Lebendig und zum Anfassen
Wem die Begriffe Endoplasmatisches Retikulum und DNA normalerweise einen Schauer über den Rücken jagen, der sollte sich im phaeno Wolfsburg umsehen, so wie SPIESSER.de-Autorin Bine.
Für alle, die Biologieunterricht als einzigen Graus empfinden, habe ich eine gute Nachricht: Es muss nicht immer unverständlich und langweilig sein. Im November hat im Wolfsburger phaeno die Ausstellung „Bausteine des Lebens“ ihre Pforten geöffnet, die mit vielen Exponaten und Experimenten zum spielerischen Entdecken von Genen, Zellen und DNA einlädt. Die habe ich mir einmal genauer angesehen.

Station 1: Siehst du aus wie ich?
Da ich vor allem viel anfassen und selber machen will, schaue ich mich nach meiner ersten Experimentierstation um. Mein Blick fällt auf eine seltsame Holzsäule, an der verschiedene Haarsträhnen, Augen in unterschiedlichen Farben, Nasenmodelle und Spiegel angebracht sind. Hier darf sich jeder Besucher einmal genau anschauen – und dann herausfinden, wie viele Menschen genauso aussehen wie man selbst. Ich mache also den Test, gebe meine Augenfarbe und Haarfarbe in einen Computer ein und versuche als nächstes meine Nasenform zu bestimmen: Gerade, krumm oder gebogen? Ich entscheide mich für gerade und stehe schon wieder vor der nächsten Hürde: Ist mein Ohrläppchen angewachsen? Nachdem ich den PC mit all meinen Merkmalen gefüttert habe, bin ich gespannt auf das Ergebnis. Genau 26 von rund 30.000 Besuchern sehen aus wie ich. Viele sind das nicht.
Station 2: Die Augen hast du von Mama
Aber warum sehe ich eigentlich so aus? An der nächsten Station erfahre ich, wie Gene vererbt werden. Ein weiterer Computer fragt mich nach meiner Augenfarbe – und der meines Ehepartners. Da ich noch nicht verheiratet bin, nehme ich einfach meine Eltern als Beispiel. Meine Mama hat blaue Augen, mein Papa auch. Das heißt für mich ganz klar: 100-prozentige Wahrscheinlichkeit für blaue Augen. Stimmt ja auch. Aber was wäre, wenn mein Papa grüne Augen hätte? Oder meine Mama braune? Dann hätte ich keine Chance auf blaue Augen – sagt der Computer jedenfalls. Wahrscheinlichkeiten kann man übrigens nicht nur für die Augenfarbe, sondern auch für die Blutgruppe, Milchzuckerintoleranz oder Farbsehschwäche errechnen lassen. Ein schönes Spielzeug und ich weiß jetzt auch, dass meine Kinder wahrscheinlich mal grüne Augen haben werden, nicht farbenblind sind, Blutgruppe 0 haben und Milch sehr gut vertragen.
Station 3: Hilfe! Meine Zellen sind lila!
Computer sind schön und gut, aber nach zwei Bildschirmstationen will ich jetzt selber ein bisschen hantieren – und dafür kommt mir das Biolabor gerade recht. Untersuchungsobjekt sind meine Mundschleimhautzellen. An einem kleinen Tisch mit kleinen Fläschchen, Objektträgern und Mikroskop mache ich es mir gemütlich und beginne mit meinem Versuch. Erst den Objektträger nehmen, einen Tropfen Wasser draufgeben und dann mit einem Zahnstocher an der Innenseite meiner Wange umherschubbern. Danach rolle ich den Zahnstocher auf dem Objektträger umher, lasse das Ganze von einer Maschine trocknen und darf dann eine lustige lila Flüssigkeit auf meine getrockneten Zellen tropfen. So kann ich die eingefärbten Zellen unter dem Mikroskop besser erkennen. Besonders der Zellkern sieht ziemlich interessant aus. Und sowas wuselt in meinem Mund herum?
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SPIESSER-Autorin Bine war im phaeno in Wolfsburg unterwegs. Was es dort alles zu sehen gab, hat sie mit ihrer Kamera für euch festgehalten.
Station 4: Die Zeitmaschine
Meine letzte große Station in der „Bausteine des Lebens“-Ausstellung, ist die Zeitmaschine. Leider kann man damit nicht in die Zukunft oder Vergangenheit reisen, aber so etwas in der Art. Ich lasse von einer Kamera ein Foto von mir machen, bestimme genau wo meine Augen und mein Mund sind und schon einige Minuten später habe ich drei Bilder von mir: Eines als Kind, als Jugendlicher und als alte Frau. Da ich noch Jugendlich bin, interessiert mich vor allem, wie ich wohl in 50 Jahren aussehen werde. Das Ergebnis ist ein kleiner Schock. So sehe ich aus, wenn ich alt bin? Graue Haare, braune Flecken im Gesicht und von den Falten will ich gar nicht erst anfangen. Da hüte ich mich doch lieber vorm Altern – oder werde demnächst sicher die beste Kundin der Anti-Falten-Industrie.
Natürlich war das noch längst nicht alles. In den restlichen zwei Stunden meines Aufenthalts habe ich Termiten beim Holz fressen zugeschaut, eine Zelle zusammengebastelt, mit einem Roboter gesprochen und vor einer gestreiften, schwingenden Wand versucht auf einem Bein zu stehen. Ich habe Luft durch die Gegend geschossen, Wasser mit Tönen zum Umherwirbeln gebracht, Rauchzeichen gegeben und mich wie ein Fakir auf ein Nagelbett gelegt. Am Ende habe ich mich zwar so gefühlt, wie ich auf dem Zeitmaschinen-Bild ausgesehen habe, dafür habe ich aber auch viel gelernt. Und das war garantiert nicht langweilig.
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Artikel und Bilder: Sabine Gurol
Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit der Initative „MINT-Zukunft schaffen“ erstellt.








