SPIESSER debattiert

Mi casa, su casa?

Für manche Menschen ist es selbstverständlich, einen Geflüchteten bei sich Zuhause aufzunehmen. Schließlich braucht jeder einmal Hilfe. Andere haben da durchaus mehr Bedenken, eine wildfremde Person bei sich wohnen zu lassen. Aber was genau spricht dafür und was dagegen? SPIESSERinnen Birte und Fiona diskutieren.

20. Oktober 2017 - 11:29
SPIESSER-Redakteurin Onlineredaktion.
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Onlineredaktion Online
Beigetreten: 25.04.2009

 

„Flüchtlinge in Deutschland befinden sich in unmittelbarer Gefahr“, ist einer von Fionas (22) Gründen, Geflüchtete bei sich aufzunehmen:

Oft hört man Asylkritiker sich beschweren, Flüchtlinge pushen die Kriminalitätsrate. Doch hat sich einer von ihnen mit den Fakten beschäftigt? Die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2016 fasst die Zeitung ZEIT wie folgt zusammen: „Durch die Zuwanderung von Flüchtlingen ist zwar die Einwohnerzahl gestiegen, doch zu mehr Kriminalität hat das nichtgeführt. Mit rund 6,37 Millionen Fällen ist die Gesamtzahl der Straftaten im Vergleich zu 2015 nahezu gleichgeblieben.“ An der Gefahr, die von Geflüchteten angeblich ausgeht, kann es also nicht liegen, dass sich Menschen, die es eigentlich könnten, scheuen, Geflüchtete bei sich aufzunehmen.

In Deutschland ist es gesetzlich geregelt, Dritten in Not Hilfe zu leisten. Flüchtlinge in Deutschland befinden sich meiner Meinung nach in unmittelbarer Gefahr vor beispielsweise rechten deutschen Gruppierungen, aber auch vor ihren eigenen Traumata. Außerdem sind 50% der Flüchtlinge weltweit noch Kinder und wie traumatisch müssen Vertreibung, Flucht und Hunger für eine Kinderseele sein? So ist es als bürgerliche Pflicht anzusehen, einer Flüchtlingsfamilie sein Obdach zu bieten, wenn der Platz und die Möglichkeit dafür gegeben sind.

Meine Verwandten nahmen eine vierköpfige Familie auf, welche direkt aus dem Brennpunkt Aleppo stammt. Mit ihren kleinen Kindern nannten sie lediglich den Inhalt eines Schuhkartons ihr Hab und Gut. Zugegeben – ganz problemlos war das nicht, da die syrischen Gäste nach ihrer Ankunft einen anderen Rhythmus gewohnt waren. Was ist hierbei das Wichtigste? Kommunikation. Die Gastfamilie verstand schnell und ist noch heute äußerst dankbar dafür, dass wir ihnen unsere Welt erklären. Ich finde, genau das ist der erste Schritt für ein Leben miteinander: Viel Kommunikation und Aufklärung.

„Es ist nicht für jeden eine Option einen Geflüchteten bei sich Zuhause aufzunehmen“, findet Birte (20) und erklärt ihren Standpunkt:

Im Moment ist das Thema „Flüchtlinge“ so präsent wie lange nicht mehr. Viele Menschen engagieren sich und würden alles dafür tun, um einem Flüchtling ein Zuhause zu geben. Versteht mich nicht falsch, ich finde es unglaublich wichtig, den Menschen zu helfen und dafür zu sorgen, dass sie sich hier wohl und willkommen fühlen. Aber jemand Fremdes bei mir einziehen lassen?

Die Menschen, die hierher kommen, sind aus unterschiedlichen Kulturkreisen und haben andere Lebensstile. Was ist,wenn jemand bei mir wohnt, der mich in meinem Glauben bekehren will oder mich dafür verurteilt? Ich möchte mich nicht dafür rechtfertigen zu wem, was oder ob ich überhaupt bete. Gleichzeitig will ich natürlich auch mein Gegenüber nicht einschränken. Unabhängig von den möglichen kulturellen Differenzen, ist da noch die Sprachbarriere. Mag lächerlich klingen, aber das ist nicht zu unterschätzen. Wenn ich einen Geflüchteten bei mir Zuhause aufnehme und dieser vielleicht Ängste oder Traumata mitbringt, über die gesprochen werden muss, mit denen ich aber nicht umgehen kann, dann ist das ebenfalls ein Problem. Es entsteht eine beidseitige Hilflosigkeit, mit der sich keiner wohlfühlt. Es müssten daher Kompromisse geschlossen werden, damit beide Seiten sich wohl und nicht in ihrer Privatsphäre eingeschränkt fühlen.

Worüber man sich auch auf jeden Fall im Klaren sein sollte, wenn man einen Menschen bei sich zu Hause aufnimmt, ist die eingeschränkte Privatsphäre. Es ist kein Geheimnis, dass vielen Menschen ihre Privatsphäre sehr wichtig ist. Es ist nicht für jeden eine Option, einen Geflüchteten bei sich Zuhause aufzunehmen. Und das ist in Ordnung. Denn jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er oder sie sich damit wohl fühlt oder nicht.

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