Meinung

Gut ist schlecht.

Du machst das gut. Sehr gut. Gut gemacht. Du bist echt ne gute. G, U, T - drei harmlose Buchstaben, die mich in den Wahnsinn treiben. Drei Buchstaben mit Gehalt und doch irgendwie ohne Aussage. Setzen, gut.

06. Mai 2015 - 21:22
von SPIESSER-Autorin mrsBrightside.
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mrsBrightside Offline
Beigetreten: 18.09.2009

Setzen, gut.

Damit hat’s angefangen, in der Schule: Die Zwei Plus, die besser als die Zwei ist, aber haarscharf an der Eins vorbei. Gut eben, aber nicht Sehr Gut. "Sei doch froh, du bekommst eine gute Zwei auf dem Zeugnis. Und vielleicht klappt es dann im nächsten Halbjahr mit der Eins." Danke Herr Meier-Müller-Becker, außer Ihnen sieht aber keiner, dass es eine gute Zwei ist, wohl aber, dass es keine Eins ist. Schon in der Schulzeit können diese Worte wohl jeden in den Wahnsinn treiben. Dann doch lieber die Drei auf dem Zeugnis, als die Gut plus. Mal ehrlich - die ist wenigstens auf den Punkt und eindeutig und nicht auf Krawall mit der Sehr Gut gebürstet.

Die gute Freundschaft

Gute Freunde sind wertvoll. Aber nicht, wenn man eben nur eine gute Freundin für einen nicht nur guten Freund ist. Oder umgekehrt oder in welcher Gender Konstellation auch immer - das "gut" verurteilt auch hier zum Scheitern. "Du bist echt eine super gute Freundin für mich, aber für mehr reicht es leider nicht. Aber hey, gute Freunde sind doch ohnehin viel wichtiger. Lass' Freunde bleiben!" - Ja klar, liebend gerne - nicht. Gute Freunde gibt’s tausende - naja oder ein paar weniger. Aber davon kann ich mir kein Eis backen und erst recht keine gemeinsame Zukunft. Und da das mit der guten Freundschaft ohnehin nicht funktioniert, wenn einer den anderen mehr als gut findet - der andere den einen wiederum aber nicht mehr als gut - ist gut auch hier mit beschissen, kacke und #fail gleichzusetzen.

Well done

Ebenso weniger gut geht’s damit auf der Arbeit weiter: Gut gemacht. Gute Idee. Guter Entwurf. Guter Text. Worte, mit denen man sich nie zufrieden gibt. Im ersten Moment muss man sich dann zusammenreißen, schließlich gab’s eine positive Rückmeldung. Doch drei Sekunden später fallen die Mundwinkel dann aber spätestens eine Etage weiter runter. Warum nur gut? Nicht sehr gut? Oder super, toll, wunderbar, mega, grandios?! Nein, nur gut. Und auch hier folgt dann das Fatale - man will nicht nur gut sein, in dem was man tut. Man will es sehr gut machen - oder eben so schlecht, dass man sich direkt 'nen neuen Job sucht. Man tut die gute Leistung auch hier als mittelmäßig ab, kommt ins Grübeln und erwartet mehr als nur ein well done. "Aber warum denn, du machst deine Arbeit doch gut!".

Jo, schmeckt ganz gut

Vielleicht unterstelle ich den drei Buchstaben zu wenig Inhalt. Und vielleicht geht es nur mir so. Aber der Koch möchte doch auch nicht hören, dass sein Drei-Gänge Menü gut war. Ebenso nichtssagend ist das obligatorische "Gut" auf die Frage "Und wie geht’s dir?". Da fragt dann auch niemand nach "Und warum nur gut?", obwohl jeder weiß, dass das "Gut" zwar gut aber auch schlecht heißen kann. Und wenn ich meine Freundinnen frage, wie ihnen meine neue Frisur gefällt, will ich auch keine drei - in meinen Augen nichtssagenden - Buchstaben als Antwort haben. Dann lieber ein ehrliches "beschissen", "vorher war’s besser" oder ein gelogenes "megageil". Ehrlich jetzt mal, mit einem "gut" kann und will ich mich nicht zufrieden geben. Der Verlierer Mannschaft beim Fußball nützt es schließlich auch nichts, wenn sie zwar keine Tore geschossen haben, aber die Presse über ihr dennoch gutes Spiel berichtet. Got it? 

 

Ende gut, alles gut.

Gut ist eben nur gut. So ein Alles und Nichts Ding. Gut eben. Nicht mehr, nicht weniger.
Manchmal vielleicht ernst gemeint und wirklich gut. Und manchmal ist’s vielleicht auch besser, man weiß nicht, was sich eigentlich hinter dem "gut" verbirgt. Ich will trotzdem kein Gut-macher sein. Mehr oder weniger, aber nicht das "gut" dazwischen, bitte.

 

 

 

 

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