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Yolo oder Öko?

In Umfragen geben die meisten Menschen an, dass sie nachhaltiges Handeln als wichtig empfinden. In der Realität sind das aber gar nicht mehr viele, die sich tatsächlich einem wirklich nachhaltigen Leben verschrieben haben. Und dann gibt es da noch die Hipster-Ökos.

03. August 2014 - 09:49
SPIESSER-Autorin heartbook.
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heartbook Offline
Beigetreten: 13.07.2012

Dieser Beitrag entstand
in Zusammenarbeit mit RWE.

Es ist ein Paradoxon: Sie sind nachhaltig orientiert, plädieren auf tauschen statt kaufen, recyceln statt wegwerfen. Doch ihr stylisches Aussehen ist ihnen am Ende trotzdem wichtiger als ihr grüner Fußabdruck.

Ich kauf Bio!

Bei den Klamotten wird die „Eco Cotton-Collection“ gekauft, die ja durch ihren umweltfreundlichen Status einen Großeinkauf geradezu legitimiert. Die Jutetasche ist natürlich aus Biobaumwolle und die Smartphone-Hülle aus einer recycelten LKW-Plane. Beim Stadtbummel wird dabei auch gleich ein Fair-Trade-Kaffee beim Großkonzern in recyclebaren Bechern getrunken.


Genosse Hipster geht gerne Shoppen, wo
ist egal, hauptsache auf den Produkten
stehen die Worte "bio" oder "fair"
geschrieben. Foto: Christopher Michel,
flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0)

Auf den ersten Blick vielleicht eine gute Tat, im Grunde hat Kollege Hipster aber nur Geld in einer insgesamt nicht sehr nachhaltigen Ladenkette verschwendet. Und überhaupt: Produkte auf denen „handmade“ und „natürlich“ draufstehen, müssen doch gut sein, oder?! Dass diese „Qualitätssiegel“ oft kaum etwas über die nachhaltige Herstellung eines Produkts aussagen, interessiert da weniger.

So ist es beispielsweise auch bei so einigen  populären Kosmetikherstellern. Es wird viel mit „liebevolle Handarbeit“ oder „natürlichen Inhaltsstoffen“ geworben. Beim Blick auf die Inhaltsstoffe erkennt man aber schnell, dass vieles nur Greenwashing ist, da sich auch oft Chemiekeulen darunter verstecken Trotzdem werden gerne Produkte gekauft, die einem durch Werbung und Design eine nachhaltige Herstellung vorgaukeln. Hachja und man fühlt sich ja gleich viel schöner mit den Wirkstoffen der „Natur“!

Lohas 2.0

Ich habe den Eindruck, dass die Öko-Hipster nur eine neue Bewegung nach den „LOHAS“ sind. Bei denen hat man aber zumindest den Eindruck, dass sie sich auch den schwierigeren Themen der Nachhaltigkeit widmen. Lohas ist ein „Lifestyle of Health and Sustainability“ – also Leute, die viel Wert auf gesunde und nachhaltige Produkte legen. Das an sich ist ja schön und gut, aber Prestigegüter und Konsum bleiben dem Hipster trotzdem total wichtig. Und das ist das Problem.

Wirklich nachhaltig handeln

Es bleibt dabei: Nicht ständig Neues nachzukaufen, ist eben doch die nachhaltigste Methode. Öko-Hipster sind meistens auch eher privilegierte junge Menschen, die sich einen teuren Lifestyle, der im Moment in unserer Gesellschaft sehr angesehen ist, leisten können. Da wird eben dann nachhaltiges Handeln schnell zum Trend.  Da frage ich mich doch: Ist nicht eigentlich der Hartz-IV Empfänger der viel bessere Öko?! Einfach, weil er sich zweimal überlegt, ob er etwas kaufen MUSS?

Eins steht doch mal fest: Aktuell ist ein nachhaltiges Image ein Musthave, wenn man sich als intelligenter Weltbürger präsentieren möchte. Im zehn Jahre alten und total ausgebleichten Baumwoll-Outfit will trotzdem keiner rumlaufen.


Ökologisch denken ist in, doch kaum einer handelt
auch wirklich nachhaltig. Foto: Fabian E.,
jugendfotos.de, CC-Lizenz (CC BY 3.0)

Vielleicht kaufen die Hipster-Ökos ja sogar regionale Lebensmittel ein, fliegen dann aber im Sommer doch weit weit weg in den Urlaub. Und dieses inkonsequente Handeln nervt mich. Denn Nachhaltigkeit geht bei denen doch nur bis zum Rande der eigenen Comfort Zone.

Trend oder ernst gemeint?

Teilweise ist es echt schwierig zu erkennen, wem nachhaltiges Handeln wichtig ist und wer nur so tut. Wer nicht nur auf "fair" und "bio" achtet, um seine Individualität zu bekräftigen, wird schnell als „Über-Öko“ abgestempelt, der das ganze viel zu ernst nimmt und übertreibt.

Ich finde, solange man niemandem seine Lebensweise aufdrückt oder Vorträge mit erhobenem Zeigefinger führt, darf man ruhig seine Öko-Seite rauskehren. Aber bitte authentisch und nicht nur wegen eines Trends!

Text: Verena Tribensky
Teaser-Foto: Steven Depolo, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY 2.0)

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Kommentare

Zwei Kommentare
  • stimm ich dir zu, waren ja auch nicht wirklich auf suffizienz und genügsamkeit fixiert.

  • Sind/Waren LOHAS nicht auch als Öko-Hipster verschrieen, die sich ihren "guten" Lebensstil einfach leisten (können)? Die Hauptsache ist ja, ob am Ende was Gutes bei raus kommt.

    Und das Nachhaltigkeit Spaß machen kann, versuche ich auch bei http://www.holk.tv zu zeigen. Auch wenn ich schon länger nichts mehr gemacht habe, liegt mir das noch am Herzen.

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