Vertretungsstunde

„Nee, ich singe nicht.“

Malen nach Musik statt nach Zahlen. Das erlebte der Kunstkurs der Max-Beckmann-Oberschule Berlin, als dieser den DJ „Alle Farben“ vor die Nase gesetzt bekam. Frans Zimmer machte seinem Namen alle Ehre, legte Musik auf und entwarf mit den Schülern eigene bunte Albumcover.

15. Dezember 2014 - 15:40
SPIESSER-Autorin Individuot.
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Individuot Offline
Beigetreten: 01.07.2014

Frans: Hallo! Ich bin Herr Zimmer, bei mir geht‘s heute um Farben und Musik. Welche Emotionen verbindet ihr mit der Farbe Blau?

Tim: Kälte.

Dennis: Entspannung.

Frans: Was verbindet ihr mit Rot?

Alle Farben

Hinter Alle Farben steckt der gebürtige Berliner Frans Zimmer. Nachdem es mit seinem Kunststudium nicht klappte, produzierte er eigene Kunstwerke und machte Musik. 2012 gelang ihm mit seinem Auftritt vor 30.000 Menschen auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof Berlin der Durchbruch. Ein Jahr später kam sein erstes Debütalbum „Synesthesia“ heraus. Mittlerweile ist er
fast jedes Wochenede unterwegs und legt auch außerhalb von
Deutschland auf.

Luisa: Liebe.

Jörn: Verlangen.

Tim: Wut.

Frans: Und wie sieht‘s mit Gelb aus? Das wären die drei Grundfarben.

Ahmed: Sonne. Hitze.

Frans: Stimmt! Wärme – genauso wie auch bei der Farbe Rot. Und wenn wir ein grelles Gelb nehmen?

Kyra: Dann auch Kälte.


Statt ein Mischpult zu bedienen, erklärt Frans
die Grundfarben.

Frans: Je nach Intensität ändern sich die Emotionen. Ich mache etwas Musik an. Bitte malt zu jedem Stück die Farbe auf, an die ihr denkt, und schreibt die Emotion dazu auf! Es wird wild gekramt, Blätter und Stifte werden herumgereicht.

Frans: Seid ihr bereit? Frans startet seinen Laptop: „Coldcut – Walk A Mile In My Shoes“ ertönt als erster
Song. Danach erschallt der fetzige Beat von „The Cure – The Lovecats“. Köpfe wippen im Takt und die
Schüler scheinen ganz vertieft in ihre Aufgabe. Mit „Erik Satie – Gymnopedie No. 1“ legt er als nächstes einen ruhigen Song mit Klaviermusik auf. Als vierter und letzter Song kommt Frans‘ eigene Single „Alle Farben – She Moves feat. Graham Candy“. Fröhliches Wippen mit Füßen, Köpfen und Stiften.

Frans: So, fangen wir mal mit dem ersten Lied an – was habt ihr dazu aufgeschrieben?

Jacklin: Dass es kalt ist.

Frans: Und welche Farben habt ihr gewählt?

Saskia: Blau.

Frans: Ich nehme an, die meisten haben Blau oder einen dunklen Ton gewählt, weil es ein melancholisches Lied ist. Nächstes Lied.

Dennis: Grün. Fröhlichkeit. Orange auch.

Frans: Also sehr froh und sommerlich. Als nächstes hatten wir ein trauriges Lied.

Jörn: Ich habe Braun gewählt. Das Lied hat etwas sehr Emotionales und Hoffnungsvolles.

Jacklin: Ich finde das Lied gar nicht so traurig, sondern eher romantisch. Deswegen überwiegt bei mir Rot.

Aylin: Ich hab einen noch dunkleren Ton gewählt – Schwarz.

Frans: Da scheint ihr ja ziemlich unterschiedlicher Meinung zu sein. Kommen wir zu meinem eigenen
Song.

Kyra: Ich habe mehrere Farben genommen: Gelb, Rot, Orange, Grün. Das Lied steht für mich für
Freude und Fröhlichkeit.

Frans: Was ich jetzt von euch möchte, ist, dass ihr zu einem dieser Lieder ein Cover entwerft. Die
Grundlage dabei sollen die Emotionen und die Farben bilden, die ihr gerade gesammelt habt.

Dennis: Was hat denn dein Cover für eine Farbe?

Frans: Das verrate ich euch nicht. Mich interessiert, was ihr draus macht. Frans spielt alle vier
Lieder noch mal ab.

Frans: So, schreibt bitte alle eure Namen auf eure Zeichnung und reicht sie nach vorne. Ein allgemeines
„Och nööö“ geht durch die Reihen. Frans schaut sich die Zeichnungen an und greift eine heraus, in der
die Farben blau und dunkelbraun dominieren.

Frans: Silke? Zu welchem Lied hast du das Cover entworfen?

Silke: Für das dritte etwas traurige und verlorene. Es soll Wassertropfen darstellen, die sich im Wasser
verlieren. Die nächste Zeichnung setzt sich aus verschiedenen Formen und Farben zusammen.

Jörn: Was das genau darstellen soll, weiß ich nicht. Ich habe mich einfach von der Musik inspirieren lassen.


Auf die Plätze, fertig, losgekritzelt!

Frans: Und welches Lied hast du gewählt?

Jörn: Das letzte.

Frans: Hat denn jemand das zweite Lied gewählt?

Kyra: Ja, ich. Es ist nicht ganz fertig, aber man erkennt die bunten Farben, die Fröhlichkeit ausdrücken sollen. Und der Kussmund ist auf den Liedtext zurückzuführen.

Frans: Ich bin der Meinung, dass Plattencover sehr wichtig sind, um die Emotionen der Musik
widerzuspiegeln. Für meine Single „She Moves“ habe ich die Farbe Orange genommen, also auch
sehr fröhlich und sommerlich.

Jörn: Wie sind Sie denn zu dem Beruf des DJs gekommen?

Frans: Eigentlich wollte ich Kunst studieren, habe aber schon immer viel Musik gehört und selbst
gemacht. Seit zehn Jahren lege ich mittlerweile auf. Anfangs habe ich mich mit irgendwelchen
Jobs durchgeschlagen, bis ich irgendwann so viele Aufträge bekam, dass ich mich ausschließlich auf
meine Musik konzentrieren konnte.

Ahmed: Legst du denn nur auf oder singst du auch?

Frans: Nee, ich singe nicht. Für meine Single habe ich mir einen Sänger geholt. Viele denken ja, dass
es vielleicht eine Frau ist, die da singt, aber es ist ein Mann. Die Klasse lacht.

Jörn: Was hören Sie denn privat?

Frans: Ich höre privat viel Verschiedenes. Wenn ich auflege, muss ich mich ja vorbereiten und
neue Musik entdecken. Was hört ihr denn so?

Jörn: Hip-Hop, Rap, alles Mögliche. Aber wenn „She Moves“ im Radio kommt, dann mach ich auch
nicht aus. Warum ist ihr Künstlername eigentlich „Alle Farben“?

Frans: Ich bin ein großer Fan vom Künstler Friedensreich Hundertwasser. Sagt euch das was? Alle
nicken.

Jörn: Natürlich!

Ahmed: Streber!

Frans: Und anfangs hieß ich „Hundertfarben“. Irgendwann entwickelte sich da „Alle Farben“ draus, weil‘s schöner klingt.


Und zum Schluss alle so SMIIIIIILE!

 

Fazit aus der Klasse:

Ahmed, 19

Ich fand die Stunde sehr einfallsreich, weil wir gelernt haben, wie viel Farben mit Emotionen zu tun haben.
 

Note: 1

 

 

Jörn, 18

Am Ende hat die Vielfalt gefehlt, aber er hat das heute zum ersten Mal gemacht.

Note: 1-

 

 

Kyra, 18

Es war sehr kreativ. Er hat uns einen tollen Einblick in das gewährt, was er so macht.

Note: 1-

 

 

Text: Polina Boyko
Fotos:
Torsten Roman
Video: Daniel Remler

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