Titelverteidiger

Abgehört:
Destination Anywhere

Mit deutschen und englischen Texten und den klassischen Rockinstrumenten erweitert durch Blasinstrumente sorgt das neue Album „Bomben“ durchgängig dafür, dass man seinen Fuß nicht stillhalten kann – findet jedenfalls SPIESSER-Autorin Theresa.

28. Mai 2018 - 09:32
SPIESSER-AutorIn TheresaMarie.
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TheresaMarie Offline
Beigetreten: 14.03.2018

Zu Tanz und Toleranz aufrufen wollen die sechs Jungs von Destination Anywhere aus Siegen. Ihr Punkrock gemischt mit Blasorchester, Ska-Punk also, sorgt für gute Laune beim Anhören der Songs. Ihre Texte sind schnell im Ohr und regen bei genauerer Betrachtung zum Nachdenken an. Vor allem der Titeltrack „Bomben“ und der provokative Song „Behindert sein ist schwul“, der nur aus Sprichwörtern und Stammtischparolen besteht, positionieren sich klar gegen Fremdenfeindlichkeit, Ausländerhass und die Unterstützung von Kriegen.

Doch nicht nur politisch geht es in den Songs von Destination Anywhere zu, sie thematisieren auch das Gefühl, das wohl jeder Jugendliche aber auch Erwachsener schon einmal hatte: Anders zu sein, allein zu sein, nicht dazu zu gehören. „Wie kann jemand denn nur jemanden wie dich so akzeptieren“, wie es in „Man on the Moon“ heißt. Trotz der eher bedrückenden Thematik haben auch diese Lieder keine melancholische Grundstimmung, sondern sind begleitet von Saxofon, Posaune und Trompete fröhlich wie der ganze Rest des Albums und wollen Hoffnung geben, wie beispielsweise der Song „Mode & Drogen“ mit dem Refrain: „Aber manchmal scheint die Sonne und die Blumen schaffen es durch den Asphalt und die Band spielt plötzlich dein Lieblingslied nur für dich und deine Freundin und es ist alles wieder gut“.

Besonders macht die Lieder von Destination Anywhere auch der Wechsel zwischen deutscher und englischer Sprache, auch wenn sie dieses Stilmittel nicht bei jedem Titel auf „Bomben“ einsetzen. Doch wenn sie es einsetzen, ist es besonders beeindruckend, wie beispielsweise in „Dying over here“, das auch durch den Wechsel zwischen harten Gitarrenchords und poppigen Bläserstimmen überzeugt und sich so leicht zu meinem Favoriten der Songs hocharbeitet.

„Bomben“ ist der perfekte Soundtrack für laue Sommerabende im Park, wenn man im Schneidersitz auf der Picknickdecke sitzt, mit Sonnenbrille auf dem Kopf und einem kalten Bier in der Hand.

Destination Anywhere präsentieren sich auf ihrem neuen Album als eine Band, die keine Angst hat, auch heikle Themen anzusprechen und auch über persönliche Schwächen zu reden – „doch ich bin nur ein durchschnittlicher Typ mit mittelmäßigem Charakter“ heißt es in „Astronaut“. Durch diese Ehrlichkeit werden die Songs nur noch sympathischer und man kann sich richtig einfühlen. Wenn man das Album ein paar Mal gehört hat und die meisten Texte auswendig kann, bekommt man richtig Lust, die Jungs aus Siegen einmal live zu erleben und seine Gefühle mit den Songs richtig laut rauszuschreien.

Ohrwurm: „Behindert sein ist schwul“
Hinhörer: „Dancefloor“, „Dying over here“, „Außenseiter“
Album in 3 Worten: ehrlich, provokant, echt
Passt zu: einem Abend im Park, einem Mittag am See
Erinnert an: Irie Révoltés, und ein klitzekleines bisschen an Kraftklub
 

„Bomben“ von Destination Anywhere

 

: 25.05.2018
Label: Uncle M 

 

 

 

Text: Theresa Rauffmann
Teaserbild: © Uncle M / Cargo Records

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