Kinofeeling

Zwischen den Stühlen

Drei ambitionierte Lehramtsstudenten, drei verschiedene Charaktere im Referendariat. Drei Geschichten vom Lehrerwerden und den Hürden des Alltags in deutschen Schulen.

23. Mai 2017 - 14:25
SPIESSER-Autorin cucumber.
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cucumber Offline
Beigetreten: 17.11.2016

Worum geht's?

In der deutschen Dokumentation werden drei Lehramtsstudenten in ihren Referendariaten begleitet. Vom ersten Tag bis zur Prüfung. Vertreten sind Gymnasium, Gesamtschule und Grundschule. Zwischen den anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten, Schülern, Seminaren, Alltag, Resignation und Idealismus erfahren die Lehrer in Spe, wie groß die Diskrepanz zwischen Praxis und Theorie im Alltag wirklich ist.


Die Schüler zur Aufmerksamkeit zu erregen, bringt einige
Lehrer zum Verzweifeln.

 

Der Zwischenmodus bringt die drei Ambitionierten an ihre Grenzen und lässt sie während der Benotung ihrer Schüler und dem eigenen permanenten Bewertetwerden immer wieder ins kalte Wasser springen. Es braucht Mut und viel Kraft abzuwägen, wo im Schulsystem Platz für einen Neuling ist und wer man als Lehrerpersönlichkeit sein möchte.

Wer spielt mit?

Die drei Darsteller „spielen“ sich selbst, also sozusagen. Aufgrund der Dokumentation, nah am Leben der Charaktere, hofft man so wenig wie möglich Schauspielerei zu sehen zu bekommen.

Auf einen Blick
Action:
Romantik:
Humor: ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Filmischer Augenschmaus?

Typisch für ihr Genre ist auch diese Doku leise und besticht durch Bilder, nicht durch laute Disney-Film-Drama-Musik. Graue Tage, einfache Tage, Aufnahmen von Glück und Verzweiflung – der Film ist bemüht einen Eindruck ohne Wertung zu geben. Oder dies zumindest den Darstellern selbst zu überlassen.

Gibt's was zu meckern?

Der interessierte Schüler oder der Erstsemester im Lehramt wird sich wohl oder übel einem entzauberten Berufsbild stellen müssen. Es ist zwar allgemeinhin bekannt, dass das „Ref“ eine harte Zeit vor dem eigentlichen Berufseinstieg ist, aber was das unverblümt heißt, weiß wohl nur, wer es selbst erfahren hat. Dies ist einerseits gut, andererseits vielleicht dem allgemeinen Lehrermangel nicht förderlich.

Braucht man Taschentücher?

Im Grunde nein. Wer hierbei anfängt zu weinen, erkennt maximal die Protagonisten von früher wieder und leidet mit ihnen. Oder sieht sein eigenes Kind in einer der Klassen sitzen, die den Junglehrern zeigen, was Schulalltag auf der anderen Seite des Lehrertisches bedeutet.

Mit wem angucken?

Neben den Lehramtsinteressierten, würde es vielen Eltern und vor allem Menschen, die die Schulsysteme, Lehrpläne und Studienordnungen schreiben, nicht schaden, sich diese Dokumentation einmal anzusehen. Dass es einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt, leugnet an sich niemand, nur was das wirklich für den einzelnen bedeutet, geht eindeutig zu häufig verloren.


Eine große Auswahl an Schullektüre.
Was macht man danach?

Überdenken, ob und aus welchen Gründen man Lehrer werden will. Gute Bezahlung und Beamtenstatus machen einen in diesem Beruf langfristig eindeutig nicht zufrieden.

Mutig sein und sich in der Uni einschreiben.

Oder ganz pragmatisch: ändern was man ändern kann. Dies gilt besonders für Lehrer, Schulleiter, Dozenten, Unidekane und die Menschen, die an ihren Schreibtischen Studienordnungen, Lehrpläne und Schulsysteme basteln.

In 3 Worten:

Ambition. Lehrerwerden. Ernüchterung.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Kleiner Bildschirm. Wer dafür ins Kino geht, ist sicherlich sehr themeninteressiert, sollte sein Geld aber lieber darauf verwenden die Thematik Menschen nahezubringen, die so gerne ihre Augen verschließen vor dem, das sie nicht sehen wollen.

Mainstream oder Independent?

Auf jeden Fall nicht Mainstream. Dazu ist das Thema zu speziell.

Zwischen den Stühlen

Regie: Jakob Schmidt
Schauspieler: Cornelia Göschel, Sonja Gerhardt, Anja Kling, Götz Schubert
Kinostart: 18. Mai 2017
Länge: 1 St. 46 min
Genre: Doku
FSK: 0

 

 

Text: Annika Bäse
Bildmaterial: © Weltkino Filmverleih

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