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Es kann nur Einen geben

 
13.10.2009 - 11:44
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SPIESSER-Redakteur Robert über die gescheiterte Fortsetzung von Salingers „Fänger im Roggen“

So so, eine Fortsetzung lag also schon druckreif in der Schublade des Verlags. Ein New Yorker Gericht hat aber die Veröffentlichung untersagt. Wie auch hätte das sein können: Eine Fortsetzung von J. D. Salingers Roman „Der Fänger im Roggen“?


Foto: Kiepenheuer&Witsch

Alle, die das Original schon gelesen haben, wären bei einer Veröffentlichung natürlich entsetzt gewesen. Hätten ein „Unfassbar!“ vor sich hin gemurmelt und geschworen, niemals nur ein Wort in dieser angeblichen Fortsetzung zu lesen. Wie wollte man dieses Buch fortsetzen? Auf die Idee, eine Fortsetzung der Bibel zu schreiben, kommt heute auch keiner.

Und all denjenigen, die den „Fänger im Roggen“ und somit den Antihelden Holden Caulfield nicht kennen, nicht wissen, warum er sich furchtbar aufregt über das an die Wand geschmierte "Fuck you" in der Schule seiner zehnjährigen Schwester Old Phoebe, und es trotzdem auf seinen eigenen Grabstein gemeißelt haben will. Warum ihn Allie's Tod so aus der Bahn wirft und er sich in dieser Nacht beim Zerschlagen aller Garagenfenster sämtliche Handknochen gebrochen hat und warum er sich zu Weihnachten in New York angeschossen in eine Telefonzelle schleppt – all denen, die das zum ersten Mal hören, euch sei gesagt: Sicher, es gibt viele Bücher, die zu lesen lohnt. Keine Welt geht unter, wenn man den „Fänger“ im Leben nicht wenigstens einmal gelesen hat.

Bevor die Welt doch untergeht: Hier gibt es 15 Exemplare von "Der Fänger im Roggen" zu gewinnen...
Es geht ja auch keine Welt unter, wenn man im Leben nicht wenigstens einmal geknutscht hat.

Angeblich hätte die geplante Fortsetzung „60 Years Later - Coming Through The Rye“ heißen sollen, geschrieben von J. D. California, einem 33-jährigen Schweden. Die Hauptfigur, ein gewisser Mr C., ist heute 76 Jahre alt, schmeißt das Leben im Altersheim hin und reist nach New York. Holden Caulfield warf man aus der Schule, und auch er brach auf zur Odyssee nach New York. Dort lässt ihn Salinger allerlei Skurriles erleben: Er schleicht sich nachts in die Wohnung der Eltern, er besucht einen ehemaligen Lehrer, der seine schwulen Neigungen gegenüber Holden nicht zurückhalten kann, und er flüchtet schließlich in den romantischen Entschluss, gen Westen zu trampen, um in irgendeiner Holzhütte am Waldrand zu leben, mit Frau und Kindern, die er mit Büchern selber unterrichtet.

„Der Fänger im Roggen“ wird immer wieder bezeichnet als ein Buch über die Probleme des Erwachsenwerdens.

Kann man so sehen. Nur dann ist „Farm der Tiere“ auch ein Buch über Tiere. Holden ist einfach ein 17-Jähriger, dem der Sinn für das Besondere, für das Absurde eines Augenblicks nicht verloren geht: "What he was doing, he was giving her a feel under the table, and at the same time telling her all about some guy in his dorm that had eaten a whole bottle of aspirin and nearly committes suicide." Und der sich wehrt, weil es auch ihn erwischen soll mit all dem, was man für richtig und gut und selbstverständlich hält: "In the first place, I'm sort of an atheist. I like Jesus and all, but I don't care too much for most of the other stuff in the Bible." Und der trotzdem nie aufhört, sich auf Menschen einzulassen, nur lakonisch kommentiert: "Dont't tell anybody anything. If you do, you start missing everbody." Der trocken feststellt: "Women kill me. They really do. [...] They're always leaving their goddam bags out in the middle of the aisle." Der an einer Klippe stehen will, daneben das Roggenfeld, worin die Kinder spielen, Tausende von Kindern, und der jedes einfängt, das aus dem Roggenfeld rennt und dem Abgrund nahe kommt: "I'd just be the catcher in the rye and all. I know it's crazy, but that's the only thing I'd really like to be. I know it's crazy."

Was an diesem oft als Kultroman bezeichneten Buch fasziniert, ist nicht eigentlich die Geschichte selbst, sondern WIE Salinger sie erzählt, mit welchem Sarkasmus und mit welchem Biss und natürlich im Slang der damaligen Jugendsprache. Das machte ihn in jener Zeit zum Außenseiter. Im Englischen Original von 1951 verwendete Salinger angeblich 255 mal das Wort "goddam" und 44 mal "fuck".

In einigen Ländern durfte das Buch damals gar nicht erst erscheinen; heute soll es weltweit geschätzt 25 Millionen Exemplare geben.

Salinger lebt heute 90-jährig zurückgezogen irgendwo an der Atlantikküste von New Hampshire. Selbst gewählte Isolation, und das seit den 60ern. Grimmig soll er geworden sein, regelrecht aggressiv gegenüber jeder Form von Öffentlichkeit. Die Klage gegen das Buch des Schweden reichte er selber ein. Seit 1965 hat er nie wieder irgendwas veröffentlicht; ist aber angeblich immer am Schreiben – nur für sich, wie er einmal meinte. Erschienen sind von ihm neben Erzählungen auch Kurzgeschichten, in denen er nicht selten bis ganz nach unten gräbt. Auch das ein Argument, den "Fänger" nicht nur lapidar als „Für-alle-die-nicht-erwachsen-werden-wollen-Buch“ zu bezeichnen.

Oder hier das Buch gleich kaufen:Der Fänger im Roggen.

Nochmal zu möglichen Fortsetzungen. Was Salinger selbst in einem Interview sagte, reicht, um all das zu sagen, was über eine Fortsetzung zu sagen ist: "Es gibt nicht mehr von Holden Caulfield. Lesen Sie doch das Buch noch einmal, da steht alles drin. Holden Caulfield ist nur ein Moment geronnener Zeit."

 

Und noch fünf Zitate, die überzeugen sollen, den „Fänger im Roggen“ einmal zu lesen. Oder ihn noch einmal zu lesen. Und wer auch nur drei Worte Englisch kann, sollte sich das Original besorgen!

- "Goddam money. It always ends up making you blue as hell."
- "I hope to hell when I do die somebody has sense enough to just dump me in the river or something. Anything exept sticking me in a goddam cemetery. People coming and putting a bunch of flowers on your stomack on Sunday, and all that crap. Who wants flowers when you're dead? Nobody."
"I mean if you tell old Phoebe something, she knows exactly what the hell you're talking about."
„Our foyer has a funny smell that doesn't smell like anyplace else. I don't know what the hell it is. It isn't cauliflower and it isn't perfume – I don't know what the hell it is – but you always know you're home.“
"Just as someday, if you have something to offer, someone will learn something from you. It's a beautiful reciprocal arrangement. And it isn't education. It's history. It's poetry."

Und ihr? Welches Buch ist euer unbedingt-gelesen-haben-Tipp?

Kommentare

Bild von Senfgruen

o-o-o-okay...

is notiert. ich will's jetzt lesen. :)

Mein Buchtipp: "Glück" von will Fuerguson. (http://www.amazon.de/Gl%C3%BCck-Will-Ferguson/dp/3548258778/ref=sr_1_18?...)

--->Was passiert, wenn jemand einen Lebensratgeber rausbringt, der weirklich funktioniert? Wenn alle Menschen plötzlich glücklich sind?

(Ich kann leider keine fesselten Buchvorstellungen schreiben, deshalb mach ich's kurz: Das Buch ist einfach DER Burner! :D )

Bild von Aluni

Muss nicht, aber immer wieder

großartig: "Nero Corleone" von Elke Heidenreich

Bild von Wighnomy

Der gute...

alte Herr Salinger verweigert sich,

mit Recht!

Bild von oktoberkind

...

mhh.. mitunter zu den besten büchern, die ich gelesen habe, gehören auf jedenfall
"Porträt des Künstlers als junger Hund" von Dylan Thomas und
Haruki Murakamis "Kafka am Strand"

Bild von skandal

...

ich empfehle:

- Der Steppenwolf
- Der Sandmann
- Kafkas Puppe
- Die Verwandlung :D

Bild von Lea.

...

dieses Buch ist eins der Besten die ich kenne. Super geschrieben, gute Geschichte.
Mich fasziniert auch Holdens kleine Schwester Phoebe, einfach ein phänomenales Buch !