Schmökern

„Die Luft da oben“

„Na Lena, wie ist die Luft da oben? Wird die nicht schon knapp?“ Solche Kommentare sind für die 1,82m große Lena mittlerweile Alltag geworden. Und noch immer sind sie verletzend und tragen zu ihrer falschen Selbstwahrnehmung bei. Pauline Kellers Debütroman „Die Luft da oben“ erzählt in humorvoller Weise vom Leben einer jungen Frau, die mit sich selber und ihrer Umgebung zu kämpfen hat.

02. Oktober 2017 - 17:24
SPIESSER-Autorin breakfastatspiesser.
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breakfastatspiesser Offline
Beigetreten: 28.07.2017

Worum geht's?

Lena Wegner, frischgebackene Absolventin eines BWL-Studiums, hat sich schon immer gewünscht, weniger in der Masse aufzufallen. Wo sie auch hingeht und mit wem sie auch spricht, sie erhält komische Blicke und stechende Kommentare. Denn mit 1,82m ist sie als Frau überdurchschnittlich groß, mit Absatzschuhen ein „Mann an Fasching“, wie sie sich selbst bezeichnet. Nicht nur das macht ihr zu schaffen, auch die Menschen, die sie eigentlich unterstützen sollen, wie ihre „Freundin“ Verena oder ihre eigenen Eltern. Jeder will sie zu etwas drängen, gibt ihr das Gefühl, eine Enttäuschung und Belastung zu sein – bis auf Christian, ihren Freund. Der ist für sie da und akzeptiert sie so, wie sie nun mal ist. Trotz noch nicht abgeschlossener Lebensorientierung und trotz ihrem größten Feind: sich selbst.

Als sie dann unverhofft zu einem Klassentreffen ihres Gymnasiums eingeladen wird, will sie am liebsten davor wegrennen. Denn die Erinnerungen an ihre Schulzeit sind mehr negativ als positiv. Trotzdem beschließt sie hinzugehen. Eine Entscheidung, die alles ändern soll.

Wer steckt dahinter?

Die Autorin Pauline Keller lebt und studiert in Würzburg (Mainfranken) mit Mann und Hund. Würzburg ist auch der Ort, an dem sie „Die Luft da oben“ geschrieben hat, ihren Debütroman. Diesen hat sie spontan aus dem Bauchgefühl heraus geschrieben, allgemein geschieht bei ihr vieles aus dem „Bauch heraus“, auch wenn sie vorher lange genug darüber nachgedacht hat. Sie selber liest alles, was ihr in die Hände fällt, von Kosmetikartikel-Etiketten bis hin zu Frauenromanen und Klassikern.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Von dickem Schinken kann keine Rede sein. Zwar erscheinen 244 Seiten auf den ersten Blick viel, doch beim Lesen verfliegt die Zeit.

„Die Luft da oben“

Autor: Pauline Keller
Verlag: BoD - Books on Demand
Veröffentlichung: 08.05.2015
Seitenzahl: 244

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Egal, wo man sich auch gerade befindet, mit diesem Buch wird es nicht langweilig. Es ist der passende Schmöker für verregnete Tage auf der Couch, aber auch perfekt für unterwegs. Außer natürlich, wenn man Angst davor hat sich vor anderen Leuten das Lachen nicht verkneifen zu können.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

Es liest sich locker flockig und liefert die perfekte Balance an Humor und Ernst. Allerdings wirken manche Stellen etwas zu langgezogen, daher verdient das Buch eine 8 von 10.

Wem borgt man es als erstes?

Den Giraffenmenschen unter uns kann ich es nur sehr ans Herz legen, denn auch ich konnte beim Lesen oft ein „Kenn ich!“ nicht unterdrücken. Allgemein ist dieses Buch aber auch für alle, die sich gerade in der Orientierungsphase ihres Lebens befinden.

Lieblingszitat:

„Meine Eltern: strahlen - während Manfred, der Ehemann meiner Schwester Carolin, drei Zentner, schweißtreibend verpackt im ewig pastellgelben Polyester-Pullover, sich mit der Wucht einer Lok durch die Tischreihen pflügt und neben mir aufbaut: „Da schau her: Akademikerin wollen wir also jetzt sein? AkaDÄMLICHerin, wie ich immer sage.“ (S. 10)

In drei Worten:

lustig, ehrlich, bewegend

 

Text: Rebekka Hörnig
Teaserbild: Pauline Keller

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