Meinung

„Wie kommt man nur auf so eine entwürdigende Idee?“

Schon gehört? Es gibt bald eine App, mit der ihr Menschen bewerten könnt. Ja, richtig gehört: bewerten. Und zwar genau so, wie es bei Produkten oder Hotels auch gemacht wird.
Für SPIESSER-Praktikant Daniel eine absolute Horrorvorstellung!

12. Oktober 2015 - 13:36
SPIESSER-Autor Minkho.
Noch keine Bewertungen
Minkho Offline
Beigetreten: 06.11.2012

Mobbing und Hetze könnten ein neues Ausmaß erreichen, sollte es jedem möglich sein,
Menschen auf Onlineportalen wie Produkte zu bewerten. Die neue App „Peeple“ schafft nun leider genau dafür die Grundlage und löste im Netz – zum Glück – schon jetzt einen regelrechten Shitstorm aus. Wenn man den Infos, die es bisher gibt, glauben kann, reicht wohl schon eine Anmeldung per Facebook aus, damit die Bewertungen in die weite Welt der sozialen Netzwerke getragen werden kann. Und das übrigens ohne Erlaubnis der jeweiligen Person! Diese würde dann lediglich über eine SMS von der Bewertung erfahren. Daran ändern könnte sie jedoch nichts. Ganz ehrlich, geht’s noch!? „Peeple“ schafft damit einen digitalen Pranger, an den jeder Einzelne gestellt werden kann.

Die Erfinderin dieser App, Julia Cordray, lässt sich jedoch von diesem Sturm der Entrüstung nicht beeindrucken und ist der Ansicht, dass auch negative Sachen bedeutsam seien, um eine Person besser einschätzen zu können. Die nächste Bekanntschaft mit einer x-beliebigen Person könnte dann von vornherein vermieden werden.

Der Mensch wird zum Objekt

In meinen Auge eine völlig abstruse Vorstellung, nicht mehr aus dem Haus gehen zu müssen, um an Gesprächen in einer großen Runde teilzunehmen. Denn durch „Peeple“ könnte ich von Anfang an gesagt bekommen, dass eine beliebige Person hinterhältig sei und mich somit einer Konversation entziehen. Aber mal ehrlich: In was für einer Welt würden wir denn leben, wenn wir jedem Menschen einen Stempel aufdrücken könnten, bevor wir ihn kennengelernt haben? Keine Persönlichkeit lässt sich durch so eine schnöde Bewertung verallgemeinern. Ich begegne einem Menschen mit so vielen verschiedenen Facetten und ich habe selber einzuschätzen, wie viel Aufmerksamkeit ich dieser Person schenke und wie ich sie bewerte – und zwar ganz für mich allein. Keine App der Welt wird mir diese Verantwortung nehmen können.

Ich frage mich, wie man hinter so einer entwürdigenden Idee stehen kann. Denn Mobbing und Hetze haben durch soziale Netzwerke ganz neue Dimensionen angenommen. Und nicht selten zogen diese Demütigungen tragische Folgen im echten Leben nach sich: ein verlorenes Selbstbewusstsein, Depressionen oder sogar tragische Selbstmorde. Dass dieser öffentlichen Bloßstellungen Einhalt geboten werden muss, ist eine Selbstverständlichkeit. Und vor diesem Hintergrund will die Kanadierin nun eine App veröffentlichen, die genau diese Selbstverständlichkeit in Frage stellt.

Eine abartige Steilvorlage

„Peeple“ wird nicht als Informationsplattform dienen. Da sich die bewerteten Personen dieser Beurteilung nicht entziehen können, sind sie ein leicht gefundenes Fressen für jeden Idioten, der meint, er müsse andere Menschen mit Beleidigungen entblößen. Es ist mehr als nur moralisch und ethisch fragwürdig, ob diese App zum Download freigegeben werden sollte.

An dieser Stelle aber ein Hoch auf unsere Gesetze! Denn in dieser Form verstößt „Peeple“ aktuell gegen deutsches Datenschutzrecht und würde zumindest bei uns nicht veröffentlicht werden können. Atmen wir also auf und nehmen es weiterhin selbst in die Hand, eine Person durch unsere eigenen Augen und mit gesundem Menschenverstand kennenzulernen, bevor wir sie in ein Raster stecken.

Text: Daniel Korenev
Fotos: Flickr-User Thomas8047, flickr.com, (CC BY 2.0), bearbeitet

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Kommentare

Ein Kommentar
  • Ich hatte vorher davon nicht gehört.. Das klingt echt grausam.. immer wieder diese Bewertungen im Internet.. Gut oder schlecht? Daumen hoch oder runter? Favorisieren oder nicht? Da kann man doch schon den Schlussstrich ziehen, aber bei Menschen, sogar, die einem fremd sind, hört es echt auf! Aber das Kommentar der Gründerin lässt ja auch auf ihre Intelligenz schließen.. Hoffen wir, dass sie damit nicht durchkommt, nicht in Deutschland, nicht auf dieser Welt.

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