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„Wolf Road“

Ein Mädchen, das sich ihrem Ziehvater und Menschenmörder stellen muss – Beth Lewis’ „Wolf Road“ ist ein Into-the-wild-Roman der etwas anderen Sorte und nichts für schwache Gemüter. Zum Glück war unsere SPIESSER-Autorin Mary tough genug für den Thriller und schildert euch ihre Eindrücke.

23. August 2017 - 09:34
SPIESSER-Autorin Mary F..
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Mary F. Offline
Beigetreten: 13.10.2014

Worum geht's?

Elka wächst bei ihrer Großmutter Nana im Wald auf. Ihre Eltern haben sich davon gemacht, sagt ihre Großmutter. Elka ist jedoch überzeugt davon, dass sie sich aufgemacht haben, um sich im Norden den Goldsuchern anzuschließen und dann ihre Tochter abholen werden. Bevor es jedoch dazu kommen kann, wird ihre jetzige Bleibe vom Sturm zerstört und ihre Großmutter ist wie vom Erdboden verschluckt. So macht sich das Kind alleine auf in die Wildnis und wird zu ihrem Glück (beziehungsweise großem Unglück) von einem Trapper (einem Pelzjäger) aufgelesen.

Die nächsten Jahre lebt sie bei dem stillen und unheimlichen Mann, dessen geheime Jagdzüge sie immer wieder misstrauisch werden lassen. Als sich dann herausstellt, dass der Mann ein gesuchter Menschenmörder ist, macht sich Elka erneut auf die Reise, diesmal aber um einiges älter, erfahrener und mit Kenntnissen der Wildnis. Diese Kenntnisse retten später nicht nur ihr, sondern auch einer Weggefährtin mehrmals das Leben. Doch nicht nur der Trapper wird gesucht, Elka wird verfolgt. Und so entwickelt sich eine Jagd, bei der Elka sowohl die Rolle der Gejagten als auch der Jagenden einnehmen muss.

Wer steckt dahinter?

Beth Lewis lebt in London und schreibt an ihrem zweiten Thriller, wenn sie nicht gerade als leitende Redakteurin in der Abteilung für illustrierte Bücher bei Titan Books arbeitet. Sie beschreibt sich selbst als Buchliebhaberin, Form und Genre spielen bei ihr keine Rolle, auch wenn sie selbst eher düstere Geschichten verfasst. „Wolf Road“ war ihr erstes Werk und ist 2016 erschienen. Da sie beruflich auch Filme lizensiert, wundert es einen nicht, dass „Wolf Road“ vom Spannungsaufbau her durchaus an einen Thriller mit amerikanisch-epischem Hollywoodflair erinnert.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Mit etwas über 400 Seiten würde ich „Wolf Road“ als durchschnittlichen Schinken bezeichnen, da man aber direkt in die Geschichte reingeworfen wird, wirken die 415 Seiten eher wie flotte 200. Die Kapitel sind oft kurz gehalten, sodass die zwischendurch auch etwas langatmigeren Passagen dem Gesamttempo des Buches nichts anhaben.

Wolf Road

Autor: Beth Lewis
Verlag: Arctis Verlag
Veröffentlichung: August 2017
Seitenzahl: 415

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Geht alles! Legt man das Buch beiseite, ist man beim nächsten Mal aufschlagen sofort wieder mitten im Geschehen um die Heldin Elka. Einzig sollte man sich überlegen, ob man den Thriller vor dem Einschlafen lesen sollte, insbesondere wenn man sich gerade selber in eher wildem Umland befindet.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

„Wolf Road“ besticht mit einer von Anfang an sehr packenden Geschichte, die durch das Setting im Amerika des vermutlich 19. Jahrhunderts oft an eine Art Saga erinnert. Da jedoch manche Passagen geschichtlich eher oberflächlich recherchiert scheinen und manche Schicksalswendungen auch etwas kitschig beziehungsweise gewollt wirken, vergebe ich eine 6.

Wem borgt man es als erstes?

Am besten einem oder einer Bekannten, die ihr Buch vergessen hat und eine lange Zugfahrt vor sich hat. Auch ein Westernliebhaber würde sich an „Wolf Road“ sicher erfreuen. Ansonsten kann man das Buch auch gut jemandem geben, der sich noch nicht so richtig an die „harten“ Krimis traut und erst einmal einen Zehen ins kalte Wasser dieses Genres tauchen möchte.

Lieblingszitat:

„Kreagar war mein Dämon und ich sein Engel, und er wartete nur darauf, dass ich fiel.“ (S. 205)
und
„Dies ist eine Welt voller Schmerzen, Scheiße, Blut und Kugeln. Dies ist eine Welt, in der ein starker Arm mehr wert ist, als ein starker Verstand“. (S. 392)

In drei Worten:

Rau, roh, rotzig.

 

Text+Teaserbild: Mary Lilith Fischer

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