Passt auf Passiv auf!
Schreiben ist Handwerk und Handwerk kann man lernen. SPIESSER.de hilft. Diesmal: Passiv vermeiden
Träge und hässlich
Die Lehrbücher der Schreiber-Zunft sind voll des Frustes. Nicht nur wegen hässlicher Substantive oder wegen übermäßigen Gebrauchs von Füllwörtern, Adjektiven oder Hilfsverben. Nein, auch Sätze im Passiv bekommen in irgendeinem Kapitel jeder auch nur mittelmäßigen Stilfibel ihr Fett weg. Und was soll man sagen: Die Autoren der Lehrbücher haben Recht. Passiv ist nicht nur hässlich, auch noch unkonkret und träge. Achtet mal darauf, wie Kinder sprechen. Kein Kind konstruiert Passivsätze. Kinder haben zwar eine einfache, dafür aber eine lebendige und konkrete Sprache. Dialekte funktionieren übrigens auch ohne Passiv, und Dialekte sind beispielhaft für lebendigen Sprachgebrauch.
Passiv bringt tote Worte
Ein Beispiel: „Unserem Lehrer Herrn Sowieso wurden die Haare gekürzt.“ Einmal steht hier das hässliche Hilfsverb „wurde“. Auf einen so nichtssagenden Buchstabenhaufen sollten Schreibende verzichten. „Wurde“ ist ein totes Wort. Und wir wollen ja einen lebendigen Satz, einen Text, der sich bewegt.
Zum anderen verschleiert das Passiv den Urheber einer Handlung, drängt uns also die Frage auf: Wer ist oder wer war der Handelnde? Denn wer Herrn Sowieso nun die Loden gekürzt hat, das wissen wir nicht. War er beim Frisör, hat er besoffen einen Mähdrescher gestreift oder haben gar seine Schüler Hand angelegt?

Dabei ist das Passiv leicht zu umgehen. „Mein Vater verbot mir, das Haus zu verlassen“, das ist doch mal eine klare Ansage, statt zu schreiben: „Mir wurde verboten, das Haus zu verlassen“. Meist kann man Passivsätze in Aktivsätze umwandeln. Einfach ein Subjekt suchen, also irgendjemanden, der handelt, wie eben den Vater oder den Hausmeister. Denn mit dem hatte unser Lehrer eine Wette laufen: „Der Hausmeister kürzte Herrn Sowieso die Haare.“ Aha, da haben wirs.
Lieber "man" als Passiv
In einem Fall aber sind sich die Schreiber nicht einig: Nämlich wenn sich einfach nicht eindeutig sagen lässt, wer handelt oder der Handelnde war. Der Schreiber weiß nicht, wie es sich nun zutrug mit den Haaren des Herrn Sowieso. Und in solchen Fällen drängt sich das leidliche „man“ auf: „Man kürzte Herrn Sowieso die Haare.“ Ist Geschmacksache. Ich meine: Lieber einen Satz mit „man“, als ihn ans Passiv verloren zu geben. Denn in Aktivsätzen steckt Kraft, Aktivsätze sind immer ungleich stärker in ihren Aussagen als Sätze im lahmen Passiv.
Gibt es überhaupt Fälle, die zwingend nach einer Passivkonstruktion verlangen? Etwa wenn Herr Sowieso auf der Straße stürzte und sein langes Haar so auf die Straßenbahnschienen fiel, dass beim Überrollen zwar nicht der Kopf, wohl aber seine Haare ab waren. Könnte man dann Passiv schreiben? Könnte man, schließlich handelt eine Straßenbahn nicht selber. Der garstige Straßenbahnfahrer hingegen schon, so dass man immer noch formulieren könnte: „Der Bahnfahrer ließ die Räder seiner Straßenbahn ohne zu bremsen über die Haare des Herrn Sowieso rollen.“
Ich behaupte mal: Es findet sich immer ein Subjekt; auf Passivsätze sollten wir Schreiber besser verzichten. Jemand anderer Meinung?
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Kommentare
Verkleinerung der Sprache`?
dann stell ich mich mal wieder als erster in die ecke^^
Robert, du sprichst hier ganz sicher nur von einem journalistischen Schreibstil der nur dazu gedacht ist in einem journalistischen medium zu erscheinen und der nur den zweck hat den leser zu unterhalten und ihn zu informieren.
Ansonsten sage ich dir nämlich: so ein scheiß! Schaffen wir doch gleich den konjunktiv mit ab, den kann eh kaum einer und er liest sich so hässlich mit "äs" und so. Gäbe, möge und co. Aber halt, das wäre ja besser, dann müsste mann das böse "würde" nicht benutzen.
Du bist ein Fachmann für journalistische stile, ich gestehe dir das gerne zu, dass man hier versuchen sollte, so zu schreiben wie du es sagst.
aber herrgott bitte mach doch die schöne deutsche sprache nicht kleiner als sie ist, nur weil irgendwer mal gesagt hat, dass passiv doof sei!
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Antwort
Hab nicht gesagt, Passiv ist doof. Nur hässlich. Deine Kritik in allen Ehren, aber so ein Hammerargument les ich da nich raus, außer natürlich dieses inbrünstige "so ein scheiß".
Ich will keinen "journalistischen Schreibstil, der nur den Zweck hat, den Leser zu unterhalten". Ich wünsche mir lediglich einen Stil - verbunden mit Inhalt -, der den Leser vom ersten bis zum letzten Wort eines Textes bei der Stange hält, egal ob Reportage, Hartz IV-Broschüre oder Gebrauchsanweisung. Übrigens Konjunktiv: Welch großartige Erfindung. Bitte öfter gebrauchen. Und Holm, komm wieder raus aus der Ecke, das steht Dir nicht!
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also holm
nenn mir doch mal bitte einen lit. schreibhstil in dem passiv bersonder sinn macht. in der lyrik gibt es oft subjekte (das lyrische ich, du, wir ihr) wenn handlung erfolgt. in der prosa z.B. in der erzählung macht passiv auch keinen sinn. (schließlich will ich beim beschreiben einer handlung, das handelnde subjekt nicht vorenthalten.
sinn macht der passiv nur in der sprache wenn ich (wie robert schon erwähnte) beim empfänger fraugen aufwerfen will.
ich sage z.B. "unserem lehrer wurden die haare geschnitten."
damit er ganz fiebrig und gespannt fragt: "von wem!?!?"
ansonsten ist der aktiv einfach schöner und es leigt in der na5tur der sprache sich zu entwickeln.
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Wirkung.
Ich weiß zwar was du meinst Holm- ich hasse auch diese ganzen Regeln die einem immer aufgedrückt werden, nur weil sie IRGENDJEMAND mal aufgestellt hat- aber hinterfrag dich doch mal selbst.
Wenn du so einen Text liest fühlt man sich dann nicht einbezogen und es bleiben immer Fragen offen (wer hat jetzt was warum gemacht?)..es ist eher eine unterschwellige WIrkung.
Wenn es dir nicht so geht, dann schreib doch mal einen Text mit Passivkonstruktionen- ich bin die erste die ihn lesen wird und sich vom besseren belernen lässt.
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Gegen "man"
Hallo,
relativ frisch von der Schule habe ich noch gut in Erinnerung, dass wir unter allen Umständen vermeiden (!) sollten, das Wörtchen "man" zu verwenden. Vielleicht habe ich das ein paar Jahre zu viel gehört, aber ich finde auch, dass "man" unpersönlich, nicht definiert ist. So habe ich es mir angewöhnt, jeden "man"-Satz umzuformulieren in Passiv-Sätze.
Allerdings ging es bei den Belehrungen in der Schule mehr um wissenschaftliche Texte und Arbeiten.
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Ich bleibe in der Ecke stehen
soo herr robert? In der ecke wirst du mich aber noch oft finden im nächsten jahr, das sage ich dir^^
Das argument ist, schöpfe die möglichkeiten der deutschen sprache aus, wo es angebracht ist! Über schrift zu diskutieren ist in so fern sinnlos, als dass du es wahrscheinlich falsch aufnehmen würdest. ich finde einen solchen text höchst unangebracht, sofern nicht deutlich wird, dass sich hier auf ein journalistisches Medium bezogen wird. (von wem? Vom autor!) Und ich habe Bedenken, dass es so weitergeht und hier Richtlinien genannt werden (von wem? vom autor!), die zur kranken Vereinfachung der Sprache führen. Schonmal was neusprech gehört? Stichworte sind da: machen, sagen, denken.
Ansonsten geht es hier ja um eine journalistische Ausdrucksform und in so fern haben wir alle gelernt/lernten wir von Robert, wie man es so macht, "dass die leser bei der stange bleiben".
und mario: wer mir mit "sinn macht das nur" kommt... was soll ich dir da zu sagen? -.-
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bash-geboomt ._.
Da les ich vorgestern diesen Text. ._.
Schreibe dann heute selber einen (liebe Grüße an Frau Fuchs^^). ._.
Will 'nen Passiv bilden - und dann hat's
BOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM!
gemacht.
Mir fällt schlagartig dieser Artikel ein - und als hätten Aliens in meinem Hirn gewerkelt, schreibe ich ihn um!
Ja, so leicht lasse ich mich beeinflussen! :(
Und doch fällt es mir manchmal schwer, mich von verschachtelten Sätzen, substantivierten Verben und Adjektiven, und einem stälzenden Schreibstil zu verabschieden - weil ich's den Leser (die sich ja nur auf Mitschüler und Lehrer beschränkten)gerne schwer gemacht habe.
Da wurde man sogar für angeblich ausgeprägte Eloquenz gelobt (<-- "Substantiv-Alarmglocke!" >.<)
Und wie heißt es so schön:
"Wenn du mit Wissen nicht überzeugen kannst - verwirre mit Schwachsinn!"
:)
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@holm
der zwiebelfisch ist mit sicherheit keine grundlage für eine adäquate, schöne sprache.
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Passiv macht Sinn
Da fällt mir doch durchaus eine sogar sehr sinnvolle Verwendung des Passiv ein, und zwar zur Betonung einer Opferrolle: "Ich wurde vom [Platz für intensiven Adjektivgebrauch] Herrn ... rausgeschmissen!" klingt doch viel Mitleid erregender als: "Herr ... hat mich rausgeschmissen!", oder etwa nicht.
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nö
"Herr hat mich rausgeschmissen." klingt gewaltiger. Und je gewaltiger, desto bemitleidenswerter das Opfer.
...um das mal zu widerlegen!^^
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