Nachgefragt

Evolution der Technik – wo stehen wir?

Katherine G. Johnson, Nikola Tesla, Steve Wozniak, James Watt, Ada Lovelace, Elon Musk – die Zukunftsvisionen der Erfinderinnen und Erfinder, der Ingenieurinnen und Ingenieure sowohl von damals als auch von heute prägen unsere Art zu leben. Was einst Science-Fiction war, ist heute unser ständiger Begleiter, und diese Entwicklung ist längst nicht abgeschlossen.

01. November 2019 - 09:46
SPIESSER-AutorIn Kevin Groth.
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Kevin Groth Offline
Beigetreten: 15.01.2019

„Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ – Wir schreiben den 20. Juli 1969, nach mehreren Fehlschlägen ist es der NASA mit der Apollo-11-Mission gelungen, Menschen auf den Mond zu bringen. In dem Moment, in dem Neil Armstrong die silberne Leiter hinab auf die Oberfläche des Mondes steigt, sehen weltweit mehr als 600 Millionen Menschen dabei zu. Dabei wiegt der Computer an Bord der Apollo 11, der AGC (Apollo Guidance Computer), der in Echtzeit Fluginformationen sammelt und in Navigationsangelegenheiten durch automatische Steuerung hilft, 32 Kilo und besitzt lediglich die Rechenkapazität eines heutigen Taschenrechners. 50 Jahre ist dieser Meilenstein der Wissenschaft und Technik nun her, eine erstaunliche Evolution folgte.

Vom Mond vorbei an den 80ern …

Willkommen im Jahrzehnt der schrägen Frisuren und Schulterpolster. Zwischen „Tainted Love“ von Soft Cell und „Smalltown Boy“ von Bronski Beat siedeln sich neu aufkommende und zunehmend verbreitete technische Errungenschaften an. Ausdruck finden sie z. B. in Form von Walkmans, der erste (Walkman TPS-L) wird im Jahre 1979 von Sony entwickelt. Außerdem erfreut sich der Radiorekorder, vor allem die tragbare Variante, großer Beliebtheit. Bereits in den 70ern finden sie ihre Hoch-Zeit, die bis Ende der 80er anhält. Im gleichen Jahrzehnt, genauer 1981, startet der Musiksender MTV seine Übertragungen und bringt den 80ern die skurrilsten Musikvideos.

An anderer Front werden Drehscheibentelefone „out“ und das Tastentelefon etabliert sich als neues Familienmitglied. Das erste Mobiltelefon, Motorolas DynaTAC 8000x, kommt im Jahre 1983 mit einem Gewicht von 800 Gramm auf die Welt und legt den Grundstein für den Ausdruck einer ganzen Generation. Zudem wird einer der bis heute tobenden Kämpfe in den 80ern entfacht: Konsole oder PC? Das Zeitalter des Computers beginnt. Überall wird gezockt. Am heimischen Fernseher werden die ersten Konsolen angeschlossen und 1989 ordnet man erste Steine in Tetris auf dem ersten Game Boy. Arcade-Spielhallen sind der „place to be“, wo neben pixelaffinen Teenagern „Pac-Man“ (1980) und der erste Jump’n’Run „Donkey Kong“ (1981) die Spielewelt betreten.

Die 80er bringen auch eine revolutionäre Wende in der Raumfahrt mit sich, denn die NASA führt eine der erfolgreichsten Missionen durch: die Voyager-Mission. Während unten der Walkman am Gürtel und der Radiorecorder auf der Schulter sitzt, die Augen auf Donkey Kong gerichtet sind und sich der erste Motorola-Muskelkater im Arm bildet, fliegt 1986 die Voyager 2 am Uranus und am Neptun vorbei. Diese Mission erforscht das äußere Planetensystem unserer Sphäre und zeigt nie dagewesene Horizonte auf.

… die Gegenwart grüßend …

Es gab Zeiten, in denen technische Errungenschaften an sich bereits Ausdruck eines bestimmten Lifestyles waren – heute ist auch die Marke ein ausschlaggebender Faktor dafür, wie man sich der Öffentlichkeit präsentiert. Die Kleidung, die wir tragen, wird abgerundet durch das passende technische Accessoire. So entscheiden wir, ob wir Apple AirPods in unseren Ohren verstecken oder große Beats zur Schau tragen. Manch einer bevorzugt die Funktionalität eines Bluetooth-Lautsprechers, um sein Umfeld mit Musik zu erfreuen. Bluetooth wird übrigens 1990 entwickelt mit dem Ziel, den lästigem Kabelsalat zu beenden. Jeder kennt das Symbol, doch kaum einer weiß, dass es zusammengesetzt ist aus den altnordischen Runen für „h“ und „b“, den Initialen von Erfinder Harald Blauzahn.

Heute fahren wir mit kabellosen Kopfhören auf einem Elektro Scooter, den wir mit einer App starten, zur nächsten FFF-Demo und diskutieren darüber, ob wir uns später einen Tesla anschaffen wollen, um nicht die Umwelt mit Abgasen zu verpesten. Tesla ist jedoch nicht nur der Firmenname und Elon Musk nicht der erste Erfinder des Elektroautos, ihre Verbindung ist aber klar: 1931 testete Nikola Tesla erfolgreich das erste Elektroauto. Während unten auf der Erde sich alles elektrifiziert, fliegt die ISS mit einer Geschwindigkeitvon 28.000 km/h um die Erde und die dort lebenden und forschenden Astronauten sehen 16-mal am Tag einen Sonnenaufgang. Darunter befindet sich nun auch ein neues Crewmitglied namens Cimon. Cimon arbeitet mit der von IBM entwickelten künstlichen Intelligenz Watson und unterstützt lächelnd die Astronauten bei wissenschaftlichen Experimenten, indem er deren Ablauf auf seinem Bildschirm erklärt.

… zum Mars!

So erleben wir mit, wie die Gedanken und die Arbeit von tausenden Erfinderinnen und Erfindern, Ingenieurinnen und Ingenieuren uns durchs Leben begleiten. Wir haben das Privileg, Technik als Unterstützung im Alltag zu nutzen und bekommen oft gar nicht mit, wie sehr unser Leben und wir als Individuen dadurch definiert werden. Wir nutzen Technik als Ausdruck unserer selbst und doch ist dies erst der Anfang. Die Zukunft hat mehr parat als jemals zuvor: Forscherinnen und Forscher haben den ersten Prototyp einer Kontaktlinse mit Zoomfunktion vorgestellt. Es wird an Kleidung gearbeitet, deren Stoff sich durch elektronische Impulse verändert und anpasst – Nanotechnologie. Winzige Maschinen helfen dabei, Medikamente im Körper an den richtigen Ort zu bringen. Hologramme sind bei Weitem keine Science-Fiction mehr. Künstliche Intelligenz und Roboter sollen uns im Alltag zur Seite stehen. Niemand muss mehr einen Führerschein machen, da das autonome Fahren das übernimmt. Menschliche Fehler, Unfälle und Krankheiten könnten dadurch ausgemerzt werden. Die Zukunft kennt keine Grenzen und die Grenzen des Menschen kann die Technologie verschieben.

Am 20. Juli 1969 landeten die ersten Menschen auf dem Mond und heute, im Jahr 2019, bereiten sich die ersten Menschen darauf vor, zum Mars zu fliegen. Space X, Tesla und NASA arbeiten nicht nur daran, den Mars zu besiedeln, sondern denken auch darüber nach, ihn zum Leben zu erwecken. Dabei lernen sie von Vergangenem, von Großartigem, und können ihre Ideen, dank der zur Verfügung stehenden Technologie, umsetzen. Die Zukunft ist jetzt!

Text von Kevin Groth, 29, an der Ostsee geborener Fischkopp, Nerd aus Leidenschaft und Bücherfanatiker.
Teaserbild: Paula Hohlfeld

 

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Kommentare

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