Vertretungsstunde

„Facebook ist uncool.“

Einfach mithilfe des Internets ein Star werden? Der Comedian Kaya Yanar musste noch den Weg über das Fernsehen gehen und sprach mit den Zehntklässlern des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums in Frankfurt über soziale Medien, Hasskommentare und Herausforderungen.

27. März 2017 - 11:01
SPIESSER-Autorin Miliane.
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Miliane Offline
Beigetreten: 20.01.2014

Kaya Yanar betritt den Klassenraum und begrüßt die Schüler mit der Stimme von Ranjid: Hallo. Stille.

Kaya: Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Die Klasse lacht.

Kaya: Wir haben heute ein Thema, von dem ich keine Ahnung habe: Social Media. Stille.
Seid ihr immer so brav?  Habt ihr irgendwelche Fragen? Ansonsten können wir Pause machen. Gelächter.

Kaya: Ihr dürft einfach reinschreien, ihr müsst euch nicht melden. Melden ist so 80er. Ich bin gar nicht so ein riesiger Social Media-Experte, ich muss mich aber damit auseinandersetzen. Als ich 2001 durchs Fernsehen zu zweifelhaftem Erfolg kam, gab’s noch kein Facebook oder YouTube und heute gibt’s YouTube-Stars, die kennt ihr bestimmt alle besser als ich.

Die Klasse diskutiert über verschiedene YouTuber.

Kaya: Ihr bringt mir gerade Social Media bei! Was ich an YouTube richtig cool finde, ist, dass man an den linearen Medien vorbei bekannt werden und Geld verdienen kann. Früher musste man durch den Wasserkopf des TVs durch. Man musste sich casten und einladen lassen und die Leute überzeugen. Dann hatte man Redakteure, die einen entweder mochten oder nicht und das hat ewig gedauert. Und man musste Glück haben. Jeder von euch kann von heute auf morgen berühmt werden. Ist das attraktiv?

Schüler: Nein. Gelächter.

Kaya: Wer von euch hat denn einen Facebook-Account oder beschäftigt sich mit Facebook?

Lyyli: Facebook ist voll oldschool!

Lana: Wir haben eher Snapchat und Instagram.

Kaya: Das finde ich gut, weil ich Facebook auch uncool finde. Und zwar, weil es nicht kontrolliert wird. Wir haben leider eine Internetkultur bekommen, die ich ziemlich kritisch betrachte. Es wird beleidigt, es gibt rassistische Kommentare, es gibt Hetze. Wenn man zum Beispiel einen Hass-Kommentar bei Facebook meldet, kommt vier Tage später eine automatisierte Antwort: „Wir konnten nichts feststellen.“ Es wird also gar nicht angeguckt. Und dadurch eskalierte eine Kultur in Deutschland, die einfach nicht gut ist. Trotzdem finde ich es cool, dass jeder die Chance hat, seinen eigenen Kanal aufzumachen. Jeder von euch hat vielleicht in Zukunft einmal etwas zu erzählen und kann das auch machen.

Kaya Yanar zählt mehrere YouTuber auf, die Klasse ist von den meisten eher weniger begeistert. Vor allem Mathilda regt über die teuren Duschschäume (4 Euro!) von Bibis Beauty Palace auf.

Kaya: Ich finde es gut, dass ihr so kritisch seid! Wovon Social Media meiner Meinung nach lebt, ist etwas, was das Fernsehen nicht hat und das ist Authentizität. Das Fernsehen ist durchgescriptet. Es gibt kaum eine Sendung, die nicht vom Teleprompter abgelesen wird.
Kaya steht auf und zeichnet eine Kamera mit Teleprompter und Schauspieler-Strichmännchen an die Tafel.

Kaya YanarKaya Yanar wurde 1973 in Frankfurt am Main geboren. Bekannt wurde er 2001 durch die Fernsehshow „Was guckst du?!“. Seit 2014 ist Kaya mit seiner Show „Geht’s noch?! Kayas Woche“ im TV zu sehen. Derzeit ist er mit seinem Programm „Planet Deutschland“ auf Tour:

23.04.2017 (19:00) – Bamberg, Bamberger Konzert- und Kongresshalle
28.04.2017 (20:00) – Kiel, Kieler Schloss
06.05.2017 (20:00) – Wetzlar, Stadthallen Wetzlar
11.05.2017 (20:00) – Köln, E-Werk
12.05.2017 (20:00) – Dortmund, Westfalenhalle 3A
02.12.2017 (20:00) – Berlin, Tempodrom

Alle weiteren Termine findet ihr auf www.kaya-yanar.de!

Kaya: Bei Nachrichtensprechern, Schauspielern, sogar bei Comedy-Sendungen wird von Promptern abgelesen. Das ist nicht authentisch. Das ist auch das Problem, was wir momentan haben. Frustrierte Leute schreien „Lügenpresse“ und sagen, dass das alles nicht echt ist. Und da kommt jetzt das Internet, wo viele den Eindruck erwecken, dass sie authentisch sind. Ist das etwas, was euch reizt?

Alexander: YouTube ist ja auch oft gescriptet und wirkt nur authentisch. Fast alle großen YouTuber haben ja auch Teams und stehen nicht einfach allein vor der Kamera.

Leah: Je bekannter sie werden, desto gespielter ist es.

Kaya zu Benni (in der ersten Reihe): Und was guckst du so?

Benni: Die heute-Show.

Kaya: Das finde ich interessant, weil das eine politische Sendung ist. Wen interessiert noch die heute-Show?
Ungefähr die Hälfte der Schüler meldet sich.

Kaya: Wir waren damals gar nicht so politisch interessiert. Heute gibt es kaum einen Comedian, der keine politischen Witze hat oder nicht dazu befragt wird, eine politische Meinung zu haben. Und wie viel Zeit verbringt ihr ungefähr am Tag im Internet?

Mathilda: Zu viel.

Kaya: Ich muss auch zugeben, dass ich total abhängig vom Internet bin. Ihr habt den Vorteil, dass ihr mit Handys und Smartphones aufwachst und einen natürlichen Zugang dazu habt. Auf der anderen Seite werdet ihr wahrscheinlich mehr Schwierigkeiten haben, euch davon auch nur zeitweise zu trennen.

Mathilda: Ich finde das auch schade. Ich habe es schon erlebt, dass kleine Kinder schon mit iPads spielen. Meine Kindheit war vor allem dadurch geprägt, dass ich draußen gespielt habe. Viele Kinder beschäftigen sich heute gar nicht mehr miteinander.

Kaya: Da kommt es auf die Eltern an. Ich kenne zum Beispiel Eltern, die ihre Kleinkinder stillstellen, indem sie ihnen ein iPad geben. Das ist – krass gesagt – wenn die Eltern kein Bock haben, sich um die Kids zu kümmern. Das sind alles Herausforderungen unserer Zeit. Was interessant ist, da ihr als heranwachsende Generation einen ganz anderen Zugang dazu habt. Herausforderung für euch wird sein, dass ihr euch vielleicht eines Tages von den Sozialen Medien unabhängig machen müsst.

Fazit aus der Klasse:

 

Mathilda, 16

„Mir hat an der Stunde vor allem gefallen, dass jeder seine eigene Meinung sagen konnte.“

Note: 2+

 

 

Julius, 16

„Ich fand die Stunde gut, weil man offen über alles reden und sich auch kritisch mit dem Thema auseinander setzen konnte.“

Note: 2

 

 

Alexander, 16

„Die Stunde war ziemlich gut! Es war sehr interessant, den Blick auf Social Media aus der Sicht eines ehemaligen Schülers zu sehen.“

Note: 1

 

Text: Maxi Schmidt
Video: Benjamin Schindler
Fotos: Julia Bengeser

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