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Abgehört: HÆLOS – „Any Random Kindness“

Elektronische Musik mit einem verblüffend kritischen Twist, das findet ihr auf dem neuen Album „Any Random Kindness" (erscheint heute, am 10.05.) von HÆLOS. Angesiedelt zwischen TripHop, Electronica und Pop wissen die vier Briten die Hörerschaft zu bannen: mit hypnotisierender Stimme der Frontsängerin und fesselnden Musikvideos.

14. Mai 2019 - 09:21
SPIESSER-Autorin heartbook.
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heartbook Offline
Beigetreten: 13.07.2012

Es sind bei weitem keine leichtfüßigen Songs, die wir auf der zweiten LP der Band präsentiert bekommen. Das Quartett hat sich der schwierigen Aufgabe gestellt, sowohl eingängige, melodische als auch inhaltlich spannende und nachdenkliche Stücke zu schreiben.

Sie bilden ein Stück unserer Generation und derzeitigen Gesellschaft ab: das Musikvideo zu „Buried in the Sand" erinnert sehr an die Gefühle und Symptome bei einer Depression oder sozialer Isolation. Irgendwie ist diese Tristesse aber gleichzeitige Anspannung im Track deutlich spürbar - trotzdem ein Ohrwurm.

In „Kyoto" wird unsere Gier angeprangert, dass wir alles haben wollen, aber eigentlich nicht wissen, was wir wirklich brauchen. Deep thinking! Hier wird wohl auch dezent auf das Kyoto-Protokoll angespielt, in welchem es um (bisher unerreichte!) Klimaschutzziele ging. Sehr zeitgenössische Musik also. Schaut euch dazu unbedingt das Musikvideo an, denn die Band hat ein Händchen für gute Geschichten und cineastisches Feeling.

 

 

Das Album wirkt aber wiederum auch sehr dreamy und gedankenverloren, zum Beispiel in „Another Universe", das einen beruhigend umschmeichelt und in andere Galaxien abdriften lässt. Ich habe hier gleich Milchstraße und Sternenbilder im Kopf. Und es klingt schon beinahe wie ein Mantra, wenn Sängerin Charlotte (Lotti) Benardout uns darin versichert: „It's alright".

Im TripHop-Track „Boy/Girl" geht es um die tröstliche Behaglichkeit die Technologie manchmal bieten kann - hier nach der Trennung einer Liebesbeziehung. Alles vergessen und sich darin verlieren und zurückziehen... Nicht wirklich befremdlich im digitalen Zeitalter, das kennen wir wohl alle.

„End of the World Party" klingt schon eher ironisch, aber auch hier sind wieder die Lyrics on point, die den fließenden, stimmigen Ohrwürmern den kritischen Twist verpassen: „You don't need the truth, only something new" und „we consume to medicate – it's the children that we loose, trust your government". Es handelt von der Flut an News, die täglich auf uns runterprasseln, von Wahrheit und der Hoffnung, dass wir als Menschen zusammenstehen und es schon irgendwie hinkriegen werden, zusammen die Zukunft positiv zu gestalten.
Der Track beginnt übrigens mit einem Beat, der sehr an die 90er erinnert - interessant, sowas auch mal in aktuellen Songs zu hören.

Das Album ist gut gefüllt mit sphärischen Klängen („Ark"), es versetzt uns in einen „Deep State". Ab der Hälfte des Albums werden diese aber deutlich langsamer, ruhiger und weniger energetisch. Mir gefällt, dass nicht nur die Stimme der Frontsängerin zum Einsatz kommt, sondern auch die der anderen Mitglieder der Band (Arthur Delany, Dom Goldsmith, Daniel Vildósola), das macht das Ganze noch abwechslungsreicher und facettenreicher.

„Happy and Sad" treibt nochmal rhythmisch den Beat voran und lässt mich automatisch mitgrooven.
Mit „Last One Out" rundet HÆLOS die Tracklist deutlich akkustischer, fast schon bluesig und weniger elektronisch ab. Albumcover, Message, begabte SängerInnen und kreative Electro-Samples ergeben ein sehr stimmiges und überzeugendes Gesamtbild.

Fazit: Ab heute bin ich Fan der Band!

Insgesamt hat mich besonders die erste Hälfte des Albums mitgerissen, die meisten Songs schlagen ein, beweisen großes Potential und haben mich zu einem Fan der Band gemacht. Die schöne Mischung aus tanzbar und melancholisch überzeugt mit Sicherheit alle Liebhaber von Electronica und TripHop, aber auch von Dancefloor-Music.

Ohrwurm: Kyoto
Hinhörer: End of World Party
Album in drei Worten: dreamy, Zeitgeist, nachdenklich
Passt zu: Gedankenverloren im Zug heimfahren und über die Welt nachdenken
Erinnert an: Pumarosa, Polynation, Vimes

„Any Random Kindness“ von HÆLOS

: 10.05.2019
Label: Matador Records

HÆLOS live:
08.10.2019 Prag | Rock Cafe
09.10.2019 Wien | Grelle Forelle
10.10.2019 Berlin | Frannz Club

 

Text: Verena Tribensky
Teaserbild: © Jeff Hahn

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