Meinung

Interpretationen von Texten sind sinnlos

Woher wollen wir denn heute wissen, was genau Goethe uns mit seinem Gedicht sagen wollte? Wollte er uns überhaupt etwas sagen? Vielleicht hat ihn nur gerade etwas bewegt, was er zu Papier bringen wollte! Denn: Denkt wirklich jeder Autor über jedes Wort nach und dessen tiefere Bedeutung? Das glaube ich eher nicht. Vor allem wenn es um Kurzgeschichten geht. Kann es nicht einfach sein, dass der Autor der Leserschaft Vergnügen bereiten wollte? Nein, natürlich nicht, er wollte uns das Ende der Welt vorhersagen!

09. Mai 2009 - 11:00
von SPIESSER-Autorin sanny.
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sanny Offline
Beigetreten: 06.05.2009

Woher wollen wir denn heute wissen, was genau Goethe uns mit seinem Gedicht sagen wollte? Wollte er uns überhaupt etwas sagen? Vielleicht hat ihn nur gerade etwas bewegt, was er zu Papier bringen wollte! Denn: Denkt wirklich jeder Autor über jedes Wort nach und dessen tiefere Bedeutung? Das glaube ich eher nicht. Vor allem wenn es um Kurzgeschichten geht. Kann es nicht einfach sein, dass der Autor der Leserschaft Vergnügen bereiten wollte? Nein, natürlich nicht, er wollte uns das Ende der Welt vorhersagen!
Es gibt aber auch Autoren, die das ähnlich sehen. Zum Beispiel Tsugumi Ohba. Der hat die Geschichte zu Death Note geschrieben, die sich ganz kurz zusammengefasst darum dreht, dass jemand durch eine geheime Waffe Schwerverbrecher umbringt, um eine friedliche Welt zu schaffen. Hier würden passionierte DeutschlehrerInnen jetzt wieder den Kampf zwischen Gut und Böse hineininterpretieren, was aber überhaupt nicht das ist, was der Autor möchte. Denn in einem Interview antwortet er auf die Frage, ob er mit seiner Geschichte etwas zum Ausdruck bringen wollte, wie folgt:
"Nein eigentlich nicht. Ich finde es unwichtig eine Debatte über Gut und Böse zu führen und zu erörtern ober Light (der Mörder der Verbrecher) richtig gehandelt hat oder nicht."
Sicherlich gibt es auch Dichter und Autoren, die sich tiefere Gedanken zu ihren Texten machen, aber das ist denke ich eher die Minderheit. Jedenfalls unter den Kurzgeschichten-Autoren.
Muss man also überall sonstwas hineingeheimnissen?

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Kommentare

14 Kommentare
  • ausserdem isses schlimm das man immer so viel schreiben muss wenn man doch sachen auch mit einem satz ausdrücken kann. da muss man immer gekonnt drumherum reden.

  • Selbst Günni Grass hat einmal in einem Interview geäußert, das er diese ganze Ruminterpretiererei in der Schule nicht gutheißt. Denn damit wird jungen Leuten jede Lust auf Literatur genommen, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Von daher bin ich auch ganz nah an der Verfasserin dieser Meinung.

  • Hier muss ich dem Besserwisser zustimmen, wahrscheinlich altersbedingt. Viele Texte haben einen Subtext, der ohne Hermeneutik nicht zu (er-/aufzu-)fassen wäre. Natürlich werden auch Texte existieren, die primär nichts zu geben haben, außer das Geschriebene selbst. Aber besonders in den poetischen Gattungen wäre es fatal anzunehmen, dass es keinen Subtext gebe. Auch wenn der Verfasser es vielleicht selbst nicht einmal bewusst macht und möglicherweise selbst nicht einmal darum weiß. Dennoch muss man die Zeit, die Umstände, die Motivationen und das Wesen des Verfassers mit der historisch-kritischen Methode berücksichtigen, um sich dem Text so anzunähern, dass man ihm (möglicherweise) gerecht wird. Mit eindeutiger Sicherheit ist es nicht zu sagen.

    Überlegt mal selbst, wie schwierig es ist die Kluft zu überwinden, zwischen dem was ich sagen will und dem was ich eigentlich sage. Und dabei ist noch nicht einmal die Konnotation des Empfängers/Lesers berücksichtigt, die vor 100 Jahren noch in eine andere war, als vor 10 Jahren, geschweige denn von heute oder in 10 Jahren.

    Ich kann an dieser Stelle auch nur empfehlen, sich über die Hermeneutik zu informieren (und nicht nur Artikel darüber lesen bei Wikipedia), sondern sich in die Materie hinein begeben.

  • Ich glaube, dass diese Anti-Interpretationshaltung, wie sie hier in dem Text eingenommen wird, stark altersbedingt ist.
    Ich erläutere mal gar nicht was ich davon halte sondern poste euch nur ein ganz kurzes Gedicht:

    Fadensonnen
    über der grauschwarzen Ödnis.
    Ein Baum-
    hoher Gedanke
    greift sich den Lichtton: es sind
    noch Lieder zu singen jenseits
    der Menschen.
    von Paul Celan

    vielleicht wird da jemand schlauer. Ansonsten empfehle ich sich über Hermeneutik zu informieren.

  • Juhu, nie wieder irgendeine nText interpretieren!
    Ganz ehrlich, es ist der größte Mist, der mir in 12 Jahren Schule untergekommen ist!
    Klar, jeder interpretiert Texte beim Lesen und denkt vielleicht drüber nach, interpretieren gehört zum verstehen, aber muss man dass dann noch idiotensicher auffrimeln, alle Bereiche abdecken, die Meinung des Lehrers treffen und dann noch die Stilmittel untersuchen?
    Sicher nicht, weil das bringt niemanden von uns weiter!
    Sicher werden sich jetzt einige fragen, warum die gute Frau Deutsch-LK geschrieben hat, war das kleinste Übel zur Aufklärung ;-) Mathe, Chemie, Latein, Geschichte - nein, danke, jedenfalls als Leistungskurs!

  • ich find's spaßig. Ist wie Gleichungen in Mathe zu lösen - doch da ich's nicht so mit Zahlen habe, bevorzuge ich das Rätseln mit Worten. :)

  • Jeder sieht in Texten was anderes, empfindet anders und bla, deshalb ist es auch logisch, dass ein Text verschieden interpretiert werden kann, ja sogar muss.
    Das was wir in der Schule dagegen machen, ist völlig sinnlos, da wird einem nur vorgeschrieben was man denken soll.

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