätzen wie: „Da bin ich ja bald abgeschnallt, was der für Worte hatte!“ Sie meint damit Vinzenz von Paul, Glaubenspatron und Gründer der Barmherzigen Schwestern, von dem Claudia in ihrer Ausbildung zur Krankenschwester Anfang der 80er-Jahre zum ersten Mal hörte. Sie erzählt, wie sie früher oft in Niederbibor, ihrer Heimat, ein schönes Guinness getrunken, drei Jahre lang auch einen festen Freund hatte und die Idee vom Kloster nicht wirklich in ihren Gedanken schwebte. Doch mit dem Freund hatte es einfach „nicht so gefunkt“, ganz im Gegenteil zu Vinzenz, zu dem „eine heimliche Liebe wuchs“. 1983 tritt sie im Alter von 23 Jahren den Barmherzigen Schwestern bei. Sie macht die klösterliche Ausbildung, arbeitet für mehrere Jahre in Kassel und Erfurt als Krankenschwester, geht in Hünfeld in die häusliche Krankenpflege und macht nebenbei noch einen universitären Fernkurs in Theologie. 2006 zieht sie ins Mutterhaus Fulda, wird zwei Jahre später in den Schwesternrat gewählt und arbeitet seit 2010 wieder im Krankenhaus. Hier versucht sie einmal die Woche, die Gemüter der stationär aufgenommenen alternden Menschen anzuheben.

Mich fasziniert diese Geschichte. Dass man Gefühle für jemanden entwickeln kann, den man nicht kennt, leuchtet mir ein. Heutzutage verlieben sich viele über das Internet. Auch eine Schwärmerei allein auf den Charakter oder der Lebensweise basierend kann ich nachvollziehen. Aber ist es nicht eine gescheiterte Liebe, wenn man diese Person niemals trifft? „Glaube ist auch eine Wechselbeziehung“, sagt Schwester Claudia. „Ohne die Gemeinschaft könnte ich die Treue nicht durchziehen.“ Der Orden sei ja auch sehr offen, unheimlich lebendig. „Wenn ich mir überlege, mit wie vielen Menschen ich zusammenkomme. Das ist auch eine Art von Liebesbeziehung.“

Schwester Claudia und ich sind am Krankenhaus angekommen. Sie steckt sich ein weißes Namensschildchen mit einem kleinen roten Klebeherz an die Brust. Als sie die Station betritt, begrüßen sie die Kollegen mit Kusshand, Patienten nimmt sie sanft in ihren Arm. Sie schütten ihr das Herz aus, nicht selten kommt es vor, dass jemand weint. Schwester Claudia behält dann ihre ewig gute Laune und rät einer Dame mit weißen lichten Locken, die unter Tränen berichtet, wie sie vom anhaltenden Pech den Glauben an Gott verliere: „Sag ihm das! Zeig ihm deinen Frust, das ist wichtig!“ Nachmittags holt sie eine ihrer vier Gitarren und bringt einen ganzen Block an Liedern, mit denen sie zum Singkreis einlädt. Eine der älteren Frauen meckert zu Beginn mit zugezogenen Stirnfalten über die Einfältigkeit dieser Spontanität. Am Ende sitzt sie aber fröhlich am Tisch und singt laut „Im Frühtau zu Berge wir zieh’n, fallera“ mit.

„Es geht nie um mich, sondern immer um die anderen“, sagt Schwester Claudia am Freitagabend nach der Tagesschau und spricht damit die Leitlinien der Glaubenspatronen Vinzenz von Paul und Luise de Marillac aus. Vinzenz wird als Begründer der Caritas bezeichnet, 1633 baut er die erste klösterliche Gemeinschaft auf, die sich außerhalb von Klostermauern bewegt. Dabei stets an seiner Seite: Luise von Marillac, eine Adlige, die sich nach dem Tod ihres Mannes gänzlich den Armen widmet und die ersten Barmherzigen Schwestern ausbildet. Übrigens gibt es einen Unterschied zwischen Nonnen und Schwestern: Nonnen sind die Bewohnerinnen eines geschlossenen Klosters, also einem, in dem sich der Alltag ausschließlich innerhalb dessen Mauern abspielt.

Das Wohnzimmer des Ausbildungskonvents ist mit schlichten Regalen möbliert, auf den Holzstreben an der gläsernen Eingangstür stehen kleine Schwesternfiguren und Glöckchen nach Größe aufgereiht. Über dem Sofa hängen die berühmten Hände von Michelangelos Ausschnitt des „die Erschaffung Adams“, gegenüber hängt ein hölzernes Jesu-Kreuz über dem Flachbildfernseher. Mein innerliches Unwohlsein aussprechend, merke ich an, dass ich die Lebensweise der Schwestern wirklich schön finde, aber einfach nicht begreife, wieso Gott und Jesus darin eine Rolle spielen müssen. „Wir sehen das als Berufung, als Aufgabe, die uns von Gott auf der Welt gegeben wurde, bevor wir nach unserem Tod in die eigentliche Welt, zu ihm, gelangen. Wie eine Art Auftrag, der uns gegeben ist“, erklärt Schwester Petra mit ihrer ruhigen, tiefen Stimme. Schwester Claudia fügt hinzu: „Gott können wir nicht sehen, da fallen wir sofort um. Deshalb schickte er Jesu, den Barmherzigen.“ Ich bin nicht wirklich zufrieden. Wieso schickte er denn keine Frau? „Das weiß ich auch nicht“, Schwester Petra überlegt. „Die Frage kam mir nie, ich wuchs so mit der Geschichte auf.“ Aber sie würden ja auch insbesondere zur heiligen Claudia und anderen heiligen Frauen beten.

Petra, die Zielstrebige

Schwester Petra ist 67 Jahre alt, hat leicht eingefallene Wangen. Sie trägt eine rechteckige, bordeaux-rote Brille, durch das sie mich mit einem durchdringenden Blick anschaut. Wenn sie läuft, ist ihr Rücken leicht vorgebeugt und wenn sie redet, klingt es, als habe sie jedes Wort gründlich bedacht. Schwester Petra ist die Generaloberin des Mutterhauses Fulda, was so viel heißt, dass sie die Chefin von allem ist. Ihr zur Seite stehen vier Schwestern in der Ordensleitung, die alle sechs Jahre gewählt wird. Das Mutterhaus ist die Zentralverwaltung von einer Reihe an Organisationen wie Altenpflege, Krankenhäuser, Kindertagesstätten, Kur- und Erholungsheimen und Hospizen in Hessen und Thüringen. Ein Verwaltungsgebiet, das sie im kirchlichen Bereich die Diözese Fulda nennen. 2014 übernahm Schwester Petra den Vorsitz des Mutterhauses, zuvor leitete sie fast 30 Jahre das Akademische Lehrkrankenhaus St. Johann Nepomuk in Erfurt. Dass sie es bis dorthin schaffte, hat sie ihrer Hartnäckigkeit und vor allem ihrem Glauben zu verdanken.

Schwester Petra ist 1951 in Wiesenfeld geboren, einer Grenzstadt der DDR. Als Kind katholischer Eltern stieß sie oft auf Ablehnung innerhalb der kommunistischen Verhältnisse. In der sozialistischen Regierung konnten Christen selten das Abitur ablegen, auch kein Studium aufnehmen. So ergeht es auch der jungen Schülerin Petra, die zunächst noch von einer Zukunft als Russisch- und Biologielehrerin träumt. Sie beginnt, in den Sommerferien Geld in einer vinzentinischen Klinik dazuzuverdienen, geht in Tanzstunden, ist eineinhalb Jahre mit ihrem Tanzpartner liiert. Schon da spürt sie aber, dass es noch etwas anderes für sie gibt. Sie arbeitet mehrere Sommer in dem Krankenhaus, ihr gefällt die Arbeit mit den dort arbeitenden Ordensschwestern. 1968 meldet sie sich schließlich heimlich bei den Vinzentinerinnen an. „Ich habe es nicht einmal meinen Eltern gesagt. Das war ja hoch riskant.“ Was sie damals nicht wusste: Die Aufnahme im Kloster wird ihre berufliche Zukunft sichern. „Schwestern waren gern gesehen, da sie Arbeit in Sozialen Bereichen verrichteten.“ Sie macht eine Ausbildung als Krankenschwester und ergänzt ein Fernstudium in Medizinpädagogik. Danach wird sie für ein Diplomstudium in Berlin angenommen und übernimmt anschließend die Leitung des Lehrkrankenhauses in Erfurt. Bis sie 2010 in den Generalrat gewählt wird und dafür nach Fulda umzieht. „Ich bin eine von nur drei Personen aus meiner damaligen Klasse, die Abitur gemacht hat. Das war aufgrund meiner christlichen Überzeugung damals nicht selbstverständlich“, sagt sie heute, ein leichter Anflug von Stolz in der Stimme.

Sie kämpfen sich durch, engagieren sich für andere, folgen ihrem Willen und stehen dahinter.

Ich merke, wie mich auch Schwester Petras Geschichte ziemlich beeindruckt. Sie ließ sich nicht von ihrem Weg abbringen, hat das gemacht, was sie für richtig hielt und damit eine steile Karriere hingelegt. Als Schwester wurde sie anerkannt, gefördert. Konnte sich beweisen. Allerdings erinnert mich das wiederum an ein Elite-System. Auch wieder nicht so toll.

Und was ist mit Sex?

An meinem letzten Abend mit den Schwestern brennt mir eine Frage immer noch auf der Zunge. Warum, frage ich, sind die Konvente geschlechtergetrennt? „Die damaligen Begründer haben die jeweiligen Geschlechter um sich geschart“, antwortet Schwester Claudia. Das waren einfach noch andere Verhältnisse. Und heute sei das sicher auch aufgrund des Gelübdes zur Ehelosigkeit. Quasi eine Vorbeugung also. Schwester Petra muss lachen und klatscht Claudia eine Hand auf die Schenkel. „Da ist mal was Verrücktes passiert.“ Im Krankenhaus sei eines Tages eine Schülerin auf sie zugekommen und richtete ihr Grüße von ihrem ehemaligen Tanzpartner aus. „Das war schon ein bisschen lustig.“ Ich bin neugierig. Vermissen die Schwestern Sexualität denn gar nicht? „Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es auch Zeiten in jüngeren Jahren gab, in denen ich mich nach Partnerschaft gesehnt habe“, sagt Schwester Petra lächelnd. Wehmut habe es ebenso gegeben wie Stunden des Hinterfragens. Aber Sexualität sei für sie auch gelebte Beziehung. „Wir sind alle sexuelle Wesen. Sexualität hat für mich etwas mit Beziehungsfähigkeit zu tun, und das ist auch für unser Leben wichtig.“ Empathie, Sympathie, das Füreinander da sein zum Beispiel.

Was ist mit homosexuellen Gläubigen? „Vor meiner Zeit gab es eine Schwester, die sich in eine Mitarbeiterin verliebt hat“, erzählt Schwester Claudia. Sie sei dann ausgetreten und mit der Mitarbeiterin weit weggezogen. „Das gab wohl Aufregung im Konvent.“ Aber die Aufnahme in einem Kloster sei nicht umsonst ein langer Prozess, damit jede die Möglichkeit habe, sich ganz darauf einlassen zu können. Oder eben nicht. Da sieht Schwester Petra auch für Homosexuelle seitens der Gemeinde jedenfalls kein Problem.

Von Gott halte ich immer noch nicht viel. Auch fünf Tage in einem Kloster haben meine Ansicht zum Glauben nicht geändert. Doch vom Leben der Barmherzigen Schwestern bin ich nicht nur fasziniert, sondern auch sehr beeindruckt. Diese Frauen verkörpern die Ideologie des Feminismus in vielerlei Hinsicht. Sie folgen ihrem Willen, kämpfen sich durch, engagieren sich für andere, machen, was sie für richtig halten und stehen dahinter. Von der Positivität, die sie den ganzen Tag verbreiten und der unvergleichlichen Freude, die sie für die noch so kleinen Dinge auf der Welt aufzubringen vermögen, kann ich lernen. „Du bist eine von uns“, sagten mir die Schwestern am Freitagabend und erschreckenderweise fühlte sich das erstaunlich gut an.

 

*Namen auf persönlichen Wunsch geändert

Text von Leonie Ruhland, 28, schreibt total gern und organisiert Veranstaltungen, um Menschen und Feminismus zusammenzubringen.

Fotos von Julia Bengeser, Fotografin aus Frankfurt a. M., dankbar für die Begegnung mit den Schwestern, @juliabengeserfotografie

Teaserbild: Paula Hohlfeld

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Kommentare

Ein Kommentar
  • Schöner Artikel. Du hast dir selbst ein Bild gemacht und es nicht bei den Vorurteilen belassen.
    Finde es cool, dass du dich darauf eingelassen hast!

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