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Weltwärts: Zu Hause bleiben oder Spenden sammeln
Die Regierung spart bei „weltwärts“: Der Traum vom Auslandsjahr mit dem Freiwilligendienst droht für Felix und viele andere zu platzen, bevor es losgeht.
Mit dem Freiwilligenprogramm „weltwärts“ werden jährlich Tausende von jungen Menschen in Entwicklungsländer versandt. Durch die diesjährigen Sparmaßnahmen der Bundesregierung sitzen nun viele von ihnen auf gepackten Koffern – mit einer Absage ihrer Entsendeorganisationen in der Hand.
Der Plan steht
Sein geliebtes Surfbrett hat Felix bereits verkauft. Das wird er in Chile nicht brauchen. Statt Wind in den Haaren und Meersalz auf der Zunge wird Felix die Realität in den Armenvierteln Santiago de Chiles zu spüren bekommen. Als Freiwilliger bei der Organisation „Un techo para Chile“ („Ein Dach für Chile“) wird er Holzhäuser bauen, welche die Wellblechhütten in den Armenvierteln ersetzen sollen. Er wird Nachhilfeunterricht geben und Freizeitangebote für Kinder und Erwachsene betreuen. Die Augen des großen, blondgelockten Abiturienten aus Rostock glänzen, wenn er von seinem Vorhaben berichtet. Im August soll es für Felix losgehen. Das ist der Plan.
Schock per E-Mail
Doch nun macht ihm die Politik einen Strich durch die Rechnung. Entgegen Ankündigungen wird der Etat von „weltwärts“, das Programm der Bundesregierung für entwicklungspolitische Freiwilligendienste, im Haushaltsjahr 2010 eingefroren. Das bedeutet, die geplante Aufstockung der Gelder um 11 Millionen Euro findet nicht statt. Die Konsequenz: Viele hundert junge Freiwillige sehen nun ihre Zukunftsplanung wie eine Seifenblase vor ihren Augen zerplatzen. Felix ist einer von ihnen.
Mitte Mai wurde ihm per E-Mail von seiner Entsendeorganisation Alegro e.V. mitgeteilt, dass er keine Weltwärts-Förderung bekommen würde. „Diese Nachricht kam so plötzlich, es war der totale Schock“, erzählt Felix rückblickend. Natürlich habe er schon im Vorfeld von den Unklarheiten bei der Gelderbewilligung erfahren. „Aber die Möglichkeit, dass es ausgerechnet unseren Verein treffen könnte, habe ich nicht ernsthaft in Erwägung gezogen.“
„Vorbereitung war unverantwortlich“
Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel friert die „weltwärts“-Mittel ein. Foto: Copyright Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim MeldeDie Absage kam nicht nur für Felix sondern auch für seine Entsendeorganisationen überraschend. Doreen Kratzsch, Mitbegründerin des kleinen Vereins Alegro e.V., schüttelt nur den Kopf, als sie an das Chaos der vergangenen Wochen denkt. Bisher habe sich Alegro e.V. immer auf die generellen Zusagen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über geplante Erhöhungen oder Kürzungen der Gelder verlassen.
Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel hat in einer E-Mail an alle Entsendeorganisationen erklärt, es sei unverantwortlich gewesen, überhaupt schon Vorbereitungsseminare durchzuführen. Doreen Kratzsch findet es hingegen unverantwortlich, wie das BMZ „weltwärts“ und Entsendeorganisationen sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben.
„Wir müssen langfristig planen“
Doreen Kratsch engagiert sich ehrenamtlich bei Alegro e.V. Foto: www.alegro-weltweit.deIm Dschungel aus Anschuldigungen und fragwürdigen Informationen finde sich niemand mehr zurecht. „Insbesondere als kleine Organisation hat man Null Planungssicherheit“. Ein Freiwilligendienst bedürfe aber nunmal langfristiger Vorbereitungen. „Der vom BMZ vorgegebene Zeitraum ist unrealistisch, allein die Beantragung eines Visums nimmt in den meisten Fällen mehr Zeit in Anspruch.“
Felix kann davon ein Lied singen. Seit dem Auswahlseminar im Februar hat er Spenden gesammelt, sich über Visum und Krankenversicherung informiert und eine schmerzhafte Gelbfieberimfpung über sich ergehen lassen. An zwei Vorbereitungsseminaren hat er teilgenommen, ein vorläufiger Vertrag wurde bereits abgeschlossen.
Notfalls ohne Förderung
In einer Pressemitteilung des BMZ vom 25. Mai heißt es, „dass alle von den Entsendorganisationen beantragten Entsendungen im Rahmen des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts […] finanziert werden können.“ Gudrun Kopp, Staatssekretärin des BMZ, erklärte, dass alle Freiwillige, die bereits unter Vertrag stehen oder sich in Vorbereitungen befinden, ausreisen dürften. Dennoch wurden nur 10 der 14 von Alegro e.V. beantragten Stellen bewilligt.
Felix will sich nun nicht mehr auf die widersprüchlichen Informationen des BMZs verlassen. Er ist fest entschlossen, den Freiwilligendienst auch ohne „weltwärts“-Förderung anzutreten. „Nach all dem, was ich bereits in das kommende Jahr investiert habe, gibt es für mich keine Alternative mehr.“
Entscheid nun der Geldbeutel der Eltern?
Sowohl Alegro e.V. als auch die anderen Freiwilligen wollen ihn bei diesem Vorhaben unterstützen. „Ich werde darum kämpfen, dass Felix mitfahren kann“, sagt sein Projektpartner Arpad. „Unsere Freundschaft ist seit der Absage noch stärker geworden. Wir haben schon so viele gemeinsame Ideen, das können wir nicht aufgeben“.
Beiden ist klar, dass die dafür erforderliche Summe von etwa 8000 Euro eine enorme Herausforderung darstellt. „Mit dem Geld könnte Felix genauso gut ein Jahr Urlaub in Chile machen“, kalkuliert Arpad. „Aber darum geht es nicht. Es geht um das Projekt, um das gemeinsame Arbeiten und um die interkulturelle Entwicklung und Gestaltung.“
Spendensuche
Felix ist empört, dass der eigentliche „weltwärts“-Gedanke in den Diskussionen um die Kürzungen mehr und mehr unterzugehen scheint. „Der Kern des Ganzen ist es doch, einen kleinen Teil in einem fremden Land zu bewegen und sich dabei selbst noch mehr zu bewegen. Nach diesem Jahr kommen wir mit einer differenzierteren Weltsicht zurück und können diese auf andere übertragen.“ Felix versteht nicht, warum jungen Menschen, die sich für eine solche Herausforderung entscheiden, nun von allen Seiten Steine in den Weg gelegt werden. Er findet, die Möglichkeit einer solchen Erfahrung sollte nicht an den Geldbeutel der Eltern geknüpft sein. Durch die „weltwärts“-Kürzung ist das jedoch nun für viele Freiwillige der Fall.
Am 5. Juni wird Felix 19 Jahre alt. Was er sich zum Geburtstag wünsche? „Mein größtes Ziel ist es, diesen Freiwilligendienst zu realisieren. Deshalb habe ich mir von Bekannten und Freunden nur Spenden gewünscht. Die erforderliche Summe ist wie der weit entfernte Horizont, den ich irgendwie erreichen muss. Ich bin jetzt schon auf halber Strecke. Umkehren ist da einfach nicht mehr drin.“
Teaserbild: Felix und Arpad geben nicht nur beim Improvisationstheater auf ihrem Vorbereitungsseminar ein Traumpaar ab. Foto: Alexa Brand
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Kommentare
Sparkurs
Also, ich dachte, ein Entwicklungshilfeminister sei primär dazu da, bei der Entwicklung verschiedener Projekte zu helfen. Also zum einen Entwicklungshilfeorganisationen wie Weltwärts zu unterstützen, zum anderen aber auch Jugendlichen in ihrer eigenen Entwicklung Fortschritte zu ermöglichen. Aber vermutlich habe ich mich geirrt ... oder?
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Die FDP baut mal wieder Scheiße
Als ob man das Geld nicht anderswo abknapsen könnte - ich wette, soo viel kostet weltwärts nicht, gemessen an dem was die Bundesregierung der Wirtschaft schenkt. Man denke nur an die Hotelsteuergeschichte.
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WAS?????
Ich bin entsetzt! Auch ich habe schon ein Bewerbungsgespräch bei weltwärts für nächstes Jahr geführt, um ein Jahr nach Peru zu gehen! Wie kann man nur an solchen Projekten kürzen?
Aber war ja klar das FDP und Union wieder so einen Mist bauen! Die Spekulanten, die die Krise verursacht haben, wären ja auch viel zu kompliziert zu belangen. Da geht man lieber den einfachen Weg und kürzt soziale Leistungen und das Elterngeld für Hartz IV-Empfänger! Wenn sie unbedingt wollen, dass Deutschland in der ungebildeten Masse versinkt.... Dann wander ich aus, wie soll man das aushalten.
Ich kann mich grad gar nicht genug aufregen, mein Schreibstil ist deswegen auch etwas wirr. Jedenfalls unterstützt unsere "Arbeiterpartei" mal wieder die Großunternehmer anstatt die eigentliche Arbeiterschicht.
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Sozial sein. Anderen
Sozial sein. Anderen freiwillig helfen. Helfen wollen. Ohne Hintergedanken.
Immer mehr Leute lassen sich auf ein Weltwärtsprogramm ein, um freiwillig anderen Leuten, denen es vielleicht nicht so gut geht, helfen zu können.
Sie verlassen ihr zu Hause für ein Jahr, damit andere Leute es besser haben. Sie verzichten auf Freunde und Familie. Für ein Jahr. So ein Jahr kann verdammt lang sein.
Diesen Leuten, ja grade diesen Leuten sollte man doch umso mehr helfen. Sie in ihrer Sache noch mehr unterstützen. Wenn nicht diese Leute genügend Mittel für etwas bekommen, wer dann? Praktikanten, die im nächsten Supermarkt versuchen Glück zu haben?
Meiner Meinung nach kann dieser Entschluss der Regierung andere Länder stark beeinflussen. Die 'weltwärts-Programme' brauchen diese Freiwilligen, um anderen Leuten helfen zu können. Ja, jedes dieser Programme braucht diese Freiwilligen. Und die brauchen nunmal die Unterstützung der Regierung. Es sollte ein schönes Miteinander sein. Sowas funktioniert nicht, wenn einem die nötigen Mittel gekürzt werden.
Ich befürchte leider, dass die Beteiligung an 'weltwärts-Programmen' stark zurück gehen wird, wenn sich die Regierung entgültig dafür entscheidet, die Mittel zur Unterstützung der Freiwilligen zu kürzen.
Ich bitte unsere Regierung, dass Sie jegliche Gedanken zu dem Thema 'Kürzung der Mittel für Weltwärtsprogramme' durchstreichen. Sie nicht beachten. Anders wird es in einigen Jahren vielleicht niemanden mehr geben, der sich für ein 'weltwärts' Jahr bereit erklärt.
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