Meinung

Mein Opa war ein VERBRECHER???

Hey ich weiß, dass es ziemlich sinnlos ist, weil der Großteil der Jugend heutzutage einen Sch** mit Geschichte anfangen kann. Aber in mir brodelt die Wut! Mein Opa kämpfte als Landser im Krieg. So wie fast jeder männliche Deutsche zu dieser Zeit. Er hatte das Glück den Krieg zu überleben, verlor aber ein Bein durch eine US-Granate. Krieg ist nie etwas worauf man stolz sein kann. Mein Opa war es nie.

21. Juni 2011 - 22:47
von SPIESSER-Autor DasLebenSiegtÜberDenTod.
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DasLebenSiegtÜberDenTod Offline
Beigetreten: 17.09.2010

Er ist inzwischen tot, Gott sei seiner Seele gnädig, aber ich konnte, auch wenn ich damals noch sehr jung war, mitkriegen, dass er unglücklich starb. Das hatte auch damit zu tun, dass die heutige Deutsche Gesellschaft solche wie ihn, also alle die damals kämpften, als Verbrecher und Nazi-Schurken brandmarkt! Mein Opa war bei der Wehrmacht und soll diese Mitgliedschaft, diese Nationalität, diese Zeit in der er geboren worden war, ihn automatisch zu einem Stocknazi, zu einem Massenmörder, einem Judenmörder machen???

Ich hab es selbst erlebt: Dieser alte Mann wurde von dem, was er in der Öffentlichkeit mitkriegte, totunglücklich! Klar er kämpfte in einem Angriffskrieg auf der falschen Seite, für ein System, das ganz Europa unterjorchen wollte, das Regime ordnete Völkermord und Massaker an. Aber mein Opa war nicht bei der SS, war nicht bei der SA, war nicht bei der Gestapo, er war bei der Wehrmacht, so wie dessen Vater bei der Reichswehr. Er hat auch dafür bezahlt, Dinge gesehen und erlebt, die ich keinem Menschen wünsche, sein Bein verloren. Aber, dass er sich, wenn er heut noch leben würde, anhören müsste, er sei ein Verbrecher gewesen, weil Soldat!!
Alle Nationen selbst die Italiener und die Japaner achten nicht nur die Gefallenen der Allierten, sondern auch ihrer eigenen, bloß wir nicht. Warum gelten bei uns die Wehrmachtsüberlebenden allesamt als Verbrecher und werden mit Füßen getreten?

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Kommentare

Sieben Kommentare
  • Also ich denke dass die meisten Soldaten der Wehrmacht keine Kriegsverbrecher waren. Die meisten wurden gezwungen bei der Armee zu sein und/oder gezwungen bei Verbrechen mitzumachen. Zwar waren viele "normale" Divisionen wie das Infanterie Regiment Groß-Deutschland an Kriegsverbrechen, diese hielten sich jedoch in Grenzen. Solange man nicht zu der richtigen SS gehörte( ich klammere die Waffen-SS aus, weil das wieder ein anderer Fall ist), waren die Soldaten normale Menschen. Auch viele Hochrangige Offiziere (Ab Major sag ich mal) waren keine Verbrecher oder Nazis. Diese hatten häufig auch etwas gegen die Verbrechen. Jedoch gab es zu dieser Zeit ein ganz anderes Verhältniss zu Pflicht und Ehre als heutzutage. Sie schworen einen Eid und konnten diesen aus ihrem Gewissen nicht brechen. So sieht man zum Beispiel aus dem Kommentar von Manstein zu dem Attentat auf Hitler 1944, dass das Ehrgefühl und Pflichtgefühl sehr wichtig war: Preussische Offiziere meutern nicht!
    Einige Generäle haben nach Vorwarnung auch ihre Soldaten für Kriegsverbrechen erschiessen lassen.
    Aber nun zum Thema zurück :D
    Ich kenne dein Problem.. da habe ich es noch schwerer als du.
    Dein Opa wurde eingezogen.
    Ich entstamme einer Familie von Offizieren
    Diese waren Generalmajoren, Generalleutnant etc. bei der Wehrmacht
    Da habe ich schon mehr Probleme mit dem einsortieren, ob sie Nazis waren.
    Da jedoch die meisten von diesen noch vor Kriegsende von den Deutschen hingerichtet wurden, wegen Befehlsverweigerung bei zb. Stalingrad, wo einer von meinen Onkeln ein Regiment Jugendlicher in den Tod schicken sollte, sich jedoch weigerte.
    Dafür wurde er erschossen.
    Mein Opa war bei der Marine Schnellboot-Kapitän ( hoher Rang in der Marine). Er war 1945 Kommandant einer Französischen Festung. Ergab sich erst etwa 2-3 Wochen nach Kriegsende, da er erst einen Beweis der deutschen Kapitulation sehen.
    Dafür wurde er 10 mal zu Tode verurteilt und jedesmal begnadigt. Er wurde dann in der Bundeswehr als Konteradmiral in der Bundeswehr übernommen.
    Ich selbst kannte alle ( außer die, welche zuvor im Krieg ermordet wurden)persönlich und weiß dass keiner von ihnen ein Nazi war. Ich denke jeder sollte seine Familie einschätzen können und man findet es wirklich nur dann herauß, wenn man die Person kannte. Aber man sollte immer die Familie in guter Erinnerung haben, auch was man nicht erlebt hat.
    Ansonsten quält man sich selbst!
    Also auch ich konnte die mit meinen LANGEN Bericht ein wenig helfen :)

  • Eigentlich sollte ich mich in die obige Diskussion mit einmischen, aber das werde ich nicht tun. Ich werde einen Teufel tun.

    Ich werde sachlich die Frage und nur die Frage beantworten, wie ich es richtig finde.

    Kennst du das Buch "Soldaten"? Zeigt erstmals geheime Protokolle von GEsprächen von einfach Wehrmachtssoldaten.
    Lies dir bitte auch den Wikipedia Artikel zu folgendem Stichwort durch:
    Trostfrauen.

    Ich möchte nichts verunglimpfen, jedes Verbrechen ist nur aus sich heraus zu betrachten. Ungeachtet anderer Verbrechen, auch dann, wenn sich ein anderes Verbrechen zum Vergleich oder zur scheinbaren Rechtfertigung regelrecht anbietet. Doch kein Verbrechen ist zu rechtfertigen. Egal wer was verbrochen hat.
    Ich möchte nur, dass du ein Bild bekommst, was möglich ist.
    Denn möglich ist auch, dass er unter Zwang einberufen wurde.

    Mein Uropa mütterlicherseits wurde z.B. durch die SS schwer geschädigt:
    Eines morgen klopfte die SS, als seine Frau, meine Uroma, nicht da war. Sie nahmen ihn mit. Abends irgendwann brachten sie ihn übel zugerichtet wieder. Einen bald darauffolgenden Tag holten sie ihn wieder. Abens klopften die Nazis. Brachten meiner Uroma aber nicht den vermissten Ehemann wieder. Nein, sie brachten ihr seinen Ehering und seine Uhr. Und nahmen sie mit. Vergewaltigten sie brutal und das schlimmste ist: mein Opa musste es als damals kleines Kind miterleben..
    Diese Verbrechen sind von der SS begangen worden. Damit hatte die Wehrmacht nichts zu tun.
    Allerdings haben auch Wehrmachtsangehörige menschenverachtende Verbrechen begangen. Viele Institutionen haben das..

    Es ist unmöglich zu sagen, was dein Opa getan hat. Zumindest ist es das für uns. Du kennst ihn. Auch wenn er bestimmt nicht viel, wenn überhaupt, über den Krieg gesagt hat, du hast ihn erlebt, weißt, wie er war.
    Allerdings machen Kriege aus Menschen Bestien.
    Ein Kaiserlich Japanischer Soldat sagte sinngemäß "Die Frauen haben geschrien, geweinnt, um Hilfe gebettelt, aber ob in den Dörfern oder in den Bordellen, wir waren des Kaisers Soldaten und vergewaltigten ohne Zögern"
    Allerdings; auch Hans Scholl und Co. haben gedient. Und sind dadurch zu Widerständlern geworden. So auch Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
    Es liegt an dir, zu glauben, was dir dein Wissen um deinen Opa sagt.

  • ich weiss es nicht ,mein Traum Gedanke ist nie in eine Solche Situation zu kommen und falls das doch passiert dann weis ich nicht was ich tun würde und ich denke das wüsste keiner von uns ...

    und ich möchte mich gewiss nicht als Moralapostel auf spielen ...

    ciao der Werner

  • ... sind nur Nebengeräusche! Trotzdem werden wichtige Fragen nicht beantwortet: Wie hättest Du gehandelt? Wir können uns auf dieser Plattform als Moralapostel aufspielen und mit dm Finger leicht auf andere zeigen. Wichtig ist, was hinten raus kommt! ;-)
    Keiner muss irgendeinem Nazi gedenken und die Unterstützung eines Terrorregimes ist ein Verbrechen. (Das verlangt keiner von Dir - oder von uns!)
    Die ehrliche Beantwortung und persönliche Einschätzung steht auf die Frage aus: Wie würde ich selbst reagieren, wenn ich in eine ähnliche Situation komme. Stichwort: Zivilcourage, das an anderer Stelle schon ausführlich beschrieben wurde.

  • Naja nur weil dein Opa in der vermeintlich nicht ganz so schlimmen Wehrmacht war heist das nicht das er nicht am Krieg beteiligt war ...
    Jetzt könnte man sagen das dein Opa ja musste aber das Stimmt so viell. nicht ganz ,denn viele haben die Pläne Hitlers toll gefunden und unterstützt , andere hingegen sind Widerstandskämpfer_in geworden und haben versucht das Regime zu stürzen ... hätten das alle gemacht hätte es keine 6 Mio. Tote gegeben ...
    Ich will keinem Nazi gedenken den das Waren keine Opfer ,ich habe aber nix dagegen wenn Menschen ihrer angehörigen gedenken ...

    @ andrew Verbrecher hin oder her Unterstützt haben die Menschen (auch die der Wehrmacht) das Regime ja und das ist doch schon schlimm genug wenn nicht so gar ein Verbrechen ...

    @nachwuchsmisanthrop naja ich denke das es nicht Schlecht ist sich vom Nationalsozialismus zu distanzieren , und wie schon gesagt ich will nicht das es Nazi-gedenken gibt ... am besten noch Schön im Kollektive mit Bundeswehr und so ,nach dem Motto WIR können wieder Stolz sein ... nein Danke

    mit netten Grüßen der Werner

  • Und überlege weiter, wie Du reagiert und gehandelt hättest. Was hättest Du gemacht? Wie hättest Du Dich in so einem Regime verhalten, gelebt?
    Deshalb finde ich Geschichte wichtig! Wieder Erlebtes erzählen, berichten und sich selbst fragen: Warum war das so? Wie habe ich das erlebt?

    Ich habe leider mit meinem Vater über sein Erlebtes zu wenig gesprochen (auch wenn ich so in Deinem Alter war!). Das bereue ich heute sehr. Denn auch er hätte sicherlich als blutjunger Offizier (um die achtzehn Jahre!) der Wehrmacht einiges erzählen können. Stattdessen habe ich ihn mit provokanten Sprüchen geschockt und sicherlich auch innerlich verletzt und geärgert.

    Deshalb dürfte ehrlich gesagt niemand direkt oder indirekt sagen: "Jeder war ein Verbrecher!" Trotzdem tun es welche.

  • Man kann nicht direkt sagen, dass jeder ein Verbrecher war.
    Manche warens, manche nicht.
    Ich denke, als einfacher Soldat hat man nicht so einfach die Möglichkeiten gehabt, da nicht "mitzumachen".
    Solche Desateure, Heimatlandverräter oder wie auch immer sie genannt haben wurden verfolgt, gefangengenommen und ggf. hingerichtet. Keine so schönen aussichten. Und solch einen mit wie Schindler, die Geschw. Scholl oder Bonhöffer hatten nicht alle.
    Was anderes ist das, wenn man versuchte Ranghöchster SS Offiziert werden wollte und stolz auf seine Taten war.
    Dann ist man klar ein "Verbrecher".

    Warum es in Deutschland so extrem ist, liegt denke ich dadran, dass wir uns versuchen extremst vom Nationalsozialismus zu distanzieren. Und dann ist es ja klar, dass man nichts tolerieren darf. Symbole, Gedankengut, Schriften und auch Menschen, die dabei waren.
    kA, ob das Stimmt, aber das sind so meine Gedanken dazu.

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