Titelverteidiger

Abgehört: Neonschwarz – Clash

„Clash“ – das klingt eher nach einem versehentlichen Zusammenstoß als nach einem harmonischen Aufeinandertreffen, aber was genau prallt da auf dem neuen Album des Hamburger Quartetts „Neonschwarz“ zusammen? Politischer Aktivismus meets Sommerohrwurm? Passt diese Kombi? Oder verursacht das ein krachendes Klirren? SPIESSER-Autorin Valentina weiß es.

10. Oktober 2018 - 09:32
SPIESSER-AutorIn Valentina Schott.
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Valentina Schott Offline
Beigetreten: 13.10.2017

Bei genauerem Hinschauen erkennt man, dass die 14 Tracks auf der neuen Veröffentlichung der nun sechs Jahre alten Band keineswegs ein buntes Sammelsurium aus dem Back-up sind, sondern dass sich Neonschwarz genau überlegt haben, mit welchen Themen sie die Ungeduld ihrer Fans besänftigen können. Gesellschaftskritik – scharf und hochaktuell – und das eher luftig-leichte Fernweh werden gut dosiert, sodass eine abwechslungsreiche Mischung entsteht: während die politischen Texte zu linkem Aktivismus aufrufen, sorgen auch poppige Hits dafür, dass das Chillen und das „Auf die faule Haut legen“ nicht zu kurz kommen.

Um ihrem neuen Werk aber erst einmal einen würdigen Rahmen zu geben, bringt die Crew schon im ersten Song „N.E.O.N.“ die Bühne zum Wackeln. „Diggi, das ist Neonschwarz. Can you handle it?“, fragt Frontsängerin Marie Curry provozierend zwischen zwei donnernden Trompetenstößen. Auch im späteren „Gleis 13“ nehmen sie und ihre drei Kollegen Johnny Mauser, Captain Gips und Spion Y kein Blatt vor dem Mund: „Was ist los? Ihr klingt alle so gleich? Wir setzen Rap wieder aufs richtige Gleis!“ Im Refrain stellen sie klar, für was Neonschwarz steht und räumen gleich zu Beginn alle Zweifel aus dem Weg: Wir sind wieder da. Nicht weniger angriffslustig, frecher und bunter als zuvor.

Um auch Ohren außerhalb ihrer Fangemeinde zu erreichen, folgt ein eingängiger Hit, der zum Ausbrechen aus dem grauen Alltag und aus dem festgefahrenen Lebensrhythmus einlädt. Arbeit scheiße, Freundin weg, schlechtes Wetter? Da hilft nur ein spontaner Ausflug unter Freunden, der sogar „13 Grad und Regen“ zum „perfekten Sommer“ umwandelt. Da Marie Curry gerade auch mit poppigeren Songs wie „On a Journey“ (2012) ihr Publikum begeistern konnte, wird die Reiselust-Thematik auch in anderen Tracks aufgegriffen. Lieder wie „St.Pauli“, „Fieber“ und „67“ fungieren als kleiner Notizzettel an sich selbst, mal die Ketten des Nine-to-Five-Jobs zu sprengen, einfach loszufahren und die Füße aus dem VW-Bus oder – um der wiederkehrende Meeresmetaphorik gerecht zu werden – über die Reling baumeln zu lassen.

Die richtig politischen Statements kommen erst in „2018“, das sich in die Chronologie der Stücke „2014“ (Fliegende Fische, 2014) und „2015“ (Atmen, 2016) einordnen lässt. Bildreich und aggressiv kritisieren sie den Rechtsruck in Deutschland: Dialog und Kompromisse seien keine Alternative mehr; der einzige Ausweg sei, den Rechten die Stirn zu bieten. Auch in „Der Opi aus dem 2.Stock“, „5 nach 12“ oder „Ananasland“, einer Hymne auf die Vielfalt und das interkulturelle Zusammenleben, bekennen die vier Hip-Hop-Sänger politisch Farbe und ordnen sich damit in die Reihen der deutschen Rapszene neben Kraftklub, der Antilopengang oder OK Kid ein.

Mit dem neuen Album bleibt Neonschwarz sich mit dem Stil und der Themenauswahl selbst treu, ohne ihre Anhänger zu langweilen. Mit den zum Teil derben Lyrics und der klaren Positionierung in Sachen Politik werden sie zwar nicht jeden zu sich ins Boot holen können, aber gerade die leichter zu verdauenden Texte laden zum Zurücksehnen des Sommers ein.

Ohrwurm: „Maradona“, „St.Pauli“
Hinhörer: „2018“, „67“
Album in drei Worten: provokativ, gesellschaftskritisch, Fuck-You-Mentalität
Passt zu: einem kühlen Astra
Erinnert an: Feine Sahne Fischfilet, Kobito, Antilopengang

Clash von Neonschwarz

 

: 01.10.18
Label: Audiolith

 

 

 

Text: Valentina Schott
Teaserbild: Robin Hinsch

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