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Dirk Darmstaedter

Vom erfolgreichen Labelchef zurück zum einfachen Musiker: Dirk Darmstaedter setzt mit seiner neuen CD „Before We Leave“ alles auf eine Karte. SPIESSER-Praktikantin Mireille sprach mit ihm über seinen gewagten neuen Lebensweg und die fassungslosen Reaktionen aus dem Umfeld.

28. November 2014 - 15:31
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Beigetreten: 25.08.2014

Du hast deine Position als Labelchef aufgegeben und tourst durch verschiedene Clubs mit deiner Musik. Kommt da der Jugendliche in dir hervor? (Song: You hold me Captive)

Ich glaube, der war nie weg. Ich werde nächstes Jahr 50 und manchmal frage ich mich: Wie zur
Hölle konnte das passieren? Ich habe zwölf Jahre Tapete Records in Hamburg geführt und aufgebaut.
Aber der Tag hat nur 24 Stunden und das Label wurde allmählich so groß, irgendwann explodierte mir der Kopf. Ich wollte in meine eigene Musik wieder 100 Prozent Energie reinstecken. Manchmal muss man im Leben dann einfach Tschüß sagen und Türen schließen, so dass sich wieder neue öffnen können.

Wie hat dein Umfeld auf diesen Entschluss reagiert? (Song: Some Streets Will Lead Nowhere)

Alle meine Musikerfreunde fragten mich, ob ich wahnsinnig sei, weil es nicht so einfach ist, als Musiker durchzukommen. Für mich war es allerdings an der Zeit, auch als Künstler meine Komfortzone zu verlassen. Es war zwar etwas spooky, von einem Tag auf den anderen wieder gar nichts zu haben bis auf eine Akustikgitarre und ein paar Songs. Das kann einem Angst machen, aber für mich war das rückblickend die beste Entscheidung, die ich seit Langem getroffen habe.

Dirk Darmstaedter

Seit über 30 Jahren ist der gebürtige Hamburger im Musikgeschäft tätig, sowohl vor als auch hinter dem Mikrofon. In den letzten Jahren arbeitete der Singersongwriter vor allem als Leiter seines eigenen Labels
Tapete Records. Mit seiner neuen CD hat er dieser Führungsposition den Rücken gekehrt und will sich fortan
nur noch auf seine eigene Musik  konzentrieren.

Ihr wollt seine CD?

Wir verlosen 5 Mal sein Album „Before We Leave“ – hier geht’s lang.

Was hat dich bei deinen ganzen Musiktourneen, die du unternommen hast, am meisten geprägt? (Song: Lie to me)

Eine der ersten Reisen mit Musik, die mich geprägt hat, lange vor meinem ersten Plattenvertrag oder einem Song, waren meine Interrail-Reisen, die ich ab 14 Jahren gemacht habe. Da bin ich sechs Wochen im Sommer mit Rucksack, Skateboard und einer Akustikgitarre auf dem Rücken durch Europa gereist. Mit 400 Mark bin ich losgefahren und habe überall Musik gemacht, damit meinen Lebensunterhalt verdient und eine tolle Zeit gehabt. Nach sechs Wochen bin ich mit 600 Mark wieder nach Hause gekommen. Von allen Reisen, die ich mit Musik gemacht habe, war das die prägendste, weil ich damals so verdammt jung war. Außerdem hat mir die Reise Vertrauen gegeben, in das, was ich machen kann – gib mir einen Song und eine Ecke, ich singe und irgendwie werde ich es schaffen, damit Geld zu verdienen.

Als junger Mann nur mit seiner Gitarre unterwegs – da muss man bestimmt Rückschläge in Kauf nehmen. Auch später gab es in deiner Musikerkarriere wahrscheinlich einige Aufs und Abs. Was hat dich trotzdem nie aufgeben lassen? (Song: Top of the World)

Ich glaube fest daran, dass es bei Leuten, die keinen Plan B haben, einen Grund dafür gibt. Bei diesen Menschen kam es, denke ich, irgendwann zu einem Bruch. Ursache dafür kann alles Mögliche sein. Bei mir war es der Umzug nach Deutschland, als ich elf war. Das war keine gute Zeit für mich und hat mich zu einem sehr nachdenklichen Jugendlichen gemacht. Das sind natürlich beste Voraussetzungen, um alles auf eine Karte zu setzen und eine Schwachsinnsidee wie „Ich möchte jetzt Musiker und nichts anderes
werden“ umzusetzen. In der Zeit hab ich eine tiefe Verwurzelung zur Musik aufgebaut. Dadurch ist man auch bereit, Rückschläge irgendwie wegzustecken und zu sagen, es ist mir egal, was die Leute oder meine Familie denken, das ist mein Ding, ich verfolge das weiter.

Was können junge Menschen aus deinem Werdegang mitnehmen? (Song: Before We leave)

Es fällt mir manchmal schwer, meinen Beruf als Musiker weiterzuempfehlen, weil es hart ist, damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber generell ist es so, dass du dich irgendwann umschaust und dann wirst du dich nicht über die Sachen ärgern, die du versuchst hast und die nicht geklappt haben. Worüber du dich später wirklich ärgern wirst, sind die Sachen, die du nicht versucht hast, weil du Schiss hattest. Das ist mein Leitspruch. Es ist egal, wenn du auf die Fresse fällst. Habe keine Angst vor den großen Plänen oder großen Gefühlen, nur weil du denkst, dass du das vielleicht nicht schaffen könntest.

„Before We Leave"- Dirk Darmstaedter

VÖ: 26. September 2014
Label: Teaneck Records (Motor Entertainment)

 

Interview: Mireille Huditz
Fotos: Dennis Dirksen

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