SPIESSER unterwegs

Wollige Angelegenheit

Auslandsbloggerin Julia übt schon mal: Vor ihrer großen Reise nach Neuseeland schert sie Schafe – oder versucht es zumindest. Ring frei für „Fell mähen gegen mäh“.

15. Juni 2012 - 11:08
von SPIESSER-Autorin hallejulia.
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hallejulia Offline
Beigetreten: 27.05.2012

Ausreiserin Julia erkundet ab Juli in Work-and-Travel-Manier Neuseeland.

Ich halte das flauschige Schaf vor mir mit einer Hand fest, und beuge mich mit der schweren Schermaschine in der anderen zu ihm herab. Panik breitet sich in mir aus: Wo hört die Wolle auf, wo fängt die Haut des Schäfchens an? Unsicher setze ich den Rasierer an und taste mich in dem Meer aus filziger Wolle vorwärts. Es ist offensichtlich: Vom Schafe scheren habe ich keine Ahnung. Aber ich mache das Ganze ja auch nicht ohne Grund.

Hobbit-Land

Wie Frodo durchs Land ziehen nur nicht barfuß.
Foto: Allie Caulfield/flickr

Die Vorgeschichte: Mein Jahr Neuseeland beginnt in wenigen Wochen und ich versuche mich irgendwie darauf vorzubereiten. Auf eine Erfahrung, auf die man sich wahrscheinlich gar nicht vorbereiten kann: Work-and-Travel in der berühmten „Der Herr der Ringe“ - Kulisse.  Wie Frodo und seine Hobbitfreunde werde ich ab nächstem Monat durch die grüne Landschaft ziehen – nicht etwa auf der Suche nach Mordor, sondern nach einem Job. Ein Jahr Herumreisen muss schließlich auch finanziert werden.

In meinem Reiseführer erfuhr ich, dass in Neuseeland, neben der Kiwi- (die Frucht, nicht der Vogel) und Apfelernte, die Schafzucht einen rentablen Wirtschaftszweig bildet. Schafe scheren steht deshalb ganz oben auf der Job-Liste für Backpacker. Als ich das las, machte es sofort „Klick“ bei mir. Schafe..., Wolle..., mäh? Ich habe doch einen Bekannten, der eine ganze Schafshorde besitzt. Und die Tiere müssten eigentlich auch bald wieder geschoren werden...

Schafe-Einfangen für Anfänger
Ihr habt auch Spannendes aus dem Ausland zu berichten? Dann schreibt doch für SPIESSER.de. Die Infos gibts bei Redakteurin Milena.

Jetzt stehe ich vor siebzehn wolligen „hornlosen weißen Moorschnucken“. Diese Schafrasse hat besonders langes und filziges Fell – das weckt sofort meine Zuneigung zu diesen drolligen Tieren. Der Schäfer hat hingegen wenig für Sentimentalitäten übrig: Er und der Scherer bauen lieber die kompliziert aussehende Schur-Ausrüstung im Stall auf. Da müssen Kabel eingesteckt, ein schwerer Rasierapparat ausgepackt und alles zusammengebaut werden.


Hornlose (und haarlose) weiße Moorschnucken

Etwas eingeschüchtert durch die Gerätschaften und die Unruhe der Schäfchen, halte ich erst einmal Sicherheitsabstand. Währenddessen versuchen die beiden Männer, den ersten frisier-bedürftigen Kandidaten zu fangen – erfolglos. Das Tier weiß wohl um die „gute Absicht“ der beiden. Also muss ich ran. Mit beiden Armen weit ausgestreckt gehe ich etwas unsicher neben dem Schäfer her und umkreise die Schafhorde, die sich dicht in eine Ecke drängt. Mein Bekannter greift schließlich beherzt zu und bringt eines seiner haarigen Tiere zum Scherer. Nach einem anfänglichen Fluchtversuch hält das Schaf tatsächlich ganz still, fast als würde es genießen, dass die dicke, filzige Wolle endlich abkommt. Keine fünf Minuten später ist die Schur schon wieder vorbei – viel länger dauert ein Kurzhaarschnitt bei Schafen normalerweise nicht. Doch jetzt komme ich als Schermeisterin an die Reihe.

Mission „Entwollung“ beginnt

Du kommst mir nicht ungeschoren davon!

Was schon anstrengend aussah, stellt sich auch in der Praxis als äußerst schwierig heraus: Ich sehe nur noch Wolle. Doch mithilfe des Scherers „entwolle“ ich ganz vorsichtig und langsam den Rücken meines Kandidaten und – keine Angst – schaffe das, ohne Wunden in der Haut meines mähenden Freundes zu hinterlassen.

Fazit: Die Schafschur an sich ist keine leichte Sache und deshalb nichts für ungeübte Backpacker. Da kommt als Job eher das Wegräumen der Wolle oder das Säubern der Ausrüstung in Frage. Der Nachmittag im Stall hat mir dennoch das Gefühl gegeben, meinem Auslandsjahr wieder ein Stückchen näher gekommen zu sein.

 

 

Text: Julia Klaus, Teaserfoto: Arndt Hoppe/flickr.com

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Kommentare

Vier Kommentare
  • Hey Ihrs!
    Wollig war es, anschließend hat man auch ziemlich danach gerochen. Ist aber schwierig, es "einfach mal so" auszuprobieren. Dabei ist die Gefahr zu groß, die Haut des Schäfchens zu erwischen. Wenn ihr es dennoch mal ausprobiert habt, mailt mir doch, dann können wir mal fachsimpeln ;)
    Ihr werdet noch von mir lesen, vom wundervollen Neuseeland!

  • Ich liebe Schafe! Ich will auch nach Neuseeland! & VERDAMMT ICH WILL AUCH NACH NEUSEELAND!!

  • Ich liebe Neuseeland, nur komme ich nicht dazu es auch mal zu besuchen.:-(

  • ...aber jetzt würde ich auch gern mal ein Schaf scheren. Scheint mir eine der Tätigkeiten zu sein, bei der man im Nachhinein sehr schön sieht, was man gemacht hat (ähnlich wie vergilbte Wände weiß zu streichen o.ä.), und das fetzt ja immer ziemlich.

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