Wie spießig ist das denn?

Wie Treppensteigen,
nur anders

Die einen spielen Fußball, die anderen gehen joggen. Und dann gibt es noch so eigenartige Leute, die nach der Arbeit, Uni oder Schule lieber zum Step Aerobic gehen. Spießig oder vielleicht sogar die neue Trendsportart? Es wird Zeit für einen Test! SPIESSER-Praktikantin Victoria hat ihn für euch gewagt und alles gegeben.

13. Juli 2016 - 14:57
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Beigetreten: 03.02.2016

Dienstag, kurz vor 19.00 Uhr. In der SPIESSER-Redaktion ist schon lange Feierabend. Trotzdem begebe ich mich noch zum Fitnessstudio „Women's Sports“, um am Kurs Step Aerobic teilzunehmen. Zugegeben, es ist nicht meine erste Begegnung mit dieser Sportart. Schon in der Schule haben wir Step Aerobic im Sportunterricht behandelt. Das ist aber auch schon einige Jahre her.


Trainerin Lisa gibt den Takt vor. Foto: Victoria Lê

Als ich den Kursraum betrete, bin ich überrascht. Die Meisten Teilnehmer sind schätzungsweise zwischen 18 und 30 Jahre alt. Anscheinend ist Step Aerobic doch keine so spießige Sportart wie ich dachte.

Bevor es richtig losgeht, gibt uns Trainerin Lisa noch ein paar Hinweise, was wir beim Kurs beachten sollten. Glücklicherweise bin ich nämlich nicht der einzige Neuankömmling. Vor mir steht das sogenannte Steppbrett, auf dem so gut wie alle Schritte während des Fitnessprogramms durchgeführt werden. „Es ist wichtig, dass ihr immer mit der ganzen Schuhsohle auf das Brett tretet. Ihr wollt ja ungern ausrutschen und auf dem Nachbarbrett landen“, erklärt uns Lisa. Mal schauen, ob ich diesen Rat auch in die Tat umsetzen kann.

Die Erwärmung

Nun kann es aber auch schon losgehen. Die Musik wird aufgedreht und als erstes erwärmen wir uns mit ein paar „Basic“-Steps. Das ist im Grunde nichts anderes, als mit jedem Fuß einzeln auf das Brett auf- und dann wieder abzusteigen. Rauf, rauf, runter, runter – und das immer im Rhythmus zur Musik. Fühlt sich wie Treppensteigen an – mit dem einzigen Unterschied, dass man auf der Stelle bleibt. Zu diesen Basics kommen noch weitere Schritte hinzu. Hey, das ist gar nicht mal so schwierig, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich bin zwar schon richtig am Schwitzen, aber mit der Musik fallen mir die Bewegungen richtig leicht.


Victoria gibt ihr Bestes auf dem altbe-
kannten Fitnessgerät. Foto: Victoria Lê

Ziel des ganzen Kurses ist es eine Choreographie zu erlernen, die sich Lisa für uns ausgedacht hat. Die besteht aber nicht nur aus den einfachen Schritten, die ich aus der Erwärmung kenne. Es kommen noch weitere dazu, wie zum Beispiel der Mambo, der Jumping Jack oder der sogenannte V-Step. Die Namen verraten schon, dass die Schritte um einiges komplexer sind als zu Anfang. Da ich viele dieser Schritte noch aus besagtem Sportunterricht kenne, stellen sie für mich nicht die ganz große Herausforderung dar. Ich kann aber aus dem Augenwinkel beobachten, dass andere Teilnehmer, die heute das erste Mal Step Aerobic machen, angesichts der vielen Schritte regelrecht zu verzweifeln scheinen.

Step-Up, Step-Down, Mambo und Turn

So, jetzt noch ein Kick und dann ein Jumping Jack und ... Moment – kam nicht zuerst der Mambo? Oder doch der Turn? Ich merke schnell, dass Step Aerobic nicht nur was für den Körper ist, sondern auch für den Kopf! Sich alle Schritte zu merken und dabei noch im Takt zu bleiben, erfordert eine Menge Konzentration und Körpergefühl. Lisa ruft zwar zwischendurch auch mal die Schritte. Aber bis mein Gehirn realisiert hat, welcher Schritt sich nochmal hinter welchem Namen verbirgt, sind die anderen schon bei der nächsten Bewegung.

Schließlich kann ich die Schrittfolge doch noch halbwegs gut umsetzen, sodass wir kurz vor Kursschluss die komplette Choreografie noch einmal tanzen. Jetzt noch ein kurzes Stretching und wir sind am Ende des Kurses angelangt. Das ging aber schnell!

Hallo, Muskelkater!

Insgesamt hat mir der Step-Aerobic-Kurs richtig viel Spaß gemacht. Zwar habe ich wie verrückt geschwitzt, aber während des Kurses merkt man das gar nicht so sehr. Aber eins muss ich sagen: Für Gymnastik-Anfänger ist Step Aerobic nicht unbedingt geeignet. Das bestätigt mir auch Trainerin Lisa im Anschluss an den Kurs. Sich die Schrittfolgen einzuprägen, im Takt zu bleiben und gleichzeitig nicht auf dem Steppbrett auszurutschen – dafür braucht man schon Übung. Da ist es besser, erst einmal mit ganz „normaler“ Aerobic anzufangen.

Im Übrigen weiß ich jetzt auch, warum so viele junge Leute beim Kurs waren: Denn wie ich am nächsten Tag feststellen durfte, geht Step Aerobic nicht nur auf die Beine, sondern überraschenderweise auch auf den Allerwertesten. Wer also einen Knack-Po für den Sommer braucht, dem kann ich Step Aerobic nur wärmstens empfehlen.

Text: Victoria Lê
Teaser-Bild: "Steps at Riverside Museum" von Ian Dick, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0), Bild beschnitten

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