Vertretungsstunde

„Ich will nicht
doof aussehen!“

Was bedeutet eigentlich Schönheit? Mit dieser Frage setzte sich Topmodel Lovelyn gemeinsam mit dem Kunstkurs des Weidener Augustinus-Gymnasium auseinander. Sie sprach mit den Schülern über den Schlankheitswahn im Model-Business, gesunde Ernährung und ihr fehlendes Talent beim Zeichnen.

12. März 2015 - 10:42
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Lovelyn: Hallo! Ich bin Lovelyn und wir sprechen heute über Schönheitsideale. Was bedeutet für euch schön sein?

Alexander: Ich finde, man muss differenzieren zwischen innerer und äußerer Schönheit. Klar habe ich auch Vorlieben, aber letztlich kommt es auf den Charakter an.

Lovelyn: Das stimmt! Was denken denn die anderen? Gerade den Mädchen dürfte ihr Äußeres nicht egal sein, sonst würden sie sich nicht jeden Morgen vorm Spiegel zurecht machen. Oder macht jemand Sport, um eine bessere Figur zu bekommen?

Stille im Klassenzimmer.

Lovelyn: Keine Meinung? Okay, dann habe ich euch was mitgebracht.

Lovelyn pinnt zwei Bilder an die Tafel. Auf dem einen Bild ist Marilyn Monroe in einem weißen Badeanzug zu sehen, das andere zeigt ein Model auf einem Laufsteg im Bikini mit Engelsf lügeln.

Lovelyn Enebechi

Lovelyn Enebechi, Jahrgang 1996, wurde durch ihren Sieg bei der Castingshow „Germany‘s Next Topmodel“ 2013 über Nacht zum angesagten Topmodel. Derzeit geht die Hamburgerin selbst noch zur Schule und macht im kommenden Jahr ihr Abitur. Wenn sie nicht gerade die Schulbank drückt, ist sie als Model in ganz Deutschland unterwegs. So war sie beispielsweise bereits auf der Berliner Fashion Week auf dem Laufsteg zu bewundern und durfte zahlreiche Zeitschriften-Cover zieren.

Lovelyn: Kennt jemand die beiden?

Jonas: Das rechts ist ein Victoria‘s Secret-Model und das links ist Marilyn Monroe.

Lovelyn: Genau, das rechts ist Karlie Kloss, ein Model für Victoria‘s Secret. Was fällt euch bei den beiden auf?

Alexander: Wenn man die beiden vergleicht, dann zeigt Marilyn viel weniger Haut. Die andere trägt einen knappen Bikini, Monroe nicht.

Lovelyn: Wisst ihr, wann Marilyn Monroe gelebt hat?

Luca: In den 1950er Jahren.

Lovely: Genau. Damals war das Schönheitsideal noch ganz anders: Sie hat mehr Oberweite und mehr Kurven im Vergleich zu Karlie Kloss. Heutzutage geht es auch darum, möglichst schlank zu sein. Welche Frau findet ihr schöner?

Carina: Ich find Marilyn Monroe schöner, weil sie
nicht so dürr ist.

Medi: Karlie Kloss sieht gestellt aus, Marilyn wirkt viel natürlicher.

Franzi: Es ist wichtig, dass man sich nicht abmagert, sondern einfach so aussieht, wie man eben aussieht. Ob dick oder dünn, man sollte es nicht krankhaft versuchen zu ändern.

Lovelyn: Glaubt ihr denn, dass die Models nichts essen?

Luca: Ich denke nicht, dass sie komplett auf Essen verzichten. Sie werden sich einfach gesünder ernähren und mehr Sport machen.

Lovelyn: Genau! Bei mir ist es eine Kombination aus Ernährung und Fitness. Früher habe ich auch gedacht: Dann esse ich heute mal Nudeln oder Schokokuchen, ich gehe ja zum Sport. Das hilft leider überhaupt nichts. Es geht nicht darum, abgemagert zu sein, sondern straff auszusehen. Und das geht nur mit Sport und gesunder Ernährung. Sobald es wabbelt, ist es nicht mehr ideal.

Carina: Wie sah das denn während deiner Zeit bei Germany‘s Next Topmodel aus? Hattet ihr da auch einen Plan, an den ihr euch halten musstet?


Schultern nach hinten, Kinn nach oben und lächeln
nicht vergessen!

Lovelyn: Wir hatten den Luxus, dass wir bei den  Dreharbeiten immer ein Büfett hatten mit allem, was das Herz begehrt. Der ein oder andere hat deshalb zugenommen. Dann wurde uns ebenso Fitness und gesunde Ernährung näher gebracht, weil wir als Models auch lernen mussten, auf unsere Linie zu achten. Und mittlerweile sind die Büfetts ebenso gesünder geworden. Ich selbst ernähre mich gesund und mache viel Sport. Es geht mir nicht darum, dass ich nie Süßigkeiten esse – ich liebe Süßigkeiten. Aber mit gesunder Ernährung fühlt man sich besser. Das hat für mich auch nichts mit abmagern zu tun. Ich bin aber ganz ehrlich, ich finde Marilyn Monroe schöner als Karlie Kloss. Aber Karlie ist das, was gefragt ist. So muss man als Model aussehen, wenn man erfolgreich sein will.

Einige Köpfe im Klassenraum nicken.

Lovelyn: Jetzt habe ich ein kurzes Experiment mit euch vor. Lea und Stefan, kommt mal bitte zu mir.

Die beiden Schüler gehen nach vorne und stellen sich mit dem Rücken zur Tafel.

Lovelyn: So steht ihr immer da, oder? Darf ich euch anfassen?

Einige Schüler fangen zu kichern an. Lovelyn packt Stefan an den Schultern und drückt sie leicht nach hinten.

Lovelyn: Fällt euch ein Unterschied auf?

Carina: Sieht ziemlich steif und unnatürlich aus. Kein Mensch steht so da.

Lovelyn: Es sieht aber selbstbewusster aus. Durch Körperhaltung kann man viel an seiner Ausstrahlung verändern. Wenn man mehr lächelt zum Beispiel.

Stefan setzt ein gequältes Lächeln auf. Die Klasse lacht schallend.

Lovelyn: Nehmt Platz, ich will euch nicht weiter quälen. Da wir im Kunstunterricht sind, sollt ihr auch was
malen. Ich nehme eine Pose ein (sie stemmt eine Hand in die Hüfte) und ihr habt ein paar Minuten, um mich zu zeichnen.


So viel Lob sind die Schüler gar nicht gewohnt

Die Schüler kramen ihre Skizzenblöcke hervor und beginnen mit ihrer Zeichnung. Lovelyn verharrt mehrere
Minuten in einer typischen Modelpose. In der Zeit tuscheln einige Schüler leise miteinander und zeigen sich ihre Zeichnungen.

Lovelyn: Gebt euch Mühe, ich schau mir das gleich an und will nicht, dass ich doof aussehe!

Timo kramt panisch seinen Radiergummi hervor.

Lovelyn: Nein, du musst jetzt nicht alles weg radieren.

Schallendes Gelächter.

Lovelyn: Okay, ich gehe jetzt mal herum und schaue mir eure Zeichnungen an. Aber keine Angst, ich kann überhaupt nicht zeichnen.

Lovelyn geht durch die Reihen und betrachtet die Ergebnisse der Schüler.

Lovelyn: Alexander, bis jetzt warst du mir sympathisch! (lacht) Ach Quatsch, ich sehe halt ein bisschen männlich aus.

Alexander: Ich bin ja noch nicht fertig, das Gesicht kommt noch!

Lovelyn geht weiter durch die Reihen und lobt die Schüler für ihre Zeichnungen.

Lovelyn: Also das habt ihr alle gut gemacht. Mir ist aufgefallen, dass viele einfach los gezeichnet haben und nicht mehr so sehr auf den Körper geachtet haben. Mein Bein stand zum Beispiel etwas weiter weg, das hat kaum jemand bemerkt. Aber das ist nicht schlimm. Eure Zeichnungen sind echt schön geworden. Das hätte ich nie so gut hinbekommen.


Und zum Schluss alle so SMIIIIIILE!

 

Fazit aus der Klasse:

Carina, 17

Eine coole Stunde! Lovelyn war sehr natürlich und ist auf all unsere Fragen
eingegangen.

Note: 1

 

 

Alexander, 18

Sie war am Anfang etwas nervös, hat dann aber ihr Ding durchgezogen.

Note: 1-

 

 

Medi, 16

Es war super interessant, mal einen Einblick ins Model-Business zu bekommen.

Note: 1
 

 

Text: Mireille Huditz
Fotos:
Norbert Neumann

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