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Abgehört:
„Nurture“ von Sizarr

Mit der Zeile „The Kids take over now“ erlebten Sizarr vor drei Jahren einen absoluten Hype in Deutschland. Ob das zweite Album „Nurture“ der Feuerprobe standhalten kann? SPIESSER-Autorin Louisa hat es für euch herausgefunden.

01. März 2015 - 13:57
SPIESSER-Autorin Lou_.
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Lou_ Offline
Beigetreten: 25.02.2011

Popkulturell wird sich Landau in der Pfalz niemals gegen Städte wie Liverpool oder Berlin behaupten können. Die Geschichte der Band Sizarr liest sich deshalb fast wie ein Märchen. Ihr erstes Konzert hatten die beiden punk-affinen Freunde Marc Übel und Phillip Hülsenbeck vor 10 Jahren auf einem heimischen Weinfest. Wenige Jahre später, jetzt mit Sänger und Gitarrist Fabian Altstötter, steht die Band auf der Bühne des renommierten Melt Festivals. Nach der ersten Platte „Psycho Boy Happy“ tourt die Band sowohl mit Bands wie Vampire Weekend oder Woodkid, als auch als Headliner durch Deutschland. Die Textzeile „The Kids take over now“ aus dem Debütalbum wurde zum Leitmotiv ihres Durchbruchs.

Nach drei turbulenten Jahren melden sich Sizarr mit ihrem Nachfolgeralbum „Nurture“ zurück. Das zweite Album gilt unter Musikern als Feuerprobe. Auch die Aufnahmen zu „Nurture“ verliefen alles andere als reibungslos: „Vom äußerlichen Druck konnten wir uns sehr gut befreien“, so die Band. „Das Problem bestand eher darin, unseren eigenen Erwartungen zu genügen.“

Diese Sorgen klingen bereits in den ersten Tracks wie weggeblasen. Schon der Titeltrack „Clam“ fordert den Zuhörer zum Tanzen ein. „I May Have Lied To You“ mixt hingegen satte elektronische Beats mit Alstötters verrauchter Stimme, die wahlweise deutsche Wörter wie „Einsamkeit“ oder „Zweisamkeit“ in den englischen Text rotzt.

Spätestens mit dem betont lässigen „Timesick“ beweisen die drei, dass man auch nach Brooklyn klingen kann, wenn man aus der Pfalz kommt. Der Song „Scooter Accident“ kommt hingegen viel melancholischer als die vorherigen Songs her. Penetrante Synthesizer-Beats werden mit einem depressiven Text hinterlegt. Spätestens wenn der Hook kommt, wird man von Sizarr in einen imaginären Jahrmarkt gebeamt. Zum Runterkommen von dem Scooter-Adrenalinkick dienen die Songs „Slender Gender“ und „You And I“, die trotz textlicher Melancholie nicht an musikalischer Leichtigkeit verlieren.

Das zentralste Motiv des Albums ist das Erwachsenwerden. Eine Thematik, mit der sich vermutlich die meisten Zuhörer der so häufig beschworenen „Generation Y“ identifizieren können. „I’m over twenty now, but the teenage angst still ranges“, singt Florian Alstötter in „Untitled“. Einer der intimsten Momente des Albums. Vermutlich liegt der Grund für diese Authentizität darin, dass die Band nicht viel älter als ihr Publikum ist. Doch im Unterschied zu den meisten jungen Bands scheuen Sizarr nicht davor, Emotionen zu zeigen. 

Sizarr sind seit ihrem Erstling „Psycho Boy Happy“ erwachsen geworden. Trotzdem fängt „Nurture“ sowohl die Euphorie, als auch die Ängste der Adoleszenz auf nur 10 Tracks ein. Zwar lässt der Frühling noch auf sich warten, beim Klang von Songs wie „Clam“ oder „Timesick“ können wir jedoch schon einmal von den anstehenden Festivals träumen. Dort werden auf Garantie auch diese Jungs aus Landau in der Pfalz anzutreffen sein. Denn nach wie vor gilt: „The Kids take over now“.

Ohrwurm: Timesick

Hinhörer: Clam, Scooter Accident, Untitled

Album in drei Worten: elektronisch, melancholisch, erwachsen

Passt zu: Vom Sommer träumen

Erinnert an: I Heart Sharks, Me And My Drummer, Bodi Bill

„Nurture“ von Sizarr

VÖ: 27. Februar 2015
Label:
Four Music/ Sony Music
Hier klicken zum Reinhören.

 
 

 

Text: Louisa Zimmer
Bilder:
© Klein & West, Pressebilder

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