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Der Mann der Schlagzeilen

Über keinen anderen Musiker wird momentan in den Medien mehr berichtet als über ihn: Bushido. Zu dem Berliner Rapper kommen immer wieder neue Fragen auf: Hat er eine Grenze überschritten, will er Politiker ermorden oder sind seine Äußerungen einfach nur Teil einer perfekten Werbekampagne ?

24. Juli 2013 - 14:05
von SPIESSER-Autor UliCrem.
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UliCrem Offline
Beigetreten: 16.07.2013

Insgesamt ist Bushidos Plan aufgegangen. Besser hätte man nicht auf das Debütalbum „NWA“ von Shindy, der bei Bushidos Label „ersguterjunge“ unter Vertrag ist, aufmerksam machen können. In weniger als 48 Stunden erreichte der Skandal-Track „Stress ohne Grund“ über eine Million Klicks auf Youtube und die Verkaufszahlen von „NWA“ waren für Shindy als Newcomer in der Szene besonders gut, so sein Mentor Bushido. Das Album  wird inzwischen zwar indiziert, ist aber dennoch ein voller Erfolg.

Wenn ich mir die verschiedenen Interviews mit Bushido ansehe, stelle ich fest, dass es sich nicht nur um eine Werbekampagne handeln kann. Vielmehr bekomme ich den Eindruck, dass er zu einem taktisch cleveren Zeitpunkt mal wieder das Ventil öffnen musste. Mit den Politikern Claudia Roth und Serkan Tören war er schon öfter aneinander geraten. So bezeichnete Claudia Roth den Berliner Rapper im Vorfeld als Antisemiten, weil dieser eine Nahost-Karte auf seinem Twitter-Profil hochgeladen hatte. Darum sind die Beleidigungen, welche in dem Track „Stress ohne Grund“ vorkommen, bewusst auf sie bezogen.

Ist es an dieser Stelle nicht sogar legitim, dass sich Bushido im Rahmen seiner Möglichkeiten als Künstler bei der Politikerin rächen wollte? Auch sie hat als Person im öffentlichen Raum eine sehr große Verantwortung. Darf sie dann so etwas über einen anderen Menschen sagen?

Bushido selbst zeigt sich in Interviews mit N24 und dem ORF versöhnlich. Er erklärt, dass es sich bei den Text-Zeilen über die genannten Politiker keineswegs um Morddrohungen handle und er keine Person damit körperlich angreifen möchte.  „Ich schieß auf Claudia Roth und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz“ soll deshalb aus Sicht des Rappers nicht etwa heißen, dass er mit einer Pistole auf sie schießt, sondern lediglich mit Worten. „Ich will, dass Serkan Tören jetzt ins Gras beißt“ wurde aus Bushidos Sicht ebenfalls von den Medien falsch interpretiert. Es soll einfach nur sagen, dass er seine „Klappe halten“ soll, so Bushido am 15. Juli 2013 im Interview mit dem ORF. Wenn ich mir das ganze Interview so ansehe, muss ich feststellen, dass es in diesem Fall vielmehr die Moderatorin ist, die eine gewisse Grenze überschreitet, als sie den Rapper mit einer Neo-Nazi-Band vergleicht. Bushido selbst wirkt sehr souverän und gibt wenig Angriffspunkte. Der Rapper erklärt, dass er nur aufgrund der Aussagen Roths und Törens, auf diese mit „Worten geschossen habe“ und, dass er bereit sei nochmal mit den Politikern zu reden, falls diese ihre antisemitischen Äußerung ihm gegenüber zurücknehmen sollten.

Im Großen und Ganzen ergibt sich also nach Betrachtung der einzelnen Interviews ein neues Bild. Aus meiner Sicht hat sich der Rapper im Rahmen seiner künstlerischen Möglichkeiten gerechtfertigt. Nicht mehr und nicht weniger. Bushido wird in den Medien zu einem großen Thema gemacht, für das sich plötzlich das ganze Land zu interessieren scheint. Jeder möchte sich zu ihm äußern und den Skandal für sich nutzen. So äußerte sich beispielsweise Heino, „dass man Bushido wegsperren solle.“ 

Ob reine Werbestrategie oder nicht – Bushidos Plan ist aufgegangen. „NWA“ war ein voller Erfolg. Es wird zwar nun indiziert, doch das Album erscheint nochmal unter dem Namen „NWA 2.0“ am zweiten August dieses Jahres. Ob die Politiker bis dahin den ersten Schritt machen werden und ihre Äußerungen zurücknehmen, ist fraglich. Ich bin gespannt, was das Thema noch alles bringt.

Text: Uli Cremerius

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Kommentare

15 Kommentare
  • ... darf man(n) die Politik Israels - auch wir als Deutsche - mit, oder gerade wegen unserer Vergangenheit - kritisieren. Keine Frage! Warum soll man Freunde auch nicht kritisieren dürfen?
    Das hat aber mit Antisemitismus nichts zu tun! Wenn man aber eine Landkarte ohne Israel mit einem noch nicht existierenden Staat abbildet, ist es populistisch, provokant und dumm. Und noch einmal: Es trägt weder zu einer fruchtbaren Diskussion der Problematik, noch zu irgendeiner Lösung bei! Es schürt nur weiter Ängste, Misstrauen und Hass. - Also ist das völlig daneben und fördert offensichtlich nur den Verkauf irgendwelcher Musik. "Kein Grund zum Stress!" ;-)

  • ich weiß, ich komm nie zum knackpunkt

    ich frage mich auch immer warum ich überhaupt über sowas nachdenke und nicht einfach fotografieren gehe, male oder fahrrad fahre würde mir mehr bringen :D

  • ?

  • ..so...
    sagen wir, dass die Leute, die sich auschließlich dafür (Bushido) interessiern und vor allem die das erreichen und fesseln soll sich tatsächlich lieber auf die Tattoos auf seinen Armen als darauf, mitzubekommen, dass PRISM oder/und Verizon keine Namen von Popstars sind :D

    BTW.: Ich mag Buschido jetzt nicght so unbedingt, nicht so sehr wegen seiner Texte oder sienem Verhalten, sondern weil er für mich als "Muzüker" an dem Punkt versagt hat, an dem er Albenweise von französischen Pop-bzw. finnischen Metalbands geklaut hat.

    Andere Leute müssen sich Jehre lang schwedische Gardinen wegen ner Raubkopie von ner DVD ansehen... und dem passiert deswegen nichts???

  • Bushido hat nur Themen aufgefasst, Spiegel mäßig,

    die derzeitige anti Schwulenkampagne, er hat sich einfach mal als Buhmann ins Rampenlicht gestellt, gefällt ihm scheinbar

    der Anschlag auf die Roth als wäre er Erdogan

    und dann wird da noch so ein Politiker genannt, der setzt sich wahrscheinlich nicht richtig für Integration ein

    klar das da Gangster aus dem Ghetto sauer werden, die haben ihr Geld nicht von Mami und Papi oder Zeit im Internet rumzudiskutieren über Gott und die Welt.

    und Kay ist bestimmt Kay One, der mußte halt hinhalten, das weiß ich nicht warum, hat wahrscheinlich im Backstage rumgedisst und bei einem coolen Label geschleimt

    Ich persönlich rede nicht gerne zwei- oder dreideutig.
    die Leute bekommen eh alles in falschen Hals. Sie sehen und hören nur das was sie wollen.

    Bushido ist kein richtiger Deutscher, er darf nur für unser Bauchgefühl antirappen, dann bestätigen wir ihn. Aber was zuviel ist zuviel.
    Kein Angstdiss bitte. Das ist zuviel Gangsta.

    Also Bushido hätte es sich verkneifen sollen, was bringt der ganze scheiß. Checkt doch eh keiner, das ganze in der Welt.

    Eigentlich will doch jeder seine Ruhe.

    Vielleicht war das ganze ne kleine Meinungsumfrage in welche Richtung HipHop gehen soll. Immer noch Aggro oder wieder Partymäßig, ist ein Spagat.

    Es ist auch klar das Ghetto härter ist, ich möchte da nicht leben. Ich habe es kapiert, das alle nur labern und doch nichts gemacht wird. Irgendwann ist Ghettorap out, aber die stehen dort immer noch auf der Straße im Dreck. Sie machen jetzt nur Hardcoreaggro um zu zeigen, wer nicht hilft, soll dann aber auch nicht dort auftauchen und uns nachahmen. Seine Meinung.

    That's Life

    Manchmal kommen mir Volk hier als "Gangster" betitelt und Politiker, wie Hund und Herrschen vor. Wenn Herrschen Hund verhungern lässt, kläfft Hund lauter und dann beißt er.

    Wenn ich Bushido wäre würde ich in die Politik gehen, die Polizei auf meine Seite ziehen das Heer auch und meine eigenen Pläne verfolgen, alle Labertaschen ins Ghetto stecken und mir nen ruhigen machen, aber leider ist er kein Österreicher ;)

  • Ich finde, es ist nicht schlimm, etwas gegen die Politik Israels zu sagen. Auch als Deutscher. Andere Länder mögen zwar ein veraltetes Bild von Deutschland haben, aber man soll Israel schon kritisieren dürfen. Erstrecht weil die Usa Israel wirtschaflich und militärisch unterstützt.
    Antisemitismus ist etwas Anderes. Da sollte man schon eher aufpassen. Eigentlich finde ich sollte man erwarten, dass man als Deutscher nach dem 2. Weltkrieg mit dem Thema Nationalsozialismus abgeschlossen haben sollte. Auch im Osten und trotz DDR!
    Denn faktisch haben wir verloren.

    Ach ja, noch was zum Thema:
    Sich über Politiker lustig machen ist in jeder Weise arm!
    Denn wer das macht, sollte selber in die Politik gehen und genauso wenig Einfluss haben wie die Politiker.

  • ... ob der Wichtigtuer Antisemit ist. Aber wenn er offensichtlich eine Karte von einem nicht existierenden Palästina - ohne Israel - veröffentlicht, ist er für mich tatsächlich zumindest Anti-Israelisch. Was ich schon sehr grenzwertig halte! Und ist dem jahrzehntelangen Konflikt im Nahen-Osten nun überhaupt nicht dienlich.
    Aber ich denke weiter, das ist ihm eh egal, da er nur provozieren möchte.

    Deshalb finde ich die Aussage von Claudia Roth weder völlig abwegig, noch absurd. Dagegen sind die Texte von dem sogenannten, aber eloquenten Rapper dumm und überhaupt nicht in der "Verbalschlacht" argumentativ überzeugend.:-)

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