Das Streben nach Glück

„Mit mir selbst im Reinen“

Es gibt viele Studien und philosophische Diskussionen zum Thema Glück – und alle versuchen das einzufangen, was Menschen dauerhaft so richtig glücklich machen kann. Familie, enge Freunde oder eine Gemeinschaft, in der man sich wohlfühlt, können das am Besten. SPIESSER-Leserin Lea erzählt, warum sie glücklich ist – und das obwohl sie Gründe genug hätte, damit zu hadern.

15. Januar 2016 - 11:51
SPIESSER-AutorIn kmeyzepp.
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kmeyzepp Offline
Beigetreten: 03.12.2015

Wie ich lebe

Gerade fühle ich mich ein wenig heimatlos, weil mein Alltag und mein Leben sehr chaotisch sind. Erst vor kurzem bin ich von einer sechsmonatigen Weltreise, die von Südostasien über Australien bis nach Amerika und Island führte, zurückgekehrt. Besonders war die Reise vor allem, weil ich sie mit meiner großen Liebe antreten durfte, die ich kurz zuvor, nach zehn Jahren Beziehung, endlich geheiratet habe. Was ich auf unserer Reise erlebt habe, wirkt immer noch ein bisschen nach. Ich konnte Kraft tanken, meine Entdeckerlust stillen und merken, wie unfassbar schön unsere Welt und das Leben sein kann. Jetzt, nach meiner Rückkehr ist mein Leben immer noch sehr im Umbruch. Endlich steht der Umzug in unsere erste gemeinsame Wohnung in Trier an, wo wir beide unser Masterstudium starten: Ich in „Demokratische Politik und Kommunikation“ und mein Ehemann Michel in „Business Management“. Meine Vorfreude auf unser gemeinsames Leben ist riesig, auch wenn ich meine Freunde aus Marburg, der Stadt in der ich mein Bachelorstudium absolviert habe, und meine Familie in Lüdenscheid ab und an immer noch ein bisschen vermisse.

Warum ich glücklich bin

Mich macht total viel glücklich! Meine Familie, mein Ehemann, meine Freunde. Aber auch Sachen entdecken und neugierig zu sein. Wobei, wenn ich darüber nachdenke, macht mich wohl am glücklichsten, dass ich mit mir selbst im Reinen bin. Alleine glücklich zu sein, unabhängig von anderen, das ist mir das Wichtigste. Und auch das, was man lernt, wenn man erwachsen wird und durch schwierige Zeiten geht. Ich bin mittlerweile wieder glücklich, weil ich mir dieses Recht, auch wieder glücklich sein zu dürfen, erkämpft habe. Funktioniert hat das deshalb, weil ich mir darüber bewusst geworden bin, wie komplex, traurig und schön zugleich das Leben sein kann. Denn die Zeit, die wir auf Erden haben ist immerhin von begrenzter Dauer. Sich dessen bewusst zu sein und nicht immer nach hinten zu schieben, was man machen möchte, sondern es einfach zu tun, wie ich es zum Beispiel mit der Reise gemacht habe, das macht mich unglaublich glücklich. Weil ich weiß, dass ich in diesen Momenten das Kostbarste, das ich habe, auskoste: Mein Leben.

Warum andere denken, ich könnte unglücklich sein

Bis ich 21 Jahre alt war, habe ich ein sehr behütetes Leben geführt, bin relativ langweilig aufgewachsen und mir ging es sehr gut. Im Mai vor drei Jahren hat sich dann ganz plötzlich, ohne jegliche Vorbereitung oder Vorwarnung, mein kleiner Bruder Joel das Leben genommen. 19 Jahre war er da erst alt. Was wir nicht wussten: Er war stark depressiv. Nach seinem Tod sind dann viele Sachen passiert, die schwierig geworden sind. Manche Beziehungen sind kaputt gegangen, andere haben wieder zusammengefunden. Bei mir persönlich ist es so, dass ich immer noch eine Art innere Zerstörung in mir spüre, von der ich auch glaube, dass sie anhalten wird. Ich werde meinen Bruder mein Leben lang vermissen, da kann gar nichts helfen. Mit der Zeit ist es aber leichter geworden. Indem ich darüber spreche und meinem Bruder einen neuen Platz zuschreibe. Denn auch wenn man zunächst nicht daran glaubt nach so einem Verlust: Es wird irgendwann besser. Es wird einfacher, man hört auf, sich in den Schlaf zu weinen und kann sich auch irgendwann wieder über Dinge kaputtlachen. Die Zeit erleichtert es einem, gleichwohl sie die Wunden nicht alle heilen kann.

Text: Katharina Meyer zu Eppendorf
Fotos: Jakob Kaliszewski

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