Titelverteidiger

Abgehört: ­Kings of Leon

Die Jungs von Kings of Leon feierten 2008 mit ihrem Hit „Use Somebody“ ihren internationalen Durchbruch. Es folgten ausverkaufte Konzerthallen, Auszeichnungen und ein richtiges Rockstarleben. Auf ihrem mittlerweile 7. Studioalbum kommen die vier Herren ein bisschen zur Ruhe, ohne ihren charakteristischen Gitarrensound zu verlieren. SPIESSER-Autorin Anh hat sich für euch diese musikalische Entwicklung genauer angehört.

17. Oktober 2016 - 14:06
SPIESSER-Autorin whityhumbuk.
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whityhumbuk Offline
Beigetreten: 27.06.2012

Kings of Leon sind nicht nur die absolute Lieblingsband von Oasis-Gitarrist Noel Gallagher, sondern mittlerweile mit drei Grammys prämiert und mit ihren Hitsingles „Use Somebody“ und „Sex on fire“ weltweit auf den Tanzflächen bekannt. Ihr Publikum begeistern sie vor allem durch raue, atmosphärische Gitarrensounds und der charismatischen Stimme von Leadsänger Caleb Followill.

Angefangen hat die Karriere der drei Followill-Brüder und ihrem Cousin, allerdings viel unschuldiger und ohne viel Rock’n’Roll im beschaulichen Kirchenorchester. Doch mit dem ersten Schlagzeug und einer Platte der White Stripes sollte sich ihr Sound in Nullkommanichts ändern: Die vier Jungs mieteten sich ein Haus, spielten zuerst vor Freunden und Verwandten und schon bald darauf zusammen mit den ganz Großen, wie U2 oder den Strokes. Mit dem vierten Album „Only by the Night“ schaffen sie endlich den ganz großen Durchbruch. Was folgt, sind ausverkaufte Hallen und tausende Menschen, die lauthals ihre Songs in die Welt hinausschreien. In dieser Zeit leben die vier Jungs ihr Rockstardasein mit Alkohol und wilden Prügeleien in vollen Zügen aus.

Mittlerweile sind sie aber alle Familienväter und mit Studioalbum Nummer 7 names „Walls“ am Start, in dem man die Entwicklung seiner Schöpfer geradezu hören kann. Wuchtige, musikalische Explosionen im Refrain sind schlauen Arrangements gewichen, in denen Gitarrensoli erlaubt und genaues Zuhören gefragt sind. So finden wir im Song „Muchacho“ ganz neue, ungewohnte Töne, die an eine Art Westerncountry mit Baritongitarre erinnern und ganz melancholisch die Geschichte von einem alten Freund erzählt.

Allgemein sind die Themen dieser Platte nicht mehr ganz so wild, nicht mehr ganz so zerrissen wie die ihrer Vorgängeralben. Sie klingen nicht mehr wie Mittzwanziger in ihrer „Sturm und Drang“-Phase, sondern bedachter. „Around the world“ behandelt beispielsweise in einem leicht funkigen Gewand ihre Konzertreisen rund um den Globus und das schlussendlich zuhause Ankommen. In „Waste the moment“ wird dagegen poetisch das Motto „Carpe Diem“ gelebt mit antithetischen Zeilen wie „Take the time to waste the moment“. Dabei verlieren die vier Männer allerdings nie ihren eigenen, rockigen Sound, gepaart mit Chorgesang und neuen, feineren Nuancen in Calebs Stimme, die nicht nur kraftvoll, sondern auch mal sensibel, ironisch oder federleicht klingen.

„Walls“ ist insgesamt ein Album zum mehrmals Hören und dann Knall auf Fall Verlieben. Wir überwinden gemeinsam mit der Band Mauern im Kopf und erfreuen uns an allen musikalischen Raffinessen, die wir finden können. Ein Album nicht nur für eingefleischte Fans, sondern auch Neugierige. Wer dazu Geduld und Muse findet, kann sich auf einen goldenen Herbst mit erwachsen gewordenen Rockstars freuen.

Ohrwurm: Waste a moment, Find me
Hinhörer: Muchacho
Album in drei Worten: Gitarrenriffs, Atmosphäre, Zuhause
Passt zu: Verregneten Herbsttagen, eingekuschelt in der Decke mit gespitzten Ohren

„Walls“ von Kings of Leon

VÖ: 14. Oktober 2016
Label: Rca Int. (Sony Music)

 

 

 

Text: Anh Tran Ti
Teaser-Foto: Sony Music

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