Winter 2018/19: Essen

Unser Essen von morgen

Wie, was und wo werden wir in Zukunft essen? Und werden wir trotz steigender Weltbevölkerung genug zu essen haben? SPIESSER-Autorin Helen hat zu diesen Fragen recherchiert und einige der aktuellsten Experimente und Entwicklungen um die Zukunft des Essens für euch zusammengefasst.

27. November 2018 - 09:22
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WAS werden wir essen?

Da Kühe, Schweine und andere Zwei- und Vierbeiner viel Platz und Wasser brauchen und durch den Klimawandel die brauchbare Fläche immer kleiner wird, werden wir eine andere Tierart öfter auf unserem Teller sehen: Insekten. Mit ihrer großen Menge an Proteinen sind sie der perfekte Fleischersatz. Außerdem brauchen sie wenig Platz und Ressourcen, um eine hohe Produktion zu erzielen. In anderen Kulturen sind Insekten sowieso schon gang und gäbe auf dem Tisch, warum sollte die Globalisierung vor ihnen Halt machen? Außerdem wird es viel mehr Nahrungsmittel geben, die genau auf uns zugeschnitten sind. Neben Babynahrung wird die Ernährungsforschung auch Frauen-, Männer- oder Rentnernahrung auf den Markt bringen.

WIE werden wir essen?

Klar, wir schmecken unser Essen, wir riechen und sehen es auch, manchmal fühlen wir es. Aber hören? Genau das wird in der Zukunft viel öfter vorkommen. Laut Professor Charles Spence aus Oxford ist Geräusch genauso wichtig für unsere Wahrnehmung eines Gerichts wie Geschmack oder Geruch. In einem Restaurant in Großbritannien werden zum Beispiel Meeresfrüchte inklusive Meeresgeräuschen serviert. Und die Reaktion der Gäste? „Sehr viel frischer heute!“ Höhere Frequenzen lassen Lebensmittel süßer erscheinen. Das soll genutzt werden, um den Konsum von Zucker und anderen ungesunden Zutaten zu verringern. Gleichzeitig wird das Produkt mit einer Playlist auf der Rückseite geliefert, durch die das gleiche Geschmackserlebnis erzielt wird – nur gesünder.

WO wird unser Essen herkommen?

Eher aus dem Meer als vom Land, aber nicht nur Fisch, sondern vielmehr Seetang und andere Arten von Algen. Sie enthalten viele Vitamine und Kalzium und brauchen weder Bewässerung noch Pestizide, um zu wachsen. Neue Erfindungen werden diese Alternative auch noch deutlich attraktiver machen: Schon heute werden Algenarten verwendet, die angebraten genau wie Speck schmecken. Ein Großteil des Fleisches auf unseren Tischen wird aus Laboren kommen. Aus Stammzellen, die aus dem Blut von Rindern gewonnen werden, werden Labor-Steaks und Ähnliches gezogen. Da in den letzten Jahren die Preise schon stark gesunken sind, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Fleisch aus dem Labor in einigen Jahren normal für uns sein wird.

Werden wir alle GENUG zu essen haben?

2050 sollen neun Milliarden Menschen auf der Erde leben und alle müssen ernährt werden. Heute hungern fast eine Milliarde Menschen, obwohl wir jetzt schon Essen für zehn Milliarden produzieren. Das heißt, wir müssen nicht noch mehr produzieren, sondern effizienter werden. Dabei ist der Ausbau der „Kälte-Transport-Kette“ besonders in Entwicklungsländern sehr wichtig. Kühl-LKW statt offenen Wägen erhöhen die Lebensdauer der Produkte dramatisch und steigern den Gewinn der Bauern. Da sich die Abfallvermeidung dadurch vergrößert, wird sogar der CO2-Fußabdruck trotz Kühlwägen drastisch verringert.

Wie wird unser Essen WACHSEN?

Immer mehr Menschen ziehen in die Städte und wollen gleichzeitig immer frische Nahrungsmittel zur Verfügung haben. In der Zukunft wird der Transportweg vom Land in die die Stadt länger und aufwendiger werden. Also warum nicht Flächen in der Stadt nutzen? Beim „VerticalGardening“ werden ungenutzte Wandflächen zu städtischen Gärten. Die Firma „Bright Agrotech“ aus den USA hat ein System erfunden, mit dem die Pflanzen sich selbst bewässern und wenig Unkraut wächst, was wiederum den Verbrauch von Pestiziden verringert. Sechsmal mehr wird dadurch geerntet, man spart sich die Transportwege und es sieht auch noch schön aus.

Was wird mit dem ABFALL passieren?

Ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel landet im Müll. Da wir als Verbraucher viel Macht haben, muss ein Einstellungswechsel her. Statt immer nur das schönste Obst zu kaufen, will ein Supermarkt aus den USA zum Beispiel nur „hässliche“ Produkte verkaufen. Dabei sparen die Kunden Geld und überlegen, worauf es eigentlich ankommt. Auch Genmodifizierung soll helfen, weniger Abfall entstehen zu lassen. Äpfel können so erst später braun werden, was sie attraktiver für Verbraucher macht. Eine weitere Initiative, die schon in Südkorea getestet wurde, lässt Verbraucher für ihren Müll bezahlen. Mithilfe einer Chipkarte  und einer Waage in den Mülltonnen wird automatisch der fällige Betrag errechnet. Da überlegt man sich zweimal, was weggeschmissen wird. Plastikmüll in Form von Plastikflaschen bei Veranstaltungen soll in Zukunft durch essbare Wasserblasen vermieden werden. Die mit Hilfe von Algen hergestellte Membran kann entweder mitgegessen werden oder man beißt sie an und trinkt das Wasser heraus. Biologisch abbaubar ist sie genau wie Obst.

 

    Text von Helen Pörtner
    Teaserbild: Lena Schulze

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