Titelverteidiger

Abgehört: Fantastic Negrito

Fantastic Negrito, der mit bürgerlichem Namen Xavier Dphrepaulezz heißt, ist nicht nur ein autodidaktischer Musiker, sondern auch ehemaliger Dieb und Dealer, Barbesitzer und Mitbegründer des kalifornischen Kollektivs „for struggling black artists“. Die Musik auf „Please don't be dead“ sowie die Attitüde des Fantastic Negritos haben SPIESSERin Marie umgehauen.

25. Juni 2018 - 10:13
SPIESSER-Autorin VeryMary94.
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VeryMary94 Offline
Beigetreten: 13.08.2012

Dass Xavier schon so einiges erlebt hat, ist unüberhörbar. Inmitten einer Zeit voller mainstreamiger und furztrockener Tralala-Musik bringt Negrito wieder den Sound von Funk'n'Soul und purer Lebensenergie in die abgestumpften Trommelfelder der Hörer.  

Der Titel des Albums kommt nicht von ungefähr. Sein neues Album ist keinesfalls ein Debut und irgendwie doch. Bereits in den 90er-Jahren veröffentlichte er sein Album „X-Factor“, was jedoch nicht viel Beachtung fand. Noch im selben Jahrzehnt, nur drei Jahre später, lag Xavier nach einem schweren Unfall in einem drei-wöchigen Koma. Er verletze unter anderem seine Hände in einem Ausmaß, dass sie nie wieder komplett funktionsfähig sein werden. Also hörte er auf mit der Musik. Sein Neuanfang kam mit seinem Kind, dem er zur Beruhigung etwas auf der Gitarre vorspielte. Also irgendwie doch ein Debut nach zehn Jahren ohne Musik.

Das Album bietet Tiefgang und eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik. Das Leben in den USA ist kein leichtes, als halb Somalier halb Karibianer aus einer muslimischen Familie. Die Schwere seiner Stimme in Songs wie „Dark Windows“ lässt den Zuhörer die einsameren Momente eines unzufriedenen Kinderlebens nachempfinden.

Er klagt über unser übermäßiges Konsumverhalten, Tablettenabhängigkeit und Chancenungleichheit in den USA, wie in dem überwältigendem Song „Transgender Biscuits“. Und er tut dies in einem so ganz und gar rockig-souligem Gewand, dass die Schwere dieser Themen beim Mitwippen zu seiner Musik leichter verdaulich werden. In seinem Song „Plastic Hamburgers“ singt Negrito „Let’s break out these chains, let’s burn it down“ und das ist wohl die beste Zusammenfassung seiner Lebenseinstellung. Wobei ich denke, dass der Song „Never Give Up“ eine passende Message an unsere Gesellschaft ist.

Ohrwurm: „A Letter To Fear“
Hinhörer: „Transgender Biscuits“, „The Suit That Won't Come Off“
Album in drei Worten: He ain't dead!
Passt zu: Headbanging und Haare durch die Luft schleudern
Erinnert an: Jimmy Hendrix, Dana Fuchs

Please Don´t Be Dead

VÖ: 20.06.2018
Label: Cooking Vinyl

 

 

 

 

Text: Marie Robinski
Bildmaterial: Pressematerial

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